Adam Lambert und Brian May von Queen am 7. Februar 2015 live in der ausverkauften Festhalle Frankfurt

The Show must go on – Queen rocken die ausverkaufte Festhalle in Frankfurt

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Ein riesiges „Q“ hing über der Bühne, die Festhalle war seit Wochen ausverkauft und schon bei „One Vision“ rückte die Diskussion, ob Queen ohne Freddie Mercury überhaupt funktionieren können, weit in den Hintergrund. Am 7. Februar 2015 standen Brian May und Roger Taylor wieder in Frankfurt auf der Bühne, an ihrer Seite der damals 33-jährige Adam Lambert. Keine Freddie-Kopie. Kein Versuch, Vergangenheit nachzuspielen. Genau darin lag die Stärke von Queen + Adam Lambert in Frankfurt: Lambert suchte nicht Mercurys Platz, sondern seinen eigenen zwischen diesen monumentalen Songs.

Die Skepsis mancher langjähriger Queen-Fans war vorher durchaus nachvollziehbar. Freddie Mercury ist keine Position, die sich einfach neu besetzen lässt. Lambert wusste das offensichtlich selbst am besten. Der Sänger, der 2009 bei „American Idol“ Zweiter geworden war, kam mit schwarzem Leder, Plateauschuhen, goldenem Mikrofon und reichlich Glamour auf die Bühne, ohne Mercury imitieren zu wollen. Er sang Queen mit seiner eigenen Stimme. Und das funktionierte.

Mit „One Vision“ ist die Festhalle sofort da

Queen machten keine langen Experimente mit dem Einstieg. „One Vision“, „Stone Cold Crazy“, „Another One Bites the Dust“ und „Fat Bottomed Girls“ kamen praktisch Schlag auf Schlag. Vier Songs, vier Treffer. Brian May stand mit seiner Red Special am Bühnenrand, Roger Taylor saß hinter seinem mächtigen Drumkit und Lambert musste vom ersten Moment an gegen Erinnerungen ansingen, die größer kaum sein könnten. Die Frankfurter Setlist umfasste am Ende 25 Positionen und griff quer durch mehrere Jahrzehnte Queen-Geschichte.

Dabei war Lambert an diesem Abend gesundheitlich angeschlagen. Eine Bronchitis hatte dafür gesorgt, dass das Programm gegenüber anderen Tourstationen etwas gekürzt wurde, zwei Songs und sein sonst übliches Vocal-Solo entfielen. Auf der Bühne war davon erstaunlich wenig zu spüren. Vielleicht nahm er sich an manchen Stellen etwas zurück, doch bei „Somebody to Love“ erledigte sich ohnehin jede Diskussion über seine stimmlichen Möglichkeiten.

Adam Lambert kopiert Freddie Mercury nicht

Besonders deutlich wurde das bei „Killer Queen“. Lambert machte daraus seine eigene kleine Glam-Show, räkelte sich auf einem Sofa, spielte mit der Übertreibung und ließ keinen Zweifel daran, dass er diese Rolle mit Humor verstand. Schrill. Gewollt. Wer versucht hätte, Freddie Mercurys Bewegungen und Auftreten möglichst exakt zu reproduzieren, wäre an diesem Abend zwangsläufig gescheitert.

Lambert ging den anderen Weg. Seine Stimme brachte mehr Soul in manche Passagen, seine Körpersprache war moderner, theatralisch und bewusst extravagant. Brian May und Roger Taylor ließen ihm dafür den nötigen Raum. Das Publikum nahm ihn zunehmend an. Aus anfänglicher Neugier wurde ziemlich schnell Begeisterung.

Bei „Love of My Life“ ist Freddie plötzlich wieder da

Dann setzte sich Brian May mit der Akustikgitarre auf den weit in die Festhalle reichenden Bühnensteg. „Love of My Life“ begann leise, und die Atmosphäre veränderte sich schlagartig. Tausende sangen mit. Auf der großen Leinwand erschien schließlich Freddie Mercury, und für ein paar Augenblicke lag diese eigenartige Mischung aus Freude und Melancholie über der Festhalle, die sich durch den gesamten Abend zog. Queen blickten zurück, ohne ihre Geschichte zu verleugnen.

Keine Pyrotechnik. Kein Lichtgewitter. Nur May, seine Gitarre und eine Halle, die jede Zeile kannte. Wenig später übernahm Roger Taylor bei „A Kind of Magic“ selbst den Gesang, bevor er sich mit seinem Sohn Rufus Taylor ein Drum-Battle lieferte. Queen waren an diesem Abend eben nicht Brian May plus neuer Sänger. Roger Taylor war genauso präsent.

Brian May und seine Red Special

Und dann war da natürlich Brian May. Diese Gitarre erkennt man nach wenigen Tönen. Bei seinem ausgedehnten Solo bekam er die Festhalle minutenlang praktisch für sich allein, während die Videotechnik seine Finger direkt vom Gitarrenhals auf die große Leinwand übertrug. Technisch beeindruckend, stellenweise herrlich überdimensioniert und gleichzeitig genau das, was zu einer großen Queen-Show gehört.

Das Bühnenbild tat den Rest. Das gewaltige beleuchtete Q im Hintergrund konnte abgesenkt werden und verwandelte sich bei „Seven Seas of Rhye“ in ein über der Bühne schwebendes Lichtelement. Queen hatten nie Interesse daran, eine Rockshow möglichst klein aussehen zu lassen. Frankfurt bekam Licht, Laufsteg, große Videobilder und jede Menge Glamour.

„Radio Ga Ga“ und „Bohemian Rhapsody“ bringen alles zusammen

Je länger die Show dauerte, desto dichter kamen die Songs, die wirklich jeder in der Festhalle kannte. „Under Pressure“, „Save Me“, „Tie Your Mother Down“ und „I Want It All“ führten in einen Schlussblock, bei dem kaum noch jemand ruhig blieb. Bei „Radio Ga Ga“ gingen die Hände synchron nach oben, danach folgte „Crazy Little Thing Called Love“. Und natürlich wartete noch „Bohemian Rhapsody“.

Hier verschmolzen Vergangenheit und Gegenwart vielleicht am deutlichsten. Freddie Mercury erschien auf den Leinwänden, Lambert übernahm live, Brian May spielte jene Gitarrenlinien, die seit Jahrzehnten fest zur Popgeschichte gehören. Das hätte leicht wie ein nostalgischer Trick wirken können. Stattdessen wurde daraus eine bewusste Verbeugung vor Mercury, ohne dass die aktuelle Besetzung ihre eigene Identität verlor.

„We Will Rock You“ bringt die Festhalle auf die Beine

Für die Zugabe blieben genau jene beiden Songs, mit denen eine Queen-Show kaum wirkungsvoller enden kann: „We Will Rock You“ und „We Are the Champions“. Stampfen. Klatschen. Tausende Stimmen. Die Festhalle wurde zum Chor, bevor „God Save the Queen“ vom Band den Abend beschloss.

Die Frage, ob Queen ohne Freddie Mercury noch funktionieren können, hatte sich nach dieser Show zumindest für viele Besucher beantwortet. Adam Lambert trat nicht an, um Freddie zu ersetzen. Er gab Brian May und Roger Taylor die Möglichkeit, diese Songs weiterhin auf einer großen Bühne zu spielen, und brachte genug eigene Persönlichkeit mit, um dabei nicht zum bloßen Ersatzmann zu werden.

Freddie fehlte. Natürlich. Aber Queen lebten.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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