
Gentleman in Wiesbaden: Reggae zwischen Strandkörben
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Am 10. Juli 2021 stand Gentleman beim Strandkorb Open Air in der BRITA-Arena Wiesbaden auf der Bühne. Der Termin ist auch in den damaligen Tourdaten des Reggae-Musikers für die Wiesbadener Arena dokumentiert. Nach Monaten, in denen Konzerte häufig nur im Stream oder aus dem Autoradio zu erleben waren, wirkte dieser warme Sommerabend schon wieder ein gutes Stück vertrauter. Vor der Bühne standen zwar weiterhin die für das Veranstaltungskonzept typischen Strandkörbe, doch die Musik kam endlich wieder direkt von einer Band.
Das Wetter spielte ebenfalls mit. Hohe Temperaturen, ein später Sonnenuntergang und entspannte Reggae-Rhythmen lieferten die passende Umgebung für einen Abend, der musikalisch weit weg vom Alltag führte.
Treesha und Tamika übernehmen den Auftakt
Bevor Gentleman selbst auf die Bühne kam, gehörten die ersten beiden Songs Treesha und Tamika. Die beiden Sängerinnen stimmten das Publikum auf den Abend ein, ehe nach einem weiteren Intro Gentleman das Programm übernahm.
Lange brauchte es danach nicht, bis die BRITA-Arena ihren eigenen Rhythmus gefunden hatte. Gentleman arbeitete weniger mit großer Show als mit Bewegung, direktem Kontakt zu den Zuschauerbereichen und einer Band, die den Songs genügend Raum ließ. Bass und Schlagzeug legten das Fundament, darüber wechselten Gitarren, Keyboards und Stimmen zwischen Roots Reggae und moderneren Einflüssen.
Das Strandkorb-Konzept setzte dem Publikum zwar klare Grenzen. Still blieb es deshalb nicht.
Bekannte Songs treffen auf „Blaue Stunde“
Das Programm verband ältere Stücke mit Material aus „Blaue Stunde“. Das im November 2020 veröffentlichte Album markierte einen deutlichen Einschnitt in Gentlemans Diskografie: Erstmals entstand ein komplettes Albumprojekt überwiegend in deutscher Sprache.
Gerade live war dieser Wechsel interessant. Zwischen den englischsprachigen und vom jamaikanischen Reggae geprägten älteren Songs standen plötzlich deutsche Texte, ohne dass sich der musikalische Grundcharakter komplett veränderte.
Die neuen Titel mussten sich deshalb nicht gegen die Klassiker behaupten. Sie ergänzten das Set vielmehr um eine andere Klangfarbe. Reggae funktionierte auch auf Deutsch, und das Wiesbadener Publikum nahm diese Stücke entsprechend offen auf.
Die BRITA-Arena bekommt Sommerabend-Stimmung
Je tiefer die Sonne sank, desto besser passte das Bild zur Musik.
Über der Arena färbte sich der Himmel, während vor der Bühne die Strandkörbe in langen Reihen standen. Dazwischen wurde getanzt, mitgesungen und der Platz genutzt, den das damalige Veranstaltungskonzept erlaubte. Das Strandkorb Open Air Wiesbaden lief im Sommer 2021 über mehrere Wochen in der BRITA-Arena und setzte dabei auf ein weitläufiges Konzept mit hunderten Strandkörben.
Bei Gentleman wirkte diese Distanz weniger störend als bei manchem Rockkonzert. Reggae braucht keinen Moshpit. Entscheidend waren Groove, Bewegung und die Reaktion auf die Bühne.
Und davon gab es an diesem Abend genügend.
Gentleman hält das Tempo flexibel
Das Set blieb nicht permanent auf einer Geschwindigkeit. Entspanntere Passagen wechselten mit deutlich druckvolleren Nummern, bei denen Bass und Rhythmus stärker nach vorne rückten.
Gentleman ließ sich dabei von seiner Band tragen, zog sich gelegentlich zurück und gab seinen Mitmusikern Raum. Wenige Augenblicke später stand er wieder vorne an der Bühnenkante und suchte den Kontakt zum Publikum.
Gerade diese Wechsel verhinderten, dass aus dem Konzert eine gleichförmige Reggae-Session wurde. Alte Songs sorgten für schnelle Wiedererkennung, das Material von „Blaue Stunde“ verlangte stellenweise genaueres Zuhören.
Nach der langen Pause zwischen regulären Konzerten wirkte die Band dabei nicht so, als wolle sie einfach einen Termin erledigen. Die Freude über die unmittelbaren Reaktionen aus dem Publikum war sichtbar.
„Redemption Song“ setzt den ruhigen Schlusspunkt
Zum Ende wurde es noch einmal deutlich reduzierter. Mit „Redemption Song“, Bob Marleys 1980 veröffentlichtem Klassiker, verabschiedete sich Gentleman an diesem Abend vom Wiesbadener Publikum. Dass der Song auch 2021 zu seinem Live-Repertoire gehörte, ist von weiteren Strandkorb-Auftritten desselben Sommers dokumentiert.
Nach den rhythmischeren Abschnitten zuvor setzte diese Nummer einen bewusst ruhigen Abschluss.
Gentleman und seine Band kamen anschließend noch einmal gemeinsam nach vorne. Die Reaktion aus den Strandkörben machte deutlich, wie sehr solche Abende inzwischen gefehlt hatten.
Am Ende war es kein Ausflug nach Jamaika und sollte auch keiner sein. Es war ein Reggae-Konzert mitten in Wiesbaden, bei sommerlichen Temperaturen und vor Menschen, die nach langer Zeit wieder gemeinsam vor einer Bühne stehen konnten. Das reichte völlig.
Text & Foto © Jan Heesch














