
Stahlzeit in Frankfurt: Feuer frei in der Jahrhunderthalle
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Am 17. Januar 2020 war in der ausverkauften Jahrhunderthalle Frankfurt schon nach wenigen Minuten klar, dass dieser Abend heiß werden würde. Sehr heiß. Stahlzeit machten mit ihrer „Schutt + Asche“-Tour Station am Main und brachten eine Rammstein-Tribute-Show auf die Bühne, bei der der Begriff „Coverband“ ziemlich schnell zu klein wirkte. Stahlzeit in Frankfurt bedeutete zweieinhalb Stunden brachialen Sound, Feuer, Schweiß und 26 Rammstein-Songs aus unterschiedlichen Phasen der Bandgeschichte.
Natürlich liegt der Vergleich mit dem Original auf der Hand. Er ist sogar gewollt. Frontmann Heli Reißenwebererinnert in Stimme, Auftreten und Erscheinung deutlich an Till Lindemann, dazu kommen Kostüme, Bühnenbilder und Pyrotechnik, die sich an den großen Rammstein-Produktionen orientieren. Nur steht hier eben keine Stadionbühne für 60.000 Menschen. Stahlzeit müssen denselben Wahnsinn in eine Halle packen.
Und genau da wird es interessant.
Stahlzeit lassen Frankfurt keine Aufwärmphase
Mit „Zeig dich“ begann die Show. Danach „Links 2 3 4“ und „Asche zu Asche“. Drei Songs, die bereits ziemlich deutlich vorgaben, wohin der Abend gehen sollte.
Die Gitarren standen massiv im Raum, das Schlagzeug drückte, und Reißenweber spielte die Rolle des wortkargen Frontmanns mit einer Konsequenz, die weit über eine bloße stimmliche Nachahmung hinausging. Viel Herumreden brauchte es sowieso nicht.
Feuer funktioniert auch ohne Ansage.
Bei „Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?“ war der Titel fast schon Arbeitsauftrag für die Produktion. „Waidmanns Heil“ schob hinterher, bevor „Mein Teil“ einen jener Momente brachte, bei denen Stahlzeit das Rammstein-Theater besonders konsequent aufgreifen. Das Konzert lebt eben nicht nur von den Songs. Kostüme, Gesten, Licht und Pyrotechnik gehören fest dazu.
Wer in den vorderen Reihen stand, bekam das nicht bloß zu sehen.
Man spürte die Hitze.
„Amerika“, „Radio“ und „Deutschland“ treffen auf die alten Klassiker
Die „Schutt + Asche“-Show setzte bewusst nicht nur auf die üblichen frühen Rammstein-Hits. Mit „Radio“, „Was ich liebe“, „Puppe“, „Zeig dich“ und später „Deutschland“ standen gleich mehrere Stücke des 2019 veröffentlichten Rammstein-Albums im Frankfurter Programm. Daneben lagen „Amerika“, „Keine Lust“, „Benzin“, „Haifisch“ und „Du riechst so gut“.
Das funktionierte erstaunlich geschlossen.
Gerade „Puppe“ bekam durch die düstere Inszenierung noch einmal eine andere Schwere, während „Benzin“ natürlich genau das lieferte, worauf ein Teil der Halle gewartet hatte: Feuer. Nicht irgendwo als hübscher Effekt im Hintergrund. Sondern so, dass man sich kurz fragt, wie viel Sicherheitsabstand eigentlich zwischen Bühne und Augenbrauen liegt.
Stahlzeit bauen ihre Show mit erheblichem technischen Aufwand. Für die damalige Produktion waren mehrere Trucks und Nightliner unterwegs, große Bühnenventilatoren, bewegliche Lichttraversen und Hubpodeste gehörten zum Konzept.
Das sieht man.
Vor allem hört man es.
Bei „Sonne“ und „Feuer frei!“ wird es endgültig heiß
Im letzten Drittel stapelten sich die bekannten Nummern.
„Ich tu dir weh“, „Ohne dich“ und „Mein Herz brennt“ zeigten zunächst, dass Rammstein auch ohne permanente Vollgasattacke funktioniert. Dann wurde die Richtung wieder härter. „Pussy“, „Zerstören“ und schließlich „Sonne“.
Jetzt war die Jahrhunderthalle längst komplett drin.
Und dann ausgerechnet „Feuer frei!“.
Bei einer Stahlzeit-Show ist das weniger Songtitel als Warnhinweis. Die Pyrotechnik gehört zu den zentralen Bestandteilen ihrer Produktion, und gerade diese körperliche Wirkung unterscheidet einen solchen Abend von einem Konzert, bei dem man eine Tribute-Band einfach nur möglichst exakt nachspielen hört.
Stahlzeit wollen mehr.
Sie wollen, dass es riecht, dass es warm wird, dass die Bühne bedrohlich aussieht. Man soll kurz vergessen, dass man an diesem Freitagabend in Frankfurt-Höchst steht.
„Du hast“, „Deutschland“ und „Ich will“ zum Schluss
Wer für das Finale noch Reserven hatte, durfte sie loswerden.
„Du hast“ kam, danach „Deutschland“ und „Ich will“. Drei Songs, die kaum noch Anschub brauchten. Die Texte kamen von vorne und aus der Halle zurück, während Licht und Feuer noch einmal alles auffuhren, was die Produktion hergab. Den Abschluss bildete „Engel“. Insgesamt dokumentiert die Frankfurter Setlist 26 live gespielte Rammstein-Cover, gefolgt von der bekannten Scala-&-Kolacny-Brothers-Version von „Engel“ vom Band.
Kann eine Tribute-Show Rammstein ersetzen?
Nein. Muss sie auch nicht.
Stahlzeit funktioniert gerade dann am besten, wenn man diesen Gedanken beiseiteschiebt. Da steht eine Band, die seit Jahren enormen Aufwand betreibt, um diese Musik mit Respekt vor dem Original auf eine eigene Bühne zu bringen. Frankfurt bekam an diesem Abend keine Stadionproduktion im Kleinformat.
Es bekam zweieinhalb Stunden Feuer direkt vor die Nase.
Text & Foto © Jan Heesch














