Primal Fear in Mannheim am 6. Februar 2014 live auf der Bühne der Alten Seilerei

Primal Fear in Mannheim: Heavy Metal ohne Umwege

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Nur knapp zwei Wochen nach der Veröffentlichung von „Delivering the Black“ standen Primal Fear am 6. Februar 2014 in Mannheim auf der Bühne der Alten Seilerei. Und der Donnerstagabend hatte alles, was zu dieser Band passte: wenig Abstand, viel Druck und Heavy Metal, der keine lange Anlaufphase brauchte. Mit Bullet und Messenger war das Paket der „Eagles & Lions Tour 2014“ außerdem deutlich mehr als ein gewöhnlicher Konzertabend mit einer kurzen Vorband.

Gerade die Alte Seilerei Mannheim war für diesen Sound ein ziemlich passender Ort. Hier verschwand die Band nicht irgendwo hinter einer riesigen Produktion. Die Bühne war nah, die Musiker wirkten zum Greifen dicht und jede Bewegung bekam im vergleichsweise kompakten Raum mehr Gewicht. Für mich war schnell klar: Das würde kein Abend werden, bei dem man sich entspannt in irgendeine Ecke stellt und die Musik nebenbei laufen lässt.

Bullet und Messenger machen die Alte Seilerei warm

Bevor Primal Fear übernahmen, gehörte die Bühne zunächst Messenger und anschließend den Schweden Bullet. Beide gehörten offiziell zum Tourpaket, Bullet waren auf der „Eagles & Lions Tour“ sogar als Co-Headliner unterwegs.

Vor allem Bullet passten mit ihrem schnörkellosen, stark von den Achtzigern geprägten Heavy Metal hervorragend zwischen Leder, Gitarren und die ohnehin traditionelle Ausrichtung dieses Abends. Das war kein stilistischer Fremdkörper, sondern ein ziemlich logisch zusammengestelltes Billing. Die Schweden setzten auf Riffs, Tempo und klassische Metal-Attitüde. Ein Warm-up im eigentlichen Sinne fühlte sich das längst nicht mehr an.

Und dann kam Primal Fear.

Plötzlich war noch einmal eine andere Präsenz im Raum. Ralf Scheepers ist ohnehin kein Sänger, der auf einer Bühne untergeht. Seine Stimme besitzt diese enorme Höhe und Schärfe, gleichzeitig aber genug Kraft, um nicht dünn zu wirken. Aus unmittelbarer Nähe wird erst richtig deutlich, wie körperlich er diese Songs singt. Kein großes Theater davor. Mikrofon hoch, Stimme raus, Treffer.

„Delivering the Black“ frisch aus dem Presswerk

Der Zeitpunkt des Mannheimer Konzerts hätte für neues Material kaum besser passen können. „Delivering the Black“ war erst am 24. Januar 2014 erschienen, gerade einmal 13 Tage vor dem Auftritt in der Alten Seilerei. Das zehnte Studioalbum stieg kurz darauf auf Platz 13 der deutschen Albumcharts ein.

Damit stand Primal Fear an diesem Abend nicht mit einer Platte auf Tour, die längst jeder monatelang kannte. Songs wie „King for a Day“, „Alive & On Fire“, „When Death Comes Knocking“, der Titelsong „Delivering the Black“ oder das fast zehnminütige „One Night in December“ waren noch frisch. Man spürte diese Phase zwischen Bekanntem und Neuem, in der eine Band ihr aktuelles Album erst auf der Bühne richtig in Besitz nimmt.

Der neue Stoff passte dabei erstaunlich nahtlos zu Primal Fear. Die Band musste ihren Stil nicht neu erfinden. Musste sie auch gar nicht. Mächtige Gitarren, ein druckvolles Fundament und Scheepers‘ Stimme waren die Konstanten, während „Delivering the Black“ genügend neue Akzente setzte, um nicht wie eine bloße Fortsetzung von „Unbreakable“ zu wirken.

Ralf Scheepers steht im Zentrum

Live zog Scheepers zwangsläufig viel Aufmerksamkeit auf sich. Sobald er sich nach vorne orientierte, war da diese Mischung aus Kontrolle und Kraft, die bei Primal Fear seit Jahren den Wiedererkennungswert ausmacht. Die hohen Passagen wirkten nicht wie ein Effekt, den man für zwei Höhepunkte aufsparte. Sie gehörten zu seinem normalen Arbeitsbereich.

Daneben sorgten Mat Sinner am Bass und Alex Beyrodt an der Gitarre dafür, dass der Auftritt nie zu einer reinen Sänger-Show wurde. Randy Black gab dem Ganzen am Schlagzeug den nötigen Druck. Auf dieser Tour war außerdem der frühere Primal-Fear-Gitarrist Tom Naumann wieder live dabei und vertrat Magnus Karlsson, wie Konzertberichte von weiteren Stationen derselben Tour dokumentieren.

Fotografisch war das genau die Art Konzert, die Spaß macht. Keine kilometerweite Distanz. Gesichter, Instrumente und Gesten waren präsent, und statt einer riesigen Showproduktion standen tatsächlich die Musiker im Mittelpunkt. Besonders Scheepers bot ständig diese markanten Momente, bei denen Stimme, Mimik und Körperspannung zusammenkamen.

Klassiker und neue Songs auf derselben Tour

Eine vollständig verifizierte Setlist speziell für den Mannheimer Abend ist heute nicht erhalten. Die dokumentierten Shows derselben Tour zeigen allerdings ziemlich deutlich, wie Primal Fear ihr Programm damals aufbauten: aktuelles Material aus „Delivering the Black“ traf auf Stücke wie „Final Embrace“, „Nuclear Fire“, „Seven Seals“, „Chainbreaker“, „Fighting the Darkness“ und natürlich „Metal Is Forever“.

Gerade dieser Mix erklärt, warum die Tour funktionierte. Die neuen Stücke mussten sich zwischen Songs behaupten, die für viele Fans längst fest mit Primal Fear verbunden waren. Da gab es keinen Schonraum für ein frisch veröffentlichtes Album.

Und die Alte Seilerei machte jede dieser Nummern unmittelbarer. Gitarrenwände konnten sich hier nicht in einer riesigen Halle verlieren, Scheepers‘ Stimme kam mit voller Wucht zurück und zwischen Bühne und Publikum blieb wenig Platz für Distanz. Genau solche Abende bleiben hängen, weil sie sich größer anfühlen, als der Raum eigentlich ist.

Primal Fear bringen den Metal zurück nach Mannheim

Für Primal Fear war Mannheim eine Station mitten in einer dicht gepackten Europatour. Vor dem Konzert lagen bereits Auftritte in Deutschland, der Schweiz und Spanien, am nächsten Abend ging es direkt weiter ins belgische Vosselaar, danach nach Bochum, München und Berlin.

An diesem 6. Februar interessierte dieser Tourplan in der Alten Seilerei allerdings herzlich wenig. Hier zählte die Bühne vor einem. Ralf Scheepers, Mat Sinner und ihre Mitstreiter lieferten genau die Sorte Heavy Metal, für die Primal Fear seit Ende der Neunziger stehen: geradlinig, laut und mit einem ausgeprägten Gespür für große Refrains.

Kein modischer Umweg. Kein Versuch, plötzlich etwas anderes sein zu wollen.

Primal Fear waren an diesem Abend einfach Primal Fear. Und in der engen Alten Seilerei kam genau das mit voller Wucht an.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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