Rock’n’Heim 2014 Tag 3 mit tausenden Festivalfans am 17. August auf dem Hockenheimring

Rock’n’Heim 2014 Tag 3: Das große Finale in Hockenheim

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Endlich Sonne. Nach Regen, Matsch und ständigem Wechsel zwischen Jacke an und Jacke aus fühlte sich der Sonntag auf dem Hockenheimring fast wie eine kleine Belohnung an. Drei Festivaltage steckten inzwischen in den Knochen, die Schuhe hatten längst kapituliert, doch ausgerechnet zum Finale war das Gelände früh wieder gut gefüllt. Kein Wunder: Rock’n’Heim 2014 Tag 3 brachte am 17. August mit Imagine Dragons, Placebo, The Prodigy, Die Fantastischen Vier, Deichkind, A Day To Remember und Cage The Elephant noch einmal ein Programm auf die beiden großen Bühnen, bei dem längere Pausen praktisch nicht vorgesehen waren. Insgesamt kamen zur zweiten Ausgabe von Rock’n’Heim rund 35.000 Besucher an den Hockenheimring.

Für mich war dieser Sonntag der Tag, an dem sich das Festival endgültig eingespielt hatte. Man kannte inzwischen jeden Weg zwischen Evolution und Revolution Stage, wusste, wo der Boden noch tief war, und musste trotzdem ständig auf die Uhr schauen. Denn einige der interessantesten Acts überschnitten sich. Genau das wurde am Abend zum Problem: Placebo, Die Fantastischen Vier, The Prodigy und Deichkind lagen so eng beieinander, dass niemand alles vollständig sehen konnte. Also Kamera schnappen, ein paar Songs mitnehmen, weiter. Festival eben.

A Day To Remember und Imagine Dragons drehen früh auf

Schon Cage The Elephant machten am Nachmittag deutlich, dass der letzte Tag nicht gemütlich auslaufen würde. Sänger Matt Shultz arbeitete die Bühne mit einer Unruhe ab, die hervorragend zum rauen Alternative Rock der Amerikaner passte. „Spiderhead“, „Come a Little Closer“ und „Shake Me Down“ gehörten zu den markanten Momenten, doch spätestens bei A Day To Remember wurde es vor der Evolution Stage richtig wild. Konfetti, Wasserbälle, Toilettenpapierrollen und eine Menge, die vor allem in den ersten Reihen komplett aufdrehte. Der Mix aus Pop-Punk und Post-Hardcore funktionierte an diesem Nachmittag hervorragend als Wachmacher.

Danach standen Imagine Dragons auf einer Bühne, die für die Band nur wenige Jahre zuvor noch ziemlich unrealistisch gewirkt hätte. „Night Visions“ hatte sie weltweit nach vorne katapultiert, und entsprechend groß war der Andrang. Dan Reynolds führte die Band durch „Tiptoe“, „It’s Time“, „Amsterdam“, „On Top of the World“ und „Demons“, bevor „Radioactive“ den erwarteten Schlusspunkt setzte. Gerade bei den großen Songs war sofort zu merken, wie viele Leute nur darauf gewartet hatten, endlich mitsingen zu können. Dazu kamen die ausgedehnten Trommelpassagen, die damals bereits fest zur Show gehörten.

Placebo zwischen „Loud Like Love“ und alten Klassikern

Als Placebo am frühen Abend übernahmen, veränderte sich die Atmosphäre. Brian Molko musste nicht über die Bühne rennen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Diese Stimme reicht. Dazu der schwarze, leicht spröde Sound und Songs, die sofort ihre eigene Stimmung über das Motodrom legten. Das damals aktuelle Album „Loud Like Love“ stand deutlich im Programm, gleichzeitig griff die Band tief genug in die eigene Geschichte, damit auch langjährige Fans auf ihre Kosten kamen.

„B3“, „For What It’s Worth“, „Loud Like Love“, „Every You Every Me“, „Meds“, „Song to Say Goodbye“, „Special K“ und „The Bitter End“ gehörten zum Set. Besonders stark war für mich der Kontrast zu den Bands zuvor. Eben noch Konfetti, Breakdowns und große Trommeln, jetzt Molko, der mit vergleichsweise wenig Bewegung einen ganzen Platz festhalten konnte. Und dann diese Version von „Running Up That Hill“. Placebos Interpretation des Kate-Bush-Songs gehörte auch in Hockenheim zur Zugabe und war einer jener Momente, bei denen rundherum plötzlich deutlich weniger gesprochen wurde.

Die Fantastischen Vier sorgen für gewaltigen Andrang

Auf der Revolution Stage wurde es anschließend richtig eng. Die Fantastischen Vier feierten 2014 ihr 25-jähriges Bestehen und spielten in Hockenheim eine von nur wenigen Festivalshows dieses Sommers. Der Menschenstrom Richtung Bühne war enorm, zeitweise mussten Bereiche hinter der Fressgasse wegen des Andrangs abgesperrt werden. Smudo, Thomas D, Michi Beck und And.Ypsilon hatten den Platz innerhalb kürzester Zeit im Griff.

Mit „Sie ist weg“, „MfG“ und „Krieger“ standen Songs im Programm, die längst mehrere Generationen kannten. Gleichzeitig kündigte sich bereits das Album „Rekord“ an, das im Herbst erscheinen sollte. Gerade diese Mischung funktionierte. Die Fantas mussten sich nicht auf ihre Vergangenheit verlassen, aber sobald einer der alten Hits kam, sang der komplette Platz mit. Und dann hieß es schon wieder los. The Prodigy warteten auf der Evolution Stage. Genau diese Überschneidung machte den Sonntag für Fotografen ziemlich sportlich.

The Prodigy lassen den Hockenheimring beben

Bei The Prodigy war vom langen Festivalwochenende plötzlich kaum noch etwas zu merken. Keith Flint und Maxim brauchten nur wenige Minuten, um die Evolution Stage in einen völlig anderen Zustand zu versetzen. Der Bass war nicht einfach laut. Er war körperlich. „Breathe“, „Voodoo People“, „Omen“, „Poison“, „Firestarter“, „Invaders Must Die“ und „Smack My Bitch Up“ kamen mit einer Wucht, gegen die Müdigkeit ziemlich schlechte Karten hatte.

Vor meiner Kamera war das kontrolliertes Chaos. Maxim ging nach vorne, Keith Flint wirkte wie gewohnt, als müsse er jeden Augenblick jemanden anspringen, Lichtblitze jagten über die Bühne und vor uns bewegte sich praktisch alles. The Prodigy waren schon immer diese seltsame Schnittstelle, an der sich Rockfans und Elektronikpublikum problemlos treffen konnten. In Hockenheim sah man genau das. Der Platz vor der Evolution Stage war voll, und bei „Firestarter“ oder „Breathe“ brauchte niemand mehr eine Genrebezeichnung.

Deichkind machen zum Schluss alles kaputt

Wer danach dachte, der dritte Tag könne nur noch ruhig auslaufen, hatte Deichkind vergessen. Von 22.30 Uhr bis Mitternacht gehörte die Revolution Stage den Hamburgern, die ihre letzte Show des Jahres und zugleich den letzten Auftritt mit diesem damaligen Bühnenkonzept spielten. Schon deshalb wurde nicht gespart. Dreiecksmasken, absurde Kostüme, Requisiten und eine riesige Hüpfburg verwandelten die Bühne erneut in den komplett durchgedrehten Spielplatz, den man bei Deichkind erwartete.

„Befehl von ganz unten“, „Leider geil“, „Illegale Fans“, „Arbeit nervt“, „Limit“ und schließlich „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)“ waren nach drei Tagen Festival ziemlich genau die falschen Songs, wenn man seine letzten Kraftreserven eigentlich schonen wollte. Also tat es niemand. Vor der Bühne wurde noch einmal gesprungen, getanzt und gebrüllt, während Deichkind alles auffuhren, was noch irgendwo herumstand. Die dokumentierte Setlist umfasste mehr als 20 Nummern und zog sich quer durch mehrere Phasen der Band.

Drei Tage zuvor hatten wir hier noch im Regen gestanden. Jetzt endete Rock’n’Heim 2014 bei deutlich freundlicherem Wetter mit The Prodigy auf der einen und Deichkind auf der anderen Bühne. Dazwischen lagen Beatsteaks, Korn, OutKast, Billy Talent, Broilers, Skrillex, Placebo, Imagine Dragons und eine Menge Kilometer mit der Kamera über den Hockenheimring.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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