Gregor Meyle am 13. Mai 2016 mit Gitarre bei seiner „Das Beste kommt noch“-Tour im Capitol Mannheim

Gregor Meyle in Mannheim: Songs, Geschichten und viel Nähe

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Hut, Brille, Gitarre. Mehr braucht es zunächst nicht. Als Gregor Meyle in Mannheim am 13. Mai 2016 auf die Bühne des Capitols kommt, wirkt der Abstand zwischen Künstler und Publikum schnell erstaunlich klein. Genau darin liegt die Stärke seiner „Das Beste kommt noch“-Tour: keine aufgeblasene Popproduktion, sondern Songs, eine ausgezeichnete Band und Geschichten, die den Konzertabend immer wieder persönlich werden lassen. Der Mannheimer Termin begann um 20 Uhr und gehörte zu der Konzertreihe, mit der Meyle im Frühjahr und Sommer 2016 erneut durch Deutschland tourte. 

Seit seinem Durchbruch durch „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ hatte sich vieles verändert. Die Bühnen waren größer geworden, Fernsehzuschauer kannten plötzlich den Mann, der zuvor jahrelang unermüdlich durch Clubs gezogen war. Verloren gegangen war die Nähe dabei kaum. Selbst mit größerer Band blieb Meyles Konzertstil auf persönliche Erzählungen, spontane Bemerkungen und die Geschichten hinter seinen Liedern ausgerichtet. 

Markus Vollmer eröffnet den Abend

Bevor Gregor Meyle selbst übernimmt, steht mit Markus Vollmer ein Musiker auf der Bühne, der eng zu seinem musikalischen Umfeld gehört. Vollmer eröffnet den Mannheimer Abend als Support. Ein passender Einstieg, denn hier treffen keine künstlich voneinander getrennten Showblöcke aufeinander. Vieles wirkt eher wie ein Abend unter Musikern, bei dem das gemeinsame Spielen wichtiger ist als eine möglichst spektakuläre Inszenierung. 

Als Meyle anschließend mit seiner Band übernimmt, verändert sich die Atmosphäre sofort. Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboards und Backgroundgesang geben den Songs deutlich mehr Tiefe, ohne ihren Singer-Songwriter-Charakter zu verlieren. Meyle steht mal mit Akustikgitarre vorne, zieht sich dann wieder zurück und überlässt seinen Musikern Raum. Gerade im Capitol funktioniert diese Dynamik hervorragend. Keine riesige Distanz. Keine Videowand, die Aufmerksamkeit fordert. Der Blick bleibt bei den Musikern.

„Das Beste kommt noch“ ist mehr als ein Tourtitel

Der Titel der Tour passt zu Meyles eigener Geschichte fast zu gut. „Das Beste kommt noch“ klingt nach Optimismus, aber nicht nach blindem Durchhalteparolen-Pop. Meyles Songs handeln häufig von Umwegen, Beziehungen, Rückschlägen und dem Versuch, trotzdem weiterzugehen. Die Konzertprogramme dieser Tourphase verbanden Stücke aus mehreren Alben, darunter „So lange ich dran glaube“, „Ich glaub an Dich“, „Hier spricht Dein Herz“, „Heute Nacht“, „Finde Dein Glück“, „Frei mit Dir“ und natürlich den Titelsong „Das Beste kommt noch“. 

Viele dieser Nummern leben weniger von einem sofort explodierenden Refrain als vom langsamen Aufbau. Meyle erzählt, die Band steigt ein, ein Gitarrenton bleibt etwas länger stehen. Dann öffnet sich der Song. Gerade „Hier spricht Dein Herz“ oder „Du bist das Licht“ funktionieren in einem Raum wie dem Capitol deshalb besonders gut. Das Publikum hört erst zu und singt anschließend mit.

Dazwischen spricht Meyle über das Leben. Mal ernst, mal mit trockenem Humor. Seine Konzerte sind nie einfach eine Reihenfolge von Titeln. Hinter fast jedem Stück wartet eine Geschichte, eine Erinnerung oder wenigstens eine kleine Bemerkung, die den nächsten Song in einen anderen Zusammenhang stellt.

Von „Sing meinen Song“ zurück auf die Clubbühne

2014 hatte „Sing meinen Song“ Gregor Meyles Karriere grundlegend verändert. Plötzlich standen mehrere seiner Veröffentlichungen gleichzeitig weit oben in den digitalen Charts, „Keine ist wie Du“ erreichte ein neues großes Publikum und die Konzerte wurden erheblich größer. Gleichzeitig hatte er mit „Meylensteine“ inzwischen ein eigenes TV-Format bekommen, in dem er andere Musiker und deren Songs traf. 

Im Capitol ist von Fernsehdistanz trotzdem wenig zu spüren. Meyle funktioniert hier weiterhin wie ein Musiker, der lieber mit seinem Publikum spricht als zu ihm. Keine einstudierte Superstar-Pose. Keine künstliche Unnahbarkeit.

Das macht auch die ruhigeren Passagen stark. Wenn die Band Lautstärke herausnimmt und nur noch Stimme, Gitarre oder einzelne Instrumente übrig bleiben, wird es im Saal merklich konzentrierter. Wenige Minuten später darf es wieder bluesiger, souliger oder rockiger werden. Meyles Musik lässt sich ohnehin nur schwer sauber in eine Schublade stecken.

Bei „Keine ist wie Du“ singt Mannheim mit

Natürlich gibt es Songs, auf die ein beträchtlicher Teil des Publikums wartet. „Keine ist wie Du“ gehört dazu. Die Ballade hatte durch Sarah Connors Interpretation bei „Sing meinen Song“ noch einmal eine völlig neue Aufmerksamkeit bekommen, blieb aber unverkennbar Meyles Stück.

Auch „Frei mit Dir“, „Du bist das Licht“ und „Hätt nix dagegen“ gehörten zum Repertoire dieser Tourphase, bevor die Zugaben noch einmal die ruhigere Seite nach vorne holten. „Niemand“ und „Kleines Lied“ standen ebenfalls regelmäßig am Ende des Programms. 

Der große Knall fehlt. Absichtlich.

Gregor Meyle braucht ihn nicht. Statt Konfetti bleibt am Ende dieses warme Gefühl, das entsteht, wenn ein Sänger seine Songs nicht einfach abliefert, sondern sie noch einmal mit dem Raum teilt.

Und genau dafür ist das Capitol an diesem Abend der richtige Ort.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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