
Rock’n’Heim 2014 in Hockenheim: Tag 2 zwischen Korn und Broilers
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Die Schuhe waren vom Freitag noch nicht richtig trocken, der Boden vor den Bühnen erst recht nicht. Trotzdem ging es am Samstag, 16. August, wieder raus auf den Hockenheimring. Das Wetter zeigte sich bei Rock’n’Heim 2014 Tag 2zwar etwas freundlicher als zum Auftakt, verlässlich war es aber weiterhin nicht. Regenjacke an, Regenjacke aus, Kamera schützen, weiter zur nächsten Bühne. Musikalisch wartete dafür ein Tag, der kaum größere Gegensätze hätte bieten können: Korn, Broilers, Architects und Kadavar auf der Evolution Stage, dazu Alligatoah, Jan Delay & Disko No. 1, Fritz Kalkbrenner, Zedd und später elektronische Eskalation mit Skrillex. Insgesamt kamen zur zweiten Ausgabe von Rock’n’Heim rund 35.000 Besucher an den Hockenheimring.
Kadavar und Architects machen den Nachmittag laut
Am frühen Nachmittag wirkte das Gelände zunächst noch etwas verschlafen. Kein Wunder nach dem nassen Freitag. Kadavar standen bereits um 14.05 Uhr auf der Evolution Stage und warfen ihren schweren, psychedelisch gefärbten Rock in ein Publikum, das sich erst langsam wieder sammelte. Lange Haare, Bärte, schwere Riffs. Für mich war das ein ziemlich angenehmer Einstieg in den zweiten Tag, auch wenn die halbe Stunde Spielzeit beinahe vorbei war, bevor sich der Platz richtig gefüllt hatte. Danach sorgten Sondaschule für einen deutlichen Stilwechsel und brachten mit Ska-Punk endlich mehr Bewegung in die müden Beine.
Bei den Architects kam dann auch das Wetter wieder ins Spiel. Kurz vor dem Set setzte kräftiger Regen ein, und spätestens im Fotograben hieß es wieder: Kameras schützen und irgendwie gleichzeitig weiterarbeiten. Die Briten ließen sich davon kaum beeindrucken. Sam Carter ging mit voller Härte nach vorne, „Gravedigger“ schlug sofort ein und vor der Bühne entstanden trotz rutschigem Untergrund die ersten heftigen Pits. Das damals aktuelle Album „Lost Forever // Lost Together“ bestimmte einen großen Teil des Sets, mit „These Colours Don’t Run“ ging eine kurze, aber intensive Show zu Ende.
Broilers verwandeln den Hockenheimring in einen Chor
Dann kamen die Broilers. Und plötzlich war da eine andere Energie. Noch bevor „Zurück zum Beton“ richtig Fahrt aufgenommen hatte, sang und sprang die Menge vor der Evolution Stage, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Ich hatte beim Fotografieren ständig Bewegung vor der Linse: Sammy Amara arbeitete die Bühne ab, die Band wirkte selbst sichtbar angefixt von der Reaktion und vor uns öffneten sich die nächsten Pits. Das Publikum war dabei erstaunlich gemischt. Alte Oi- und Punkfans standen neben Leuten, die erst mit dem erfolgreichen Album „Noir“ zur Band gefunden hatten.
Gerade Songs wie „Ist da jemand“, „Ruby Light & Dark“, „Harter Weg“ und „Held in unserer Mitte“ zeigten, wie gut die Düsseldorfer inzwischen auf einer großen Festivalbühne funktionierten. Das war kein Auftritt, bei dem erst lange um Stimmung gebeten werden musste. Der Chor kam von allein. Nach dem verhaltenen Start in den Festivaltag war spätestens hier wieder klar, dass die Müdigkeit vom Freitag nur eine vorübergehende Erscheinung gewesen war.
Korn liefern die härteste Wucht des Samstags
Als Korn später die Bühne übernahmen, änderte sich der Sound erneut komplett. Jonathan Davis kam nach vorne, Brian „Head“ Welch war nach seiner Rückkehr wieder Teil der Band, und schon mit „Falling Away from Me“ bekam der Hockenheimring diese tiefe, drückende Wucht, die man bei Korn nach wenigen Sekunden erkennt. Das war einer der Sets, auf die ich mich an diesem Samstag besonders konzentriert hatte. Vor der Kamera wirken Korn ohnehin stark: Davis mit seiner markanten Präsenz am Mikrofon, dazu die Gitarren und diese Mischung aus kontrollierter Härte und permanenter Unruhe auf der Bühne.
Der Abend ging tief zurück in die Bandgeschichte. Gerade bei „Freak on a Leash“ und „Blind“ zeigte sich, wie fest diese Songs längst im Gedächtnis des Publikums saßen. Da musste niemand überlegen, wann der nächste Einsatz kam. Die Reaktion war sofort da. Korn waren für mich der härteste große Moment dieses zweiten Tages, weil der Sound nicht nur laut war. Er hatte Gewicht. Auf dem offenen Hockenheimring ist das keine Selbstverständlichkeit.
Alligatoah und Jan Delay wechseln die musikalische Richtung
Während Gitarren und Nu Metal die Evolution Stage bestimmten, entwickelte die Revolution Stage am Abend ein komplett anderes Eigenleben. Alligatoah zog dort einen enormen Andrang an. 2014 war „Triebwerke“ längst eingeschlagen, und Stücke wie „Narben“, „Amnesie“, „Fick ihn doch“, „Trauerfeier Lied“ und natürlich „Willst du“funktionierten vor dem Festivalpublikum entsprechend direkt. Seine Mischung aus Rap, schwarzem Humor, Theater und bewusst überzeichneten Figuren unterschied sich ziemlich radikal von dem, was wenige Meter entfernt auf der großen Rockbühne passierte. Genau diese Brüche gehörten zu Rock’n’Heim.
Auch Jan Delay & Disko No. 1 passten in keine enge Genregrenze. Funk, Soul, Hip-Hop und Rock trafen auf eine große Liveband und einen Frontmann, dessen Stimme ohnehin nach zwei Worten erkannt wird. Nach all den Gitarren am Nachmittag war dieser Groove eine willkommene Verschiebung. Später übernahm Fritz Kalkbrenner und zog den Abend weiter in Richtung elektronischer Musik. Mit „Little by Little“, „Right in the Dark“ und schließlich „Sky and Sand“ bekam der Hockenheimring eine deutlich ruhigere, fast schwebende Seite, ohne dass die Spannung herausging.
Skrillex schickt den zweiten Tag mit Bass in die Nacht
Wer danach immer noch nicht genug hatte, bekam mit Skrillex das komplette Gegenteil von Ruhe. Sein Set war ein dicht gepackter Mix aus Dubstep, Electro, eigenen Tracks, Remixen und kurzen musikalischen Zitaten. „Make It Bun Dem“, „First of the Year (Equinox)“, „Bangarang“, „Scary Monsters and Nice Sprites“ und der Remix von „Cinema“ gehörten zu den bekannten Fixpunkten in einem Set, das permanent weiterlief und kaum Pausen kannte.
Für mich fühlte sich dieser Samstag dadurch deutlich anders an als der erste Festivaltag. Freitag hatten Regen und Matsch noch viel von der Geschichte geschrieben. Einen Tag später war der Hockenheimring bereits eingelebt. Man kannte die Wege, akzeptierte die nassen Stellen und wechselte fast selbstverständlich zwischen Metalcore, Punkrock, Nu Metal, Rap, Funk und elektronischen Beats.
Genau das war Rock’n’Heim 2014. Bei den Broilers stand ich zwischen einem riesigen Chor, Korn drückten wenig später mit „Blind“ alles nach vorne, Alligatoah füllte die Revolution Stage und irgendwann in der Nacht zerlegte Skrillex den Ring mit Bass.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













