
Zwischen Kater, Küste und Kante: ROMANS NAILED IT im Interview
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Mit „In Need Of Romance Intervention…“ legen ROMANS NAILED IT am 18. September 2026 ihr Debütalbum vor. Das Acoustic-Punk-Duo verbindet darin persönliche Verluste, emotionale Unordnung und gesellschaftliche Wut. Die Vorabsingle „Atlantic Bruise“ blickt auf durchzechte Nächte, flüchtige Begegnungen und das Gefühl grenzenloser Freiheit zurück. Im Interview sprechen ROMANS NAILED IT über Erinnerungen als kreativen Treibstoff, ehrliches Songwriting, ihre Entwicklung seit 2022 und die Frage, wohin sie dieses Album als Nächstes führen wird.
Euer Debütalbum trägt den Titel „In Need Of Romance Intervention…“. Welche Art von emotionalem Eingriff braucht die Welt, die ihr auf diesem Album beschreibt?
Gefühlt entwickelt sich die Welt, aber auch das Privatleben vieler Menschen, immer mehr zu einem rauen und kalten Ort, den man allein zu bewältigen hat. Es ist unserer Erfahrung nach deswegen wichtig, sich regelmäßig mit anderen Menschen auszutauschen, zu lieben, zu streiten und sich auch letztendlich zu öffnen, damit dieses Gefühl nicht die Überhand gewinnt. Da ist so ein Album mit vielen persönlichen Themen für uns ein guter Anfang, denn im Endeffekt brauchen auch wir diese Intervention als Realitycheck und um als Menschen weiter wachsen zu können.
„Atlantic Bruise“ verwandelt Erinnerungen an Nächte, Kater und flüchtige Augenblicke in eine Person, mit der man durch die Dunkelheit tanzt. Warum war diese Personifizierung der richtige Weg, um das Gefühl des Songs greifbar zu machen?
Wir hatten das Privileg durch unsere Musik schon einige großartige Städte kennenzulernen. So auch diese atemberaubende französische Küstenstadt am Atlantik. Die Gastfreundschaft, Kultur und die Erlebnisse haben uns direkt um den Finger gewickelt, eben wie bei einem feurigen Flirt in einer Bar. Es war deswegen für uns naheliegend und leicht diese Empfindungen zu personifizieren und unsere Gefühle so zu zum Ausdruck zu bringen.
Auf dem Album treffen persönliche Rückschläge, zwischenmenschliches Chaos und gesellschaftliche Wut aufeinander. Welche innere Verbindung hält diese unterschiedlichen Themen zusammen?
Das sind alles Themen, die uns im täglichen Leben begleiten. All diese Emotionen zu ordnen und zu verarbeiten ist nicht immer einfach. Umso wichtiger ist es sich dennoch alldem zu stellen und diesen Themen mutig zu begegnen.
Wenn ihr einen neuen Song schreibt, was steht zuerst im Raum: eine konkrete Textzeile, ein persönliches Erlebnis oder die Energie der Gitarre?
Das ist immer unterschiedlich. Mal ist es ein fetziges Gitarrenriff, mal eine übergeordnete Idee oder ein schon fertig geschriebener Text. Wichtig ist, dass wir beide ein gutes Gefühl mit der Musik und dem Text haben. Oft schreiben wir nochmal am Text rum, oder ändern den musikalischen Ablauf, wenn einen von uns noch was daran stört. Es braucht meist nicht viel, um den kreativen Prozess in Gang zu setzen, diesen aber konsequent zu Ende zu führen, ist nicht immer einfach und manchmal braucht man auch mehrere Anläufe dafür.
Eure Texte sollen private Verluste ebenso aufgreifen wie gesellschaftlichen Hass und den Rechtsruck. Wie entscheidet ihr beim Schreiben, wann ein persönlicher Gedanke politisch werden muss und wann er bewusst intim bleibt?
Häufig lassen wir uns von etwas inspirieren und arbeiten uns dann gemeinsam durch den Songwritingprozess. Es kam auch schon vor, dass der Text schon fertig war, sich aber dann der Sinn nochmals komplett geändert hat, weil neue Erlebnisse den Text, der vorher oberflächlich war, zu etwas sehr Persönlichem gemacht hat.
Seit der EP „Make It Last Forever“ von 2022 habt ihr zahlreiche Konzerte und Festivalauftritte gespielt. Welche frühere Gewissheit über eure Musik habt ihr auf diesem Weg abgelegt?
Vor allem die, dass es ausreicht gute Musik zu schreiben, um viele Auftritte spielen zu können. Ohne eine gehörige Portion Mehraufwand, gutes Netzwerken und Eigeninitiative ist es im DIY-Bereich nicht möglich regelmäßig aufzutreten und voranzukommen.
Auch das sich die Art und Weise von Musikrezeption ständig ändert, macht es aus Sicht von Musikern nicht immer einfach. Waren CDs lange ein Verkaufsrenner, so sind sie dies seit Jahren nicht mehr und es ist notwendig andere Wege zu finden seine Musik zu vermarkten, ohne jedem Trend hinterherzurennen. Deswegen sind wir mittlerweile froh Teil eines gut geführten Labels zu sein, welches uns mit Rat und Tat beiseite steht.
Ihr seid als Duo mit Acts wie MakeWar, Matze Rossi, Schreng Schreng & La La, Mike Noegraf und Tim Holehouse aufgetreten. Welche Begegnung oder Live-Erfahrung hat eure Entwicklung besonders nachhaltig beeinflusst?
Es ist sehr interessant Personen kennenzulernen, die ihr gesamtes Leben auf das Produzieren und Spielen von Musik ausgerichtet haben. Von jedem einzelnen Künstler konnten wir uns gewisse Aspekte abschauen: Wie verhält man sich professionell vor, während und nach einem Auftritt, welche Technik benutzen diese Künstler, wie geht man eine ganze Tour an. Es war uns schon immer wichtig neugierig und offen für Neues zu bleiben und in Kontakt mit anderen Künstlern zu kommen, um zu lernen und weiter zu wachsen.
Besonders wichtig für uns waren aber sicher die allerersten Auftritte, die wir gemeinsam gespielt haben und den Zuspruch, den wir damals erhalten haben. Das Projekt Romans Nailed It war zu Beginn nur als Zeitvertreib während der Pandemie gedacht, doch innerhalb eines Jahres konnten wir schon auf die erste Deutschlandtour mit unseren eigenen Songs gehen. Das war nur durch die extreme Unterstützung von vielen Personen möglich, die uns bis heute eng begleiten und denen wir sehr dankbar sind.
In euren neuen Texten verarbeitet ihr auch Schicksalsschläge und Verluste. Wo zieht ihr die Grenze zwischen radikaler Ehrlichkeit und dem Schutz jener Erfahrungen, die nicht vollständig öffentlich werden sollen?
Grundsätzlich haben wir keine selbstauferlegten Grenzen. Wichtig ist es jedoch den Fokus der Betrachtung immer auf uns selbst zu richten. Was fühlen wir, was stört uns an uns an selbst, was können wir verändern? Um gewisse Sachen dennoch ein bisschen privat zu halten, arbeiten wir mit Metaphern und Symbolen, sodass die intendierte Message ein wenig verschleiert wird.
„Atlantic Bruise“ kreist um unbeschwerte Freiheit und Erinnerungen, die bleiben. Welchen Moment aus eurer gemeinsamen Bandgeschichte würdet ihr gern für eine einzige Nacht zurückholen?
Wahrscheinlich einen der ersten Auftritte von uns. Das Gefühl zum ersten Mal die eigenen Songs zu spielen und dafür Applaus zu ernten, dass ist schon etwas ganz Besonderes. Aber grundsätzlich versuchen wir nicht in der Vergangenheit zu leben, sondern im Hier und Jetzt und unsere Zukunft nach unseren Wünschen zu gestalten und uns darauf zu freuen.
Das Album erscheint am 18. September 2026 auf farbigem Vinyl und digital. Welche Tourpläne gibt es, und welche Entwicklung soll nach diesem Debüt als Nächstes beginnen?
Wir freuen uns sehr vom 07.10. bis 18.10.2026 auf Tour zu gehen, welche uns durch die Niederlande, Deutschland und Tschechien führen wird. Zunächst wollen wir die Erfahrung genießen mit einer eigenen Platte zu touren und uns dann zur gegebenen Zeit auch wieder dem Schreiben neuer Songs zuzuwenden. Des Weiteren würden wir uns sehr freuen, nächstes Jahr auf noch mehr Festivals spielen zu können und auch nach längerer Zeit nochmals im Vereinigten Königreich zu touren.
Vielen Dank an ROMANS NAILED IT für das offene Gespräch und die Einblicke in die Entstehung von „In Need Of Romance Intervention…“. Wir wünschen euch eine starke Veröffentlichung, viele intensive Begegnungen mit eurem Publikum und einen erfolgreichen Start in das nächste Kapitel eurer Bandgeschichte.
Interview by CK
Bild: Romans Nailed It © Thammasch













