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Regen, volle Zufahrtsstraßen und ein Konzertbeginn mit Verspätung. Trotzdem war die Stimmung in der ausverkauften SAP Arena am 11. Dezember 2019 alles andere als schlecht. Rund 13.000 Fans waren gekommen, um Xavier Naidoo in Mannheim auf seiner „Hin und Weg“-Tour zu erleben. Für den Sänger war dieser Abend mehr als eine weitere Station im Tourkalender. Mannheim ist seine Heimatstadt. Und ein Heimspiel fühlt sich eben anders an.
Wegen des schlechten Wetters und Problemen bei der Anfahrt begann das Konzert rund 15 Minuten später als geplant. Naidoo nahm es mit Mannheimer Humor und begrüßte Besucher aus Ludwigshafen mit einem kleinen Seitenhieb auf die dortige Verkehrssituation. Das Publikum verstand ihn sofort. Gelächter. Applaus. Dann konnte die Musik übernehmen.
Mit „Führ mich ans Licht“ begann der Abend. Kein bombastischer Auftakt, der erst minutenlang erklären musste, dass jetzt eine große Show folgt. Naidoos Stimme stand ziemlich schnell dort, wo sie an diesem Abend meistens stehen sollte: im Mittelpunkt.
„Zeilen aus Gold“ folgte, dann „Alles kann besser werden“. Bei letzterem bekam auch Backgroundsänger Karim Amun seinen Moment. Naidoo hatte den Heidelberger zuvor bei „Xaviers Wunschkonzert Live“ kennengelernt und mit auf Tour genommen.
Spätestens bei „20.000 Meilen“ wurde es in der Arena deutlich lauter. Viele der 13.000 Besucher brauchten keine Textanzeige. Sie kannten diese Songs seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten.
Das war überhaupt das Spannende an diesem Abend. Naidoo musste kein Best-of-Programm im Schnellverfahren abarbeiten. Er nahm sich Zeit.
Mit „Wo willst du hin?“, „Sie sieht mich nicht“ und „Ich brauche dich“ ging es weit zurück in Naidoos Solokarriere. Auf dem Papier saßen 13.000 Menschen in einer Arena. Bei manchen Liedern fühlte sich das trotzdem überraschend intim an.
Gerade „Bei meiner Seele“ gehört zu diesen Songs.
Da muss nichts explodieren. Kein Feuerwerk, kein hektisches Herumlaufen über die Bühne. Stimme, Band, Licht. Fertig.
Danach standen mit „Mein Glück ist besiegelt“, „Mut zur Veränderung“ und „Das lass’ ich nicht zu“ Stücke auf dem Programm, die weniger automatisch aus Tausenden Kehlen zurückkamen. Das störte den Fluss nicht. Im Gegenteil. Die „Hin und Weg“-Tour wollte offensichtlich mehr sein als eine Aneinanderreihung der fünf größten Hits.
Die für Mannheim dokumentierte Setlist umfasste 25 Stücke und zog sich durch mehrere Phasen seiner Karriere.
Natürlich gab es diese Momente, auf die praktisch alle gewartet hatten.
„Was wir alleine nicht schaffen“ war einer davon. Ein Titel, dessen Refrain in einer vollen SAP Arena fast automatisch größer wird als auf jeder Studioaufnahme. Naidoo gab Teile davon ans Publikum ab, und Mannheim antwortete.
Laut.
„Seine Straßen“ und „Abschied nehmen“ gingen anschließend wieder in eine andere Richtung. Besonders bei „Abschied nehmen“ wurde hörbar, wie wenig es manchmal braucht, um eine große Halle ruhig zu bekommen.
Dann „Bitte hör nicht auf zu träumen“.
Hier passte der große Raum plötzlich wieder perfekt. Tausende Stimmen, ein Refrain, der einmal durch die Arena läuft und von den Rängen zurückkommt. Solche Augenblicke kann eine Produktion vorbereiten. Machen muss sie am Ende das Publikum selbst.
Im letzten Drittel stapelten sich die bekannten Titel.
„Gute Zeiten“ traf auf „Ich kenne nichts (das so schön ist wie du)“, danach „Nimm mich mit“. Und schließlich kam „Dieser Weg“. Einer jener Songs, bei denen man schon nach wenigen Sekunden merkt, dass die eigentliche Hauptstimme für die nächsten Minuten nicht mehr allein auf der Bühne steht.
Die Halle sang mit.
Naidoo blieb an diesem Abend nah an seiner Stadt, sprach zwischendurch im Mannheimer Dialekt und machte keinen Hehl daraus, dass dieser Termin für ihn besonders war. Politische Statements blieben beim Konzert außen vor; im Mittelpunkt standen seine Songs und seine Verbindung zum heimischen Publikum.
Das war vermutlich auch die klügste Entscheidung.
Nach „Dieser Weg“ war natürlich noch nicht Schluss.
Mit „Über den Wolken“, seiner Version des Reinhard-Mey-Klassikers, begann die Zugabe. Danach folgte „Ich danke allen Menschen“. Den letzten Song hatte Naidoo sich passend aufgehoben: „Bevor du gehst“.
Kein riesiger Knall zum Ende.
Das brauchte dieser Abend auch nicht mehr. Nach 25 Songs war längst klar, warum ein Xavier-Naidoo-Konzert in Mannheim anders funktioniert als irgendwo sonst. Hier sitzen Menschen im Publikum, die seine Karriere seit den frühen Jahren verfolgen. Einige kennen die Orte, über die er spricht. Den Dialekt sowieso.
Und wenn 13.000 Menschen in der SAP Arena „Dieser Weg“ oder „Was wir alleine nicht schaffen“ gemeinsam singen, wird aus einer normalen Tourstation für ein paar Stunden tatsächlich ein Heimspiel.
Zugabe:
23. Über den Wolken
24. Ich danke allen Menschen
25. Bevor du gehst
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