Jeanette Biedermann live beim Auftakt ihrer DNA Tour 2020 im Capitol Mannheim

Jeanette Biedermann in Mannheim: Neustart mit „DNA“

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Am 20. Januar 2020 begann für Jeanette Biedermann im Capitol Mannheim ein neues Kapitel. Zehn Jahre nach ihrem letzten Soloalbum stand sie wieder mit eigenem Material auf Tour, diesmal auf Deutsch und deutlich persönlicher als früher. Jeanette Biedermann in Mannheim war deshalb weniger ein klassisches Comeback mit möglichst vielen alten Hits. Es fühlte sich eher nach einem Neustart an. Und Mannheim bekam davon gleich den ersten Abend: Das Capitol war offizieller Auftakt der „DNA“-Tour 2020.

Man merkte ihr die Bedeutung dieses Abends an. Da stand eine Sängerin auf der Bühne, die viele noch mit „Rock My Life“, „Right Now“ oder natürlich ihrer Rolle als Marie Balzer bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ verbinden. Aber genau dieses Bild wollte sie nicht einfach noch einmal reproduzieren.

Die Richtung war eine andere geworden.

„DNA“ zeigt eine andere Jeanette Biedermann

Das Album „DNA“ war am 20. September 2019 erschienen und beendete eine zehnjährige Pause zwischen zwei Soloalben. Es war zugleich ihr erstes komplett deutschsprachiges Soloalbum.

Im Capitol wurde schnell deutlich, warum die Sprache dabei so viel ausmacht. Songs wie „Wie ein offenes Buch“ oder „Deine Geschichten“ wirken näher an ihr selbst als vieles aus der frühen Popkarriere. Biedermann hatte vor Veröffentlichung des Albums erklärt, dass sie sich auf Deutsch tiefgründiger und ehrlicher ausdrücken könne.

Das hört man.

Die Texte erzählen persönlicher, manchmal fast unangenehm direkt. Weniger Popstar-Pose, mehr eigenes Leben. Und das passt ziemlich gut in einen Club wie das Capitol, wo zwischen Bühne und Publikum eben keine riesige Arena liegt.

Gerade beim Tourauftakt war diese Nähe ein Vorteil.

Zwischen neuer Musik und Erinnerungen an die 2000er

Natürlich kann Jeanette Biedermann ihre Vergangenheit nicht einfach an der Garderobe abgeben. Muss sie auch nicht.

Mehr als eine Million Tonträger hatte sie bereits bis zu ihrem 2009 erschienenen Album „Undress to the Beat“ verkauft. Ihre Karriere war eng mit jenem deutschen Pop der frühen 2000er verbunden, der damals aus praktisch jedem Radio kam.

Und wenn ein Song wie „Rock My Life“ auftaucht, passiert eben etwas.

Auf der „DNA“-Tour blieb dieser alte Teil ihrer Karriere im Programm. Schon beim Konzert am folgenden Abend in Frankfurt standen neben neuen Titeln wie „Wie ein offenes Buch“, „Wenn ich Du wäre“ oder „Eine Handvoll Worte“ auch „Rock My Life“ und „Run With Me“ auf der Setlist.

Das ist die richtige Mischung. Die alten Songs nicht verleugnen, aber auch nicht zwei Stunden lang so tun, als wäre noch 2002.

Jeanette Biedermann wirkte in Mannheim ohnehin nicht wie jemand, der verzweifelt versucht, eine frühere Version seiner selbst zurückzuholen. Dafür war zu viel passiert.

„Sing meinen Song“ brachte Jeanette zurück ins Blickfeld

2019 war sie bereits wieder deutlich sichtbarer geworden. Bei der VOX-Sendung „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ hatte Biedermann gezeigt, dass hinter den Erinnerungen an GZSZ und Teenie-Pop eine Sängerin steckt, die musikalisch längst an einem anderen Punkt angekommen war. Kurz darauf folgte „DNA“, Anfang 2020 dann die Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Der Tourauftakt im Capitol wirkte dabei angenehm unspektakulär im besten Sinne.

Keine gigantische Comeback-Erzählung. Kein permanentes „Schaut her, ich bin wieder da“.

Sie war einfach da.

Mit Band, neuen Songs und einem Publikum, das offenbar ziemlich neugierig darauf war, welche Jeanette Biedermann inzwischen vor ihm stand.

Im Capitol zählt die Nähe mehr als die große Show

Das Capitol war für diesen Auftakt ein guter Ort. Nah genug, damit man Mimik und kleine Reaktionen auf der Bühne mitbekommt. Groß genug, damit aus den Refrains trotzdem gemeinsames Singen werden kann.

Biedermann nutzte das.

Sie suchte den Kontakt nach vorne, wirkte gelöst und ließ den Songs Raum. Gerade die neuen Stücke brauchten keine überladene Inszenierung. Vieles lebte von den Texten und ihrer inzwischen raueren, erwachseneren Stimme.

Und irgendwann wurde klar, dass der Begriff „Comeback“ eigentlich nicht ganz passt.

Denn Jeanette Biedermann war nie wirklich verschwunden. Sie hatte mit der Band Ewig Musik gemacht, stand als Schauspielerin vor der Kamera und war 2019 wieder verstärkt solo zu sehen.

Was in Mannheim begann, war etwas anderes.

Eine Rückkehr zu ihrem eigenen Namen. Zu ihrer eigenen Musik. Und diesmal auf Deutsch.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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