Rock’n’Heim 2014 Tag 1 mit tausenden Festivalfans am Hockenheimring in Hockenheim

Rock’n’Heim 2014 in Hockenheim: Regen, Matsch und große Namen

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Trocken blieb an diesem Freitag vor allem eines: die Kehle nicht. Der Himmel über dem Hockenheimring hatte am 15. August 2014 dagegen andere Pläne und schickte schon zum Auftakt kräftige Regengüsse über das Festivalgelände. Innerhalb kurzer Zeit entstanden vor der Evolution Stage große Pfützen, Regenponchos gehörten plötzlich fast so selbstverständlich zur Ausstattung wie Festivalbändchen und Bierbecher. Aber davon ließ sich hier kaum jemand ernsthaft bremsen. Rock’n’Heim 2014 Tag 1 begann nass, matschig und ziemlich schnell richtig laut. Für die zweite Ausgabe des Festivals wurden insgesamt rund 35.000 Tickets verkauft.

Schon das Gelände fühlte sich gegenüber der Premiere 2013 etwas anders an. Evolution Stage und Revolution Stage standen deutlich näher beieinander, die Wege zwischen Rock, Hip-Hop und elektronischen Acts waren kürzer geworden. Das war praktisch, denn an diesem Freitag jagte ein völlig unterschiedlicher Act den nächsten: IAmFire, Kyle Gass Band, Wirtz, Airbourne, Donots, Billy Talent und Beatsteaks bespielten die Evolution Stage, während auf der Revolution Stage unter anderem The Neighbourhood, Die Antwoord, Parov Stelar, OutKast und deadmau5warteten. Genau diese Mischung war wieder typisch Rock’n’Heim. Hier musste man sich musikalisch nicht für eine Schublade entscheiden.

Airbourne machen aus Matsch eine Rockshow

Am Nachmittag hatte der Regen das Gelände bereits ordentlich durchgeweicht, doch ausgerechnet bei Airbournezeigte sich zeitweise wieder die Sonne. Joel O’Keeffe und seine Kollegen brauchten ohnehin keine freundliche Wetterlage, um auf Betriebstemperatur zu kommen. „Ready to Rock“, „Girls in Black“, „Live It Up“ und „Runnin’ Wild“ waren genau die Sorte Songs, die auf einem Festival funktionieren: direkt, laut und ohne komplizierten Umweg zum Refrain. Vor der Bühne entstanden die ersten Pits, während sich der Boden unter den Schuhen zunehmend in eine Mischung aus Matsch und Rindenmulch verwandelte.

Für mich war Airbourne wieder eine dieser Bands, bei denen man mit der Kamera kaum zur Ruhe kommt. Joel O’Keeffe gehört nicht zu den Musikern, die zuverlässig an einer Markierung stehen bleiben und auf den nächsten Lichtwechsel warten. Bewegung gehört zur Show, und wenn er loslegt, passiert meistens irgendwo etwas. Genau das brauchte dieser graue Nachmittag. Nach den Regenschauern bekam der Hockenheimring erstmals dieses richtige Festivalgefühl: Haare flogen, Arme gingen hoch, überall Bewegung.

Donots und Billy Talent drehen den Hockenheimring auf

Mit den Donots wurde es anschließend noch einmal eine Spur ausgelassener. Ingo Knollmann und seine Band eröffneten mit „Calling“, und vor der Evolution Stage war sofort deutlich mehr Betrieb. „Stop the Clocks“ gehörte ebenso zum Set wie ihre Version von „We’re Not Gonna Take It“. Die Donots waren 2014 bereits seit 20 Jahren unterwegs, wirkten auf dem Hockenheimring aber keineswegs wie eine Band, die irgendein Jubiläumsprogramm routiniert herunterspielt. Ingo suchte ständig den Kontakt nach vorne, und selbst die Fotografen wurden kurzerhand Teil der Show.

Bei Billy Talent brauchte es später ebenfalls keine lange Aufwärmphase. Die Kanadier hatten für Rock’n’Heim eine Greatest-Hits-orientierte Show angekündigt und konnten dafür aus einem inzwischen ziemlich starken Katalog schöpfen. „Devil in a Midnight Mass“, „Rusted From the Rain“, „Devil on My Shoulder“, „Surrender“, „Red Flag“, „Try Honesty“, „Fallen Leaves“ und „Viking Death March“ standen auf der Setlist. Benjamin Kowalewicz jagte über die Bühne, Ian D’Sa setzte daneben diese unverwechselbaren Gitarrenparts, und spätestens bei „Red Flag“ war vor der Stage kaum noch Zurückhaltung zu erkennen.

OutKast bringen Atlanta nach Hockenheim

Während auf der einen Bühne Punk und Alternative Rock dominierten, setzte OutKast auf der Revolution Stage einen komplett anderen Akzent. André 3000 und Big Boi waren 2014 nach längerer Pause wieder gemeinsam unterwegs und hatten für Hockenheim einen Katalog dabei, der locker einen ganzen Festivalabend tragen konnte. „B.O.B.“, „Rosa Parks“, „Ms. Jackson“, „The Way You Move“, „Hey Ya!“, „Roses“, „So Fresh, So Clean“ und „The Whole World“ machten das Set zu einer Reise durch mehr als zwei Jahrzehnte Southern Hip-Hop.

Gerade dieser Stilbruch machte Rock’n’Heim interessant. Wenige Minuten zuvor standen Gitarren und Punkrock im Mittelpunkt, jetzt kamen Beats, Funk und Rap aus Atlanta über das Gelände. Dazwischen hatten bereits Die Antwoordmit „I Fink U Freeky“, „Baby’s on Fire“ und „Enter the Ninja“ ihre völlig eigene, schräge Welt aufgebaut, während Parov Stelar mit „Booty Swing“, „Catgroove“ und „All Night“ Electro-Swing auf den Ring brachte. Ein Festivalprogramm, das sich bewusst nicht darauf festlegte, was unter „Rock“ eigentlich erlaubt sein sollte.

Beatsteaks liefern den großen Freitagabend

Als die Beatsteaks gegen 21.30 Uhr die Evolution Stage übernahmen, war der Bühnensteg vom Regen längst ordentlich nass. Arnim Teutoburg-Weiß hielt das allerdings nicht davon ab, mit Anlauf darüber zu schlittern. Typisch Arnim. Gerade einmal zwei Wochen zuvor war das selbstbetitelte neue Album der Berliner erschienen und direkt auf Platz eins der deutschen Charts gegangen, entsprechend viel neues Material tauchte im Set auf. Doch wenn ältere Nummern wie „Hand in Hand“ und „Let Me In“ kamen, brauchte es keine Eingewöhnungszeit mehr. Vor der Bühne wurde gesprungen, gepogt und mitgesungen.

Das war für mich der Moment, an dem der erste Festivaltag endgültig saß. Regenjacken, nasse Schuhe und der inzwischen reichlich ramponierte Boden waren plötzlich zweitrangig. Die Beatsteaks sind eine Band, die eine große Festivalbühne nutzen kann, ohne den Kontakt zu den ersten Reihen zu verlieren. Genau das war an diesem Abend zu spüren. Arnim arbeitete die komplette Bühnenbreite ab, suchte ständig die Reaktion aus der Menge und hatte offensichtlich seinen Spaß daran, dass der Hockenheimring trotz des Wetters längst nicht genug hatte.

Von Gitarren bis deadmau5: Der erste Tag kennt keine Ruhe

Wer danach noch Energie hatte, musste keineswegs Richtung Zelt verschwinden. Mit deadmau5 ging es auf der Revolution Stage tief in die Nacht hinein elektronisch weiter. Aus dem verregneten Rocknachmittag war damit längst ein Festivalabend geworden, der zwischen Hard Rock, Punk, Hip-Hop, Electro-Swing und EDM praktisch jede Richtung mitgenommen hatte. Rund 35.000 verkaufte Tickets, drei Bühnen und ein Gelände, auf dem nach den Regengüssen kaum noch jemand Wert auf saubere Schuhe legte.

Der erste Tag von Rock’n’Heim 2014 hatte damit ziemlich genau das geliefert, was man sich von einem Festival auf einem ehemaligen Formel-1-Kurs wünschen konnte: Tempo. Airbourne gingen frontal nach vorne, Billy Talent ließen Tausende springen, OutKast brachten Atlanta nach Hockenheim und die Beatsteaks machten aus einem nassen Bühnensteg ihre persönliche Spielwiese.

Und der Matsch? Der gehörte spätestens jetzt einfach dazu.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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