Chris Brown am 22. Mai 2016 während der „One Hell Of A Nite Tour“ live in der Festhalle Frankfurt

Chris Brown in Frankfurt: Eine Nacht zwischen R&B und Dance

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Ein animierter Sprayer zieht seine Linien über eine Wand. „One Hell Of A Nite“ entsteht als Graffiti, Polizei taucht auf, die Flucht beginnt. Dann fällt der Vorhang. Chris Brown fährt aus dem Bühnenboden nach oben und wenige Sekunden später ist die Festhalle kein klassischer Konzertsaal mehr, sondern irgendwo zwischen R&B-Club, Tanzshow und riesigem Musikvideo angekommen. Chris Brown in Frankfurt eröffnet am 22. Mai 2016 mit „Fine by Me“ den europäischen Abschnitt seiner Tour und macht sofort klar, wo an diesem Abend der Schwerpunkt liegt: Bewegung. Viel Bewegung. 

Acht Tänzerinnen und Tänzer begleiten den damals 27-Jährigen, gewaltige LED-Flächen liefern ständig neue Bilder, Bässe drücken durch die Halle. Brown selbst steht kaum still. Streetdance, Freestyle, schnelle Drehungen und präzise Choreografien wechseln sich mit Gesangspassagen ab. Sein im Dezember zuvor veröffentlichtes Album „Royalty“bildet dabei einen wichtigen Teil des Programms, doch die Show greift weit darüber hinaus auf seine bisherige Karriere zurück. 

Erst das Warm-up, dann übernimmt Breezy

Bevor der Hauptact gegen 21.30 Uhr erscheint, bekommt Frankfurt ein umfangreiches Hip-Hop-Warm-up. Zum Tourumfeld gehören unter anderem August Alsina und Casey Veggies, daneben stehen Musiker aus Browns OHB-Crew im Fokus. Der Abend wirkt dadurch von Beginn an eher wie eine gemeinsame R&B- und Hip-Hop-Show als wie das klassische Modell aus einem einzelnen Support und anschließendem Headliner. 

Als Brown schließlich übernimmt, geht es schnell. Auf „Fine by Me“ folgt „Zero“, danach „Stereotype“ und „Came to Do“. Die dreieckige Bühne läuft weit in den Innenraum hinein und bringt Brown immer wieder unmittelbar an die ersten Reihen. Bei „Love More“ pumpen animierte Equalizer über die Videowände, zu „Deuces“ bewegen sich Arme durch die Halle. Das Konzert setzt weniger auf eine klassische Liveband als auf Beats, Backings, DJ-Elemente, Videos und eine perfekt auf Brown abgestimmte Dancecrew. 

Bei „She Ain’t You“ wird aus dem Konzert ein Musikvideo

Nach „Strip“ und „Look at Me Now“ ziehen Nebelschwaden über die Bühne. Wolken erscheinen auf den Screens, Brown reiht sich zwischen seine Tänzer ein und „She Ain’t You“ wird zur durchchoreografierten Showsequenz. Gerade hier zeigt sich, warum Tanz seit Beginn seiner Karriere mindestens genauso wichtig für seine Auftritte ist wie der Gesang. Jede Bewegung sitzt, die Crew greift seine Schritte auf und die Bühne wird zum laufenden Bild. 

Brown spielt dabei immer wieder mit der Nähe zum Publikum. Mal steht er am äußersten Ende des Laufstegs, dann verschwindet er wieder zwischen seinen Tänzern. Die großen Videoflächen sorgen dafür, dass selbst kleine Gesten bis weit nach hinten sichtbar bleiben. Ein T-Shirt landet irgendwann im Publikum. Die Lautstärke steigt entsprechend.

„Little Bit“ nimmt dem Bass für einen Moment die Macht

Im Mittelteil fährt die Produktion herunter. „Take You Down“, „No Bullshit“, „Back to Sleep“, „Liquor“, „Drunk Texting“ und „With You“ bringen die langsamere R&B-Seite nach vorne. Gerade hier zeigt sich allerdings auch die Kehrseite der massiven Produktion: Viel Bass und Hall lassen Browns Stimme zeitweise weniger klar hervortreten. 

Dann kommt „Little Bit“. Die musikalische Begleitung wird reduziert und plötzlich steht stärker die Stimme im Mittelpunkt. Am Ende singt Brown sogar ohne Instrumental weiter. Nach der Lautstärke und den permanenten Bewegungen davor ist diese kurze Reduktion einer der interessanteren Momente des Abends.

Lange ruhig bleibt Frankfurt natürlich nicht.

Aus Chris Brown wird DJ Breezy

Ein DJ-Pult fährt oberhalb der Videowand nach oben. „Five More Hours“ setzt ein, der Innenraum springt und wenig später steht Brown selbst hinter den Decks. Auf dem Screen erscheint „DJ Breezy“. Aus dem R&B-Konzert wird endgültig eine große Clubnacht. 

„Paradise“, „Anyway“ und Pitbulls „Fun“ halten das Tempo hoch. Dazu kommen kurze Passagen und Medleys aus Songs, an denen Brown als Gast beteiligt war. „Show Me“, „Main Chick“ oder „Post to Be“ ziehen seine Kollaborationen mit anderen US-Rappern und R&B-Künstlern in die Show. Später bekommt auch die OHB-Crew noch einmal Raum. Die dokumentierte Frankfurter Setlist umfasst dadurch weit über 40 einzelne Songs, Medleys und Fragmente. 

Brown arbeitet sich damit nicht einfach chronologisch durch seine Alben. Die Songs werden ineinandergeschoben, verkürzt, gemischt und häufig direkt in die nächste Choreografie überführt. Stillstand wäre bei dieser Show ohnehin das falsche Konzept.

„Yeah 3x“ bringt die Festhalle endgültig zusammen

Im letzten Teil folgen mit „Beautiful People“, „Forever“, „Turn Up the Music“ und „Fine China“ mehrere seiner bekanntesten Nummern. Pyrotechnik setzt Akzente, die Videowände wechseln permanent ihre Optik und die Dancecrew bekommt noch einmal reichlich Arbeit.

Besonders „Yeah 3x“ funktioniert in Frankfurt als großer gemeinsamer Popsong. Hier sitzt der Refrain auch bei jenen, die nicht jedes R&B-Album von Brown auswendig kennen. Die Festhalle singt mit, während auf der Bühne weiter getanzt wird. Danach folgen „Wrist“ und „New Flame“. 

Für die Zugabe bleiben zwei Titel, die ziemlich genau zu dieser Show passen.

„Ayo“. Goldregen. Noch einmal die komplette Crew.

Dann „Loyal“.

Keine lange Ballade als Abschied und kein stilles Verbeugen. Chris Brown beendet seinen europäischen Tourauftakt so, wie er begonnen hat: mit Bass, Bewegung und einer Bühne, die bis zur letzten Minute nach Großraum-Club aussieht. 

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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