Rückkehr aus der Dunkelheit. Sven The Axe über Macht, Horror und die Wiedergeburt von SOLEMNITY

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Nach Jahren der Stille kehrt SOLEMNITY mit „Opus Barbaricum“ zurück. Kein nostalgischer Rückblick, sondern ein klares Statement. Wir sprechen mit Sven The Axe über Kontrolle, kreative Prozesse und die Frage, warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für dieses Comeback ist.

Ihr wart offiziell aufgelöst. Was hat den Punkt markiert, an dem aus Idee wieder Realität wurde?

Ich habe eigentlich nie aufgehört Musik zu machen und Songs zu schreiben und irgendwann wollte meine Tochter auch von mir lernen wie man Gitarre spielt. Da hatte ich dann ne Kindergitarre gekauft um es ihr beizubringen, aber eigentlich hab ich mir das Ding die ganze Zeit immer geschnappt wenn aus dem Orkus ein Idee anflog und Ideen gab es viele. Über die letzten fünf Jahre waren irgendwann Unmengen an Songs entstanden, aber erstmal Lust die Band zu reaktivieren hatte ich gar nicht, da gerade die Live Situation mich immer sehr frustriert hatte. Wir hatten immer ne Wahnsinnshow am Start, aber kein Veranstalter wollte wenigstens grob die Unkosten deckeln, aber als ich merkte dass ich auf meinem CAD fähigen Laptop Pro Tools installieren kann war der Punkt definitiv gekommen. Früher brauchte man da nen eigens gebauten Tower PC damit das funktioniert und heute passt das Tonstudio in ne Tasche. Da ich berufsmäßig viel unterwegs bin habe ich an fünf Abenden die Woche das Hotel zum Tonstudio umfunktioniert.

Die Songs waren irgendwann an einem Punkt so gut, dass sie eigentlich nur noch nen Endmix durch nen guten alten Freund brauchten der mir zwei 25 Jahren alles mischt wo ich dann irgendwo den Überblick nicht mehr habe.

„Opus Barbaricum“ wirkt wie ein bewusstes Statement. War das Ziel, genau den alten SOLEMNITY-Sound zurückzuholen oder ihn weiterzuentwickeln?

Solemnity hatte eigentlich eher ein Image und ich bezeichnete es immer als Heavy Horror Metal, den Musik-technisch ist bei uns von True Metal über Speed und Doom eigentlich alles immer vertreten gewesen.

Den Horror sieht man wenn man vor die Tür geht. Da ist definitiv immer genug Inspiration vorhanden!

Ich denke aber dass niemand enttäuscht sein wird vom neuen Klangbild. Es sind auch 14 Jahre vergangen

und ich habe das erste Mal in meinem Leben professionellen Gesangsunterricht gehabt was man deutlich hört.

17 Songs sind eine klare Entscheidung gegen Reduktion. Warum dieses Format und kein kompakteres Album?

Wir hatten eigentlich immer schon Unmengen an Material geschrieben, nur Studiozeit war halt immer extrem teuer. Da musste man sich dann entscheiden was man nimmt aus dem Kessel und veredelt.

Ich hatte ja allein aus den „Lords Of The Damned“ Sessions irgendwann ein Dutzend weiterer Songs gratis auf youtube gestellt, das heißt Material wir immer zur Genüge da und so ist das auch heute noch. Unterm Strich hätte ich bereits jetzt schon genug Zeug für ein weiteres Album, aber das will ja alles schon säuberlich aufgenommen und gemischt werden und wenn ich früher gerne mal den ein oder anderen Patzer auf den Tapes gelassen habe mangels Zeit, so ist das heute keine Entschuldigung mehr. Es gibt inzwischen so geniale Plug-Inns, das ist eigentlich technisch gesehen heute der pure Wahnsinn.

Früher musste man für nen Lexicon Hall so viel ausgeben wie für nen Mittelklassewagen und heute hat man die Qual der Wahl.

Du hast alle Songs geschrieben. Wie verhinderst du kreative Selbstwiederholung über so viele Tracks hinweg?

Das kann man gar nicht verhindern und das kommt tatsächlich recht oft vor, aber ich habe auch früher solche Songs dann auf unterschiedliche Platten verteilt oder gewartet ob sich das Arrangement so nach der Zeit noch gut anfühlt oder überarbeitet werden will. Ich experimentiere auch gerne mal mit exotischen Geschichten. Arabisches Oud, Mandoline, Laute, Yang T´Chin, merkt der Zuhörer oft gar nicht hibt aber nen gewissen Kick des Anderssein. Auf „Queen Of Hades“agb´s 2005 ne Maultrommel. Noch Fragen?

The Sleeper“ basiert auf Edgar Allan Poe. Warum gerade dieses Gedicht und wie gehst du an solche Adaptionen heran?

Den Song hatte ich bereits 2004 in Angriff genommen wie so vieles andere, aber irgendwas hat mich immer gestört. Es gibt oft Songs die macht man zu 90% fertig und dann fehlt etwas. In der Regel hilft es dann nicht noch mehr Salz in den Kessel zu schütten, sondern ihn eher wie nen Käse reifen zu lassen.

Mit 22 Jahren Entwicklungszeit war es dann so weit. Das Gedicht ist so voller Schmerz aber auch Schönheit 

und gerade in den Gitarren wollte ich diesen krassen Kontrast verarbeiten. Ich hab ne Bekannte, der ich das erste Demo, das dritte Demo und so weiter über 20 Jahre vorgespielt habe. Die konnte es gar nicht fassen, dass ich da jetzt nicht mehr dran arbeiten wollte und sagte fertig. Bin aber sehr zufrieden mit Ergebnis und wie heißt es so schön „time rewards the patient!“

Tracks wie „Idiocracy“ oder „Escape From The Matrix“ greifen moderne Themen auf. Wie wichtig ist dir gesellschaftlicher Bezug im Heavy Metal?

Mir persönlich ist das sehr wichtig. Songs und vor allem Texte zu schreiben sind für mich auch eine kostengünstige Form der Psychotherapie bei all dem Wahnsinn der da draussen passiert. Kennst Du den Film Idiocracy? Der ist so ca. 20 Jahre alte. Meine Güte dachte ich mir als ich den vor zwei Jahren mal wieder aus dem Schrank geholt habe. Die Menschheit verblödet in einer Geschwindigkeit dass es nur noch erschreckend ist und ja wenn jetzt der Dünger ausgeht sind wahrscheinlich die ersten bald daran ihre Felder mit Gatorade zu düngen wegen der guten Elektrolyte. In der Politik manifestiert sich mehr und mehr eine Negativauslese

der Gesellschaft die zudem in völliger Arroganz über den Pöbel herrschen möchte. Alles in allem keine erquickenden Entwicklungen.

Eure Produktion wirkt sauberer und kontrollierter als früher. War das eine bewusste Entscheidung oder ein Nebeneffekt moderner Studioarbeit?

Yes, der Faktor Zeit war früher immer sehr limitierend, aber genau diesen habe ich jetzt im Überfluß

Und so konnte ich schrauben und schrauben bis alles in der mir möglichen Perfektion am Start ist.

Parallel erscheint dein Projekt MELANCHOLOST. Was konntest du dort ausleben, das bei SOLEMNITY keinen Platz hatte?

Ich habe festgestellt dass beim Songwriting plötzlich Material entstanden ist das einfach zu düster wirkte. Manches ging in die Coven Ecke, anderes verortete ich zwischen The Mission oder Fields Of The Nephilim also eher Goth Rock/Metal und es hatte halt wenig mit dem zu tun was ein Solemnity Fan erwartet.

Es war aber auch zu gut um in die Tonne getreten zu werden. Vieles hatte diesen 70er Jahre Okkult Rock Flair, anderes war sehr straight. Solche Songs hatte ich schon früher zu Hauf geschrieben und irgendwann hatte ich ein paar Freunden mal auf der Akustikgitarre ein paar Sachen vorgespielt und die waren völlig aus dem Häuschen, da dachte ich mir als Newcomer kann man heute nur noch schwer was reissen, aber vielleicht sichert eine Parallel-Veröffentlichung mit Solemnity wenigstens die Unkosten und ein paar Leute haben Spaß daran.

Ihr wart immer eine starke Liveband mit visueller Inszenierung. Wie sehen die Pläne für die Bühne 2026 aus?

Ich bin der letzte der das ablehnt, ganz im Gegenteil mein Keller ist voll mit Bühnenbauten, aber die Live-Kiste hat es mir damals auch letztendlich vermiest weiter zu machen, weil es frustrierend war zu hören ihr könnt für ne Kiste Bier hier und da spielen. Wenn Du allein für € 2.000 Pyros in die Luft jagst und dich dann noch um Benzin, Hotel, etc. kümmern mußt und dich Veranstalter anjammern weil deren Zahncreme so teuer geworden ist bin ich raus. Ich habegerade voll Bock wieder Musik zu machen. Das letzte Live-Line-Up denke ich kann so wie es war reaktiviert werden und geprobt haben wir eh nie viel, da wir alle Profis sind,

aber ich lasse mich überraschen. Studiotechnisch nehme ich auf jeden Fall neue Sachen auf und wenn an uns noch Interesse besteht vergeht auch nicht wieder ein Jahrzehnt bevor es das Licht der Welt erblickt.

Wenn du heute auf „Reign In Hell“ von 2001 schaust und auf „Opus Barbaricum“. Was hat sich grundlegend verändert und was ist gleich geblieben?

Das ist ne wirklich interessante Frage, da das gar nicht so einfach ist zu reflektieren, aber ich denke wir waren damals wie alle Youngster jung und naiv und glaubten die Welt hat nur auf uns gewartet.

Plötzlich kam dann die böse Realität. Bereits beim ersten größeren Konzert wurde uns die P.A. auf halblaut gestellt, das Licht abgedreht und die Bühne mit Wasser geflutet damit wir nicht so gut ankommen und die Fans alle nur Shirts vom Headliner kaufen.

Wir waren alle Fans und mussten immer mehr erkennen, dass einiges nichts als Business ist

und nur wenig mit wahrer Liebe zu tun hat bei vielen die wir auf dem Weg getroffen haben und das hat mich persönlich schon oft geschmerzt.

Ich würde heute vieles anders machen ganz klar, aber ich mache nach wie vor Musik um der Musik wegen

und nicht um große Hallen zu füllen oder um dem Pfandsammeln im Alter zu entgehen.

Ich bin ein Musiksammler und Enthusiast und das beschränkt sich nicht nur auf True Metal.

Tausend Dank für das Interview und die interessanten Fragen, viele Grüße Sven.

Vielen Dank an dich, Sven, und an SOLEMNITY für die Offenheit und die Einblicke in eure Arbeit. „Opus Barbaricum“ zeigt eine klare künstlerische Haltung und den Mut, den eigenen Weg konsequent weiterzugehen. Wir wünschen euch eine starke Veröffentlichung am 15. Mai 2026, maximale Resonanz im Underground und intensive Reaktionen aus der Szene. Wir freuen uns auf die nächsten Schritte und die Entwicklung dieses Kapitels.

Interview by CK

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