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Am 14. Februar 2020 hatte Ralf Schmitz im Mannheimer Rosengarten offensichtlich keine Lust auf einen gemütlichen Valentinstag. Mit seinem Programm „Schmitzeljagd“ stand der Comedian vor ausverkauftem Haus und war vom ersten Moment an in Bewegung. Links. Rechts. Wieder zurück. Eine Grimasse, plötzlich eine andere Stimme, der nächste Gag. Ralf Schmitz in Mannheim war weniger klassisches Stand-up als kontrolliertes Chaos mit erstaunlich wenig Kontrolle.
Das Programm lief seit Oktober 2018 und gehörte damals bereits zu Schmitz’ erfolgreichsten Bühnenshows. Der Mannheimer Termin begann um 20 Uhr im Rosengarten.
Und wer Ralf Schmitz schon einmal live gesehen hatte, wusste: Der Text auf dem Papier ist nur die halbe Show.
Andere Comedians gehen auf die Bühne, stellen sich ans Mikrofon und beginnen irgendwann mit ihrem Programm.
Schmitz kommt rein und ist schon mittendrin.
Der Mann wirkt, als hätte jemand die Geschwindigkeit der restlichen Welt versehentlich halbiert. Er springt zwischen Figuren, Geschichten und kleinen Beobachtungen hin und her, spricht mit Händen, Gesicht und praktisch jedem anderen beweglichen Körperteil. Gerade diese enorme körperliche Präsenz gehört seit Jahren zu seinem Stil.
Bei der „Schmitzeljagd“ dreht sich vieles um die Suche nach dem Glück und um die ziemlich absurden Hindernisse, die der moderne Alltag dabei aufstellt. Jung sein ist anstrengend. Alt werden will trotzdem keiner. Serien stapeln sich auf der persönlichen Watchlist, Freizeit wird zum Terminkalender und selbst die Frage nach dem nächsten Urlaub kann plötzlich kompliziert werden. Genau diese Alltagswidersprüche bildeten den roten Faden des Programms.
Das klingt theoretisch fast philosophisch.
Bei Schmitz hält dieser Zustand ungefähr fünf Sekunden.
Besonders gut wird ein Ralf-Schmitz-Abend ohnehin dann, wenn er seinen vorbereiteten Weg verlässt.
Eine Reaktion aus dem Publikum reicht. Ein Zwischenruf. Manchmal nur ein Gesicht in den ersten Reihen.
Dann biegt Schmitz ab.
Und genau hier zeigt sich, warum Improvisation bei ihm kein kleiner Zusatz zwischen zwei vorbereiteten Nummern ist. Sie gehört zum Kern der Show. Die „Schmitzeljagd“ verbindet Stand-up ausdrücklich mit Impro-Comedy und Ein-Personen-Sketchen.
Im Rosengarten entstanden daraus immer wieder diese kurzen Situationen, bei denen vermutlich selbst Schmitz ein paar Sekunden vorher nicht wusste, wo sie enden würden. Das Publikum bekam plötzlich eine Rolle, eine Antwort wurde zum nächsten Gag und aus einer harmlosen Bemerkung entwickelte sich eine komplette Szene.
Genau das lässt sich am nächsten Abend nicht identisch wiederholen.
Gut so.
Die Themen der „Schmitzeljagd“ sind bewusst banal. Ein verpasster Bus. Sportliche Ambitionen, die mit der Realität kollidieren. Beziehungen. Fernsehen. Urlaub. Autos.
Also das Zeug, über das man sich normalerweise ärgert und fünf Minuten später schon wieder vergessen hat.
Schmitz zieht diese Situationen auseinander, dreht sie ein paar Mal um und findet zuverlässig irgendwo eine Stelle, an der es absurd wird. Im offiziellen Programmtext tauchen beispielsweise die Frage nach Urlaub oder Autowaschanlage und die Alternative zwischen schönerem Auto und schlechterer Brille auf.
Auf der Bühne funktioniert das deutlich besser als auf Papier.
Denn Schmitz erzählt solche Geschichten nicht einfach. Er spielt sie. Figuren erscheinen für wenige Sekunden, bekommen Stimme, Haltung und Gesichtsausdruck und verschwinden wieder, bevor der nächste Charakter auftaucht.
Manchmal fragt man sich, wo der Mann eigentlich die Pause zum Luft holen eingebaut hat.
Vermutlich nirgendwo.
Natürlich gibt es ein ausgearbeitetes Programm. Aber ein vollständig durchgetakteter Comedyabend würde zu Ralf Schmitz kaum passen.
Er braucht diese kleinen Entgleisungen.
Gerade dadurch fühlte sich der Abend im Rosengarten nicht wie die x-te Vorstellung derselben Tour an. Wer vorne saß, musste sogar damit rechnen, plötzlich selbst Bestandteil einer Nummer zu werden. Schmitz reagierte schnell, manchmal schneller, als das Publikum mit dem Lachen hinterherkam.
Und dann diese Körpersprache.
Ein paar Schritte genügen ihm, um aus einem normalen Menschen irgendeine komplett überdrehte Figur zu machen. Eine hochgezogene Schulter, ein anderer Gang, die Stimme kippt. Fertig.
Im nächsten Augenblick steht wieder Ralf Schmitz da.
Zumindest kurz.
Nach einem solchen Abend bleibt erstaunlich wenig klassische Botschaft hängen. Das ist kein Problem.
„Schmitzeljagd“ will keinen Lebensratgeber ersetzen. Schmitz nimmt vielmehr genau jene alltäglichen Situationen auseinander, die wir selbst meistens viel ernster behandeln, als sie es verdient haben. Die Tourbeschreibung nennt diese Suche ziemlich treffend eine Jagd nach dem „Unsinn des Lebens“.
Im Mannheimer Rosengarten bedeutete das vor allem: zwei Stunden lang den Kopf ausschalten und zusehen, wie ein Mann über die Bühne schießt, mit sich selbst diskutiert, spontan das Publikum einbaut und ständig irgendwo einen neuen Haken schlägt.
Stillstand?
Keine Chance.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopicturesSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
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