
Sarah Connor in Mannheim: Große Stimme, große Nähe
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Am 2. Dezember 2019 holte Sarah Connor in der SAP Arena Mannheim nach, was ursprünglich schon für den 5. November geplant war. Eine Bronchitis hatte den ersten Termin gestoppt, beim Ersatzkonzert standen dann rund 8.500 Fans vor ihr. Und Sarah Connor in Mannheim war kein Abend, an dem sich die Sängerin langsam zurück ins Tourleben tastete. Im Gegenteil. Die Stimme war da, die Band war da, das Publikum sowieso.
Fast vier Wochen hatten die Mannheimer länger warten müssen. Vielleicht war gerade deshalb vom ersten Moment an diese besondere Spannung in der Arena zu spüren.
Ela eröffnet den Abend in der SAP Arena
Bevor Sarah Connor auf die Bühne kam, gehörte das Licht zunächst Ela Steinmetz. Die frühere Elaiza-Frontfrau war 2019 bei mehreren Terminen offizieller Support der Tour und stand damit plötzlich vor Tausenden Menschen statt in einem kleinen Club.
Das ist kein einfacher Job. Eine Arena wartet auf den Hauptact, Unterhaltungen laufen noch, Menschen suchen ihre Plätze. Ela ließ sich davon wenig beeindrucken und setzte auf ihre Stimme und ihre Songs, statt krampfhaft auf große Arena-Gesten zu machen.
Dann wurde es dunkel.
Und man merkte ziemlich schnell: Jetzt sind die 8.500 da.
Sarah Connor zwischen „Halt mich“ und ziemlich viel Wucht
Sarah Connor eröffnete ihr Programm mit Material aus „Herz Kraft Werke“. „Keiner pisst in mein Revier“, „Hör auf deinen Bauch“, „Kleinstadtsymphonie“ und „Halt mich“ gehörten zum festen Ablauf dieser Tour. Das aktuelle Album dominierte den Abend, daneben blieb aber genügend Platz für ältere Songs.
Gerade live bekam vieles mehr Kante.
Auf Platte sind manche Stücke sauber produzierter deutscher Pop. In der SAP Arena drückte das Schlagzeug härter, die Band ließ den Songs mehr Luft und Connor konnte mit ihrer Stimme genau das tun, weshalb man zu einem ihrer Konzerte geht: Sie musste nicht permanent beweisen, wie laut sie singen kann.
Manchmal reichte weniger.
Bei „Halt mich“ wurde es stiller. „Ich wünsch dir“ kam sehr direkt. Und „Flugzeug aus Papier (Für Emmy)“ gehört ohnehin zu diesen Liedern, bei denen man im Publikum plötzlich Gesichter sieht, die ganz woanders sind.
Alte Hits dürfen endlich wieder raus
Interessant wurde es, als Sarah Connor ihre englischsprachige Vergangenheit nicht länger im Schrank ließ.
„From Sarah With Love“. Da war es wieder, dieses Stück aus einer anderen Phase ihrer Karriere. Dazu kamen im Verlauf der Tour Songs wie „Bounce“, „Living to Love You“, „Music Is the Key“ und „From Zero to Hero“.
Natürlich springt bei solchen Titeln sofort die Nostalgie an. Aber es wirkte nicht wie eine peinliche Pflichtübung nach dem Motto: Jetzt müssen wir noch schnell die alten Hits bedienen.
Connor sang sie mit sichtbarem Spaß.
Und spätestens bei „From Sarah With Love“ musste man sich nur einmal in der SAP Arena umsehen. Viele kannten jede Zeile. Manche vermutlich seit fast 20 Jahren.
Das darf dann ruhig ein bisschen kitschig sein.
Ein Heiratsantrag mitten im Konzert
Der persönlichste Moment des Abends stand allerdings auf keiner normalen Setlist.
Louis und Lisa kamen auf die Bühne. Dann ging Louis auf die Knie und machte seiner Freundin vor Sarah Connor und Tausenden Zuschauern einen Heiratsantrag.
Für ein paar Minuten war die große Arena plötzlich Nebensache.
Connor trat zurück, ließ den beiden ihren Moment und grinste mit dem Publikum um die Wette. Genau solche Szenen lassen sich schwer planen. Sie unterbrechen den professionellen Ablauf einer Arenashow, machen einen Abend aber oft erst erinnerungswürdig.
Die Antwort war übrigens die richtige.
Ja.
„Vincent“ trifft mitten ins Publikum
Mit „Vincent“ kam einer der wichtigsten Songs des damals aktuellen Albums. Das Stück hatte 2019 viel Aufmerksamkeit ausgelöst und zeigte ziemlich deutlich, wie sehr sich Sarah Connors Musik seit „Muttersprache“ verändert hatte. Persönlicher. Direkter. Weniger darauf bedacht, jedem zu gefallen.
Auch „Das Leben ist schön“, „Bedingungslos“, „Kommst Du mit ihr“ und „Wie schön du bist“ verbanden die beiden deutschsprachigen Alben miteinander. Die Live-Veröffentlichung der „Herz Kraft Werke“-Tour dokumentiert genau diese Mischung aus neuem Material, „Muttersprache“-Songs und frühen englischsprachigen Hits.
Das Spannende daran: Der Abend fühlte sich trotzdem nicht wie drei verschiedene Karrieren an.
Die Songs passten erstaunlich gut nebeneinander.
Sarah Connor in Mannheim braucht am Ende keinen großen Trick mehr
Nach mehr als zwei Stunden war die SAP Arena längst komplett bei ihr. Da musste kein künstliches Finale mehr erfunden werden.
Sarah Connor hatte getanzt, erzählt, gelacht, leise gesungen und zwischendurch gezeigt, wie viel Kraft tatsächlich in dieser Stimme steckt. 8.500 Menschen waren nach einer krankheitsbedingten Verschiebung noch einmal nach Mannheim gekommen. Niemand wirkte, als hätte sich das Warten nicht gelohnt.
Am stärksten waren ohnehin nicht die großen Effekte. Ein Song. Eine Stimme. Ein Heiratsantrag. Reicht manchmal völlig.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures














