
Simply Red in Mannheim: 30 Jahre Soul und große Hits
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Erst flimmerten drei Jahrzehnte Bandgeschichte über die große Leinwand, dann wurde es ruhig. Mick Hucknall kam auf die Bühne und begann „Holding Back the Years“ überraschend reduziert. Kein bombastischer Einstieg, kein Effektgewitter. Stattdessen diese sofort erkennbare Soulstimme, begleitet von feinen Bläsern und einer Band, die den Songs viel Raum ließ. Am 10. November 2015 feierten Simply Red in Mannheim ihr 30-jähriges Bestehen mit 8.500 Besuchern in der SAP Arena. Für die Band war es zugleich die Rückkehr nach einer mehrjährigen Pause.
Der Abend hatte noch einen zweiten Jubiläumsmoment zu bieten: Ausgerechnet beim Simply-Red-Konzert passierte die neunmillionste Besucherin seit Eröffnung der SAP Arena die Einlassschleusen. Drinnen ging es allerdings weniger um Statistiken. Hucknall begrüßte Mannheim kurz, lud zur musikalischen Zeitreise ein und ließ danach lieber die Songs sprechen.
Nicole Bernegger eröffnet den Soul-Abend
Bevor Simply Red die Bühne übernahmen, gehörte sie Nicole Bernegger. Die Schweizer Sängerin hatte 2013 die erste Staffel von „The Voice of Switzerland“ gewonnen und passte mit ihrer kräftigen Soulstimme hervorragend in diesen Abend. Eigene Songs wechselten sich mit Interpretationen bekannter Nummern ab, darunter „Feeling Good“. Ein klassischer Supportslot fühlte sich das kaum an. Bernegger bekam schnell Aufmerksamkeit und bereitete den Boden für eine Band, deren musikalische Wurzeln ebenfalls tief im Soul liegen.
Gegen 21 Uhr wurde es dann ernst. Simply Red standen wieder gemeinsam auf einer deutschen Arenabühne. Neben Hucknall prägten langjährige Weggefährten wie Ian Kirkham am Saxophon, Kevin Robinson an der Trompete und Kenji Suzuki an der Gitarre den Sound. Gerade die Bläser machten schon beim ruhigen Beginn deutlich, wie wichtig die Band für diese Songs ist. Simply Red waren an diesem Abend weit mehr als ein berühmter Sänger mit Begleitmusikern.
„Night Nurse“ bringt den Innenraum auf die Beine
Die erste halbe Stunde gehörte eher den sanften Tönen. „Home“, „Say You Love Me“, „For Your Babies“, „So Not Over You“ und „You’ve Got It“ ließen Hucknalls Stimme viel Platz. Das Publikum hörte aufmerksam zu, blieb zunächst aber erstaunlich diszipliniert auf den Plätzen. Schön. Fast ein bisschen zu schön.
Dann kam „Night Nurse“.
Der Gregory-Isaacs-Klassiker veränderte die Stimmung innerhalb weniger Augenblicke. Im Innenraum standen die Menschen auf und drängten nach vorne, Reggae-Groove ersetzte die zurückhaltende Atmosphäre und plötzlich wurde getanzt. Von diesem Moment an blieb die Energie oben. „A New Flame“ und „It’s Only Love“ hielten den Schwung, und aus dem Soulkonzert wurde immer stärker eine Feier jener Songs, die viele Besucher seit Jahrzehnten begleiteten.
„Stars“ zeigt, warum Mick Hucknalls Stimme geblieben ist
Bei „Your Mirror“ durfte Kenji Suzuki die Gitarre weiter nach vorne holen, doch spätestens bei „Stars“ gehörte die Aufmerksamkeit wieder Mick Hucknall. Die Stimme hatte diesen eigenwilligen Mix aus Wärme, Kraft und leicht rauer Kante, durch den Simply Red schon nach wenigen Worten unverwechselbar bleiben. Hucknall stand dabei keineswegs steif am Mikrofon. Mit zunehmender Dauer wurde er beweglicher, spielte mit dem Publikum und ließ die zunächst kontrollierte Show lockerer werden.
„The Right Thing“, „Fake“, „Come to My Aid“ und „Sunrise“ führten direkt zu einem weiteren großen Moment. Bei „Money’s Too Tight (To Mention)“ sang praktisch die gesamte Halle mit. Der Refrain wanderte durch den Innenraum und hinauf auf die Ränge, während die Band den Funk-Groove immer weiter vorantrieb. Danach war erst einmal Schluss. Zumindest scheinbar.
„Big Love“ trifft auf drei Jahrzehnte Simply Red
Interessanterweise spielte das aktuelle Album „Big Love“, mit dem Simply Red 2015 ihr Comeback eingeläutet hatten, im Konzert selbst nur eine kleine Rolle. „Shine On“ eröffnete die erste Zugabe und war der einzige Titel der neuen Platte im Mannheimer Programm. Viel stärker stand das 30-jährige Jubiläum im Mittelpunkt. Das war konsequent: Diese Tour lebte von einer Bandgeschichte, die von „Picture Book“ über „Stars“ bis „Life“ genügend Material für mehrere Abende geliefert hätte.
Nach „Shine On“ folgte „Fairground“. Jetzt drehten Ian Kirkham und Kevin Robinson mit Saxophon und Trompete noch einmal kräftig auf, und die SAP Arena tanzte. Wieder verschwand die Band. Einige Besucher machten sich bereits Richtung Ausgang auf. Zu früh.
Simply Red kamen ein zweites Mal zurück.
„If You Don’t Know Me by Now“ wird zum letzten großen Moment
Mit „Something Got Me Started“ gab es noch einmal Tempo, bevor „If You Don’t Know Me by Now“ den Abend bewusst ruhig beendete. Kein Feuerwerk. Keine große Explosion. Mick Hucknall brauchte für diesen Song ohnehin nichts davon. Seine Stimme, die Band und 8.500 Menschen reichten vollkommen.
24 Songs hatten Simply Red an diesem Abend gespielt: „Holding Back the Years“, „Stars“, „Money’s Too Tight“, „Fairground“, „Something Got Me Started“ und all die Nummern dazwischen. Eine musikalische Reise durch 30 Jahre, die zunächst beinahe zurückhaltend begann und spätestens mit „Night Nurse“ ihren Groove fand.
Am Ende standen die Besucher in der SAP Arena und feierten nicht nur Mick Hucknall. Sie feierten Simply Red.
Genau das war der Unterschied.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures














