Zwischen Melancholie und Aufbruch. So Soon über ihr neues Album „Everything Matters, Nothing Matters“

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Mit „Everything Matters, Nothing Matters“ veröffentlichen So Soon am 16. Oktober 2026 ihr zweites Studioalbum über Clouds Hill. Nach dem erfolgreichen Debüt entwickelt das Duo seinen musikalischen Ansatz weiter und verbindet Indie Pop, Dream Rock, Folk und Electronica zu einem vielschichtigen Klangbild. Im Mittelpunkt stehen persönliche Geschichten, emotionale Wendepunkte und die Suche nach Orientierung in einer Welt voller Möglichkeiten und Herausforderungen. Wir möchten mehr über die Entstehung des Albums, die kreative Zusammenarbeit von David Stöbener und Marco Braun sowie den Blick auf die bevorstehende Tour erfahren.

Der Titel „Everything Matters, Nothing Matters“ wirkt wie ein Widerspruch und gleichzeitig wie eine Zusammenfassung vieler Lebensphasen. Welche persönliche Bedeutung steckt hinter diesem Titel und warum beschreibt er das Album so treffend?

Der Titel entstand aus einem Bauchgefühl heraus. Wir mögen, dass es etwas pathetisch aber gleichzeitig kantig ist. Wir meinen damit die Spannung, dass manchmal, vieles sehr wichtig erscheint, so sehr, dass man beinahe daran zerbricht. Dann muss man wieder nach Dingen suchen, die einem Halt geben. Für uns bezieht sich der Titel ein Stück weit auf unsere Beziehung zur Musik. Sie bedeutet uns so viel – manchmal zu viel – dass wir davon Abstand nehmen müssen und „bereit sein sollten“ ohne sie klar zu kommen. Gleichzeitig kommt das auch in unserem Leben vor. Man ist erschlagen von einem wirren Anspruch an sein Dasein, wie man leben und was man erreichen sollte und es gibt nichts Befreienderes als den Moment, indem man es schafft, kurz mal stehen zu bleiben und zu verstehen, dass vieles von dem, was einen manchmal so quält eigentlich recht egal ist. Natürlich ist uns unser Leben und unsere Musik alles andere als völlig egal, aber der ganze Druck und die Ansprüche die aufkommen können (und auch ihre Berechtigung haben) sind, wenn es darauf ankommt, eigentlich nicht entscheidend. In diesen Momenten fühlt man sich recht frei und findet gleichzeitig wieder Kraft, genau das zu machen, was einen zuvor noch runtergezogen hat. Deswegen, ziemlich viele Sachen bedeuten uns alles und gleichzeitig sollten sie uns auch nichts bedeuten.

Eure neuen Songs greifen Themen wie Angst, Entscheidungen, Unsicherheit und Hoffnung auf. Gab es einen bestimmten Moment, der den kreativen Prozess dieses Albums maßgeblich angestoßen hat?

Es gibt nicht wirklich einen einzigen Moment, der das ganze angestoßen hat. Die Songideen sind über mehrere Jahre entstanden. Wir schreiben Musik nicht so dass wir sagen: “Heute schreiben wir einen Song”. Wir sind ständig im Prozess des Schreibens und halten kleine Ideen und Fragmente fest. Da im Leben immer viel passiert kommen hin und wieder Ideen heraus die meistens das verarbeiten, was uns zu einer bestimmten Zeit umtreibt oder beschäftigt. Wir hatten aber grundsätzlich schon die klare Vision ein zweites Album zu machen, was musikalisch an unser erstes Album anknüpfen soll und die Welt um So Soon erweitert und klarer ausformt. Wir wollten außerdem noch ein bisschen direkter und klarer in unserer Musik werden, vielleicht ein bisschen erwachsener.

Mit „Would You Call Me“, „The Pace“ und „It’s Just Fear“ gebt ihr bereits Einblicke in sehr unterschiedliche emotionale Situationen. Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, welche persönlichen Geschichten ihren Weg auf ein Album finden und welche bewusst privat bleiben?

Bei manchen Songs sind wir uns eigentlich ab Sekunde 1 sicher, dass wir sie sehr gut finden und veröffentlichen wollen. Auch hier gibt es kein Rezept sondern wir entscheiden meist aus dem Bauch heraus. Wir mögen das Format Album an sich sehr gerne und finden, dass es solche langen, bewusst zusammengestellte Ansammlungen an Musik generell braucht. Natürlich kommt es für uns extrem darauf an, was wir an Songideen und Material über die Zeit gesammelt und dementsprechend zur Verfügung haben. Irgendwann merken wir dann welche Songs zusammen passen könnten und ein mögliches Album beginnt Form anzunehmen. Wir wählen eigentlich nicht nach Themen oder Stories hinter den Songs aus sondern betrachten die Songs für sich. Ist es ein guter Song für uns dann kommt er auf die Platte. Dass die Songs oft sehr intim sind ist ok für uns, das sind meistens gute Songs.

Ihr produziert eure Musik selbst und habt anschließend mit Barny Barnicott und Matt Colton zusammengearbeitet. Wie verlief dieser kreative Austausch und an welchen Stellen haben externe Perspektiven das Album noch einmal verändert?

Besonders intensiv war der Austausch mit Barny, der das Album final gemixt hat. Hier passiert neben der Produktion mit Abstand am meisten. Wir versuchen die Songs so zu produzieren, dass man die Vision versteht und die Soundwelt bereits existiert und erfahrbar ist. Barny ist extrem gut darin unsere Produktionen und Mixes zu schleifen und zu verfeinern. Er bringt den Mix und den Charakter jedes Songs auf den Punkt, ohne den Charakter der Produktion zu stark zu verändern. Für die Zusammenarbeit besuchen wir Barny in seinem Studio bei London wenn es möglich ist. Größtenteils tauschen wir uns aber per Videocalls aus um Feedbacks und Ideen hin und her zu schicken bis wir letztendlich mit den Mixes zufrieden sind.

Mit Matt Colton war die Zusammenarbeit ziemlich einfach. Er ist extrem entspannt und jemand der sehr musikalisch mastert. Er veredelt die Songs und gibt nochmal eine ordentliche Spur Klarheit und Punch. Im Prinzip sind waren wir fast immer mit der ersten Version die er geschickt komplett zufrieden.

Eure Musik lebt von einer besonderen Balance zwischen atmosphärischen Klangflächen und eingängigen Melodien. Beginnt bei euch ein neuer Song eher mit einer Melodie, einem Text, einer Stimmung oder entwickelt sich jede Idee völlig unterschiedlich?

Es gibt für das Songwriting bei uns keine klare Struktur oder festen Ablauf. Meistens entstehen beim Musikmachen Melodien oder Akkordfolgen, die dann die Ausgangsbasis für einen möglichen Song bilden. Bei anderen Stücken gibt es bereits einen fertigen oder fragmentarischen Text. Oft wird unsere Kreativität auch durch Sounds getriggert wie zum Beispiel durch Loops oder Drones. Wir haben also kein festes Rezept fürs Songschreiben, es ist immer etwas unterschiedlich.

Seit eurem Debüt habt ihr zahlreiche Konzerte gespielt und ein stetig wachsendes Publikum erreicht. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit haben euer Songwriting und euren Blick auf Musik nachhaltig verändert?

Eigentlich hat sich der Prozess dadurch nicht wirklich verändert. Die Songs entstehen einfach wie immer, aber man denkt dann schon Mal darüber nach, beziehungsweise freut sich darauf, wie ein Songs wohl live klingen und funktionieren wird.

Das Debüt wurde von vielen Medien sehr positiv aufgenommen. Spürt man nach einem solchen Start zusätzlichen Druck oder schafft positives Feedback eher die Freiheit, beim nächsten Album mutiger zu werden?

Es hat uns schon sehr gefreut, dass das erste Album so gut aufgenommen wurde. Es hat uns auf jeden Fall bestärkt weitere Songs zu schreiben und weiterhin an unserer Art festzuhalten, wie wir Musik machen. Beim zweiten Album war der Prozess trotzdem etwas anders, weil wir weniger Zeit hatten, beziehungsweise uns weniger Zeit gegeben haben. Wir hatten über die letzten Jahre wieder viele Songs angesammelt und wussten dass wir diese Ideen “nur noch” fertigstellen mussten. Da war etwas selbstgesteckter Zeitdruck gar keine schlechte Erfahrung, weil wir an sich dazu neigen, das Fertigstellen und damit verbundene Entscheidungen immer weiter wegzuschieben, obwohl die Songs im Grunde bereits fertig sind. Wir haben unsere Deadline aber trotzdem einige Male verschoben, da wir die Songs erst loslassen, wenn wir komplett davon überzeugt sind.

Ihr kennt euch seit der Schulzeit und arbeitet seit vielen Jahren zusammen. Wie hat sich eure Zusammenarbeit im Studio verändert und woran merkt ihr heute am deutlichsten, dass ihr als Band gereift seid?

Eigentlich gar nicht so sehr. Wir haben beide Ideen und arbeiten daran. Irgendwann teilen wir die Ideen die wir gut finden und machen die Songs gemeinsam fertig. Am Anfang war unser gemeinsames Arbeiten noch relativ wild und wir haben sehr viel ausprobiert. Mittlerweile wissen wir besser wer was gut kann und haben mehr Erfahrung im Produzieren. So ist unsere Zusammenarbeit wahrscheinlich schneller und effizienter geworden. Man wird einfach schneller darin, gewisse Vorstellungen umzusetzen oder zumindest eine grobe Vision eines Songs zu erschaffen. Wir versuchen trotzdem immer wieder neue Dinge auszuprobieren um zum Beispiel interessante Sounds oder spannende Songstrukturen zu entdecken.

Musik begleitet Menschen oft genau in den Momenten, in denen Worte fehlen. Gab es in eurem eigenen Leben ein Album oder einen Künstler, der euch in einer schwierigen Phase Orientierung gegeben hat und dessen Einfluss bis heute spürbar ist?

Ja einige. Und das ist auch der Grund warum wir das alles machen. Weil wir genau das, was wir selbst erfahren haben – nämlich von Musik eingesogen zu werden, die gefühlt bis an die Seele vordringen kann – auch erschaffen wollen. Wir wollen Musik schreiben, die genau das macht und ein Teil des Lebens vieler Menschen wird und dadurch bereichert.
Wir können natürlich einige nennen, aber besonders geprägt hat uns unter anderem Bon Iver, Simon & Garfunkel, Colplay, Pink Floyd oder auch James Blake.

Mit dem Album startet auch eine umfangreiche Tour. Wenn wir dieses Gespräch nach den letzten Konzerten noch einmal führen würden, was möchtet ihr dann rückblickend über diese Albumphase sagen können?

Wir hoffen natürlich, dass möglichst viele Leute davon mitbekommen haben und zu den Konzerten gekommen sind. Was bei so einer Veröffentlichung generell alles rumkommt lässt sich schlecht voraussagen, aber wir glauben dass es wieder ein gutes Album geworden ist und freuen uns, wenn es dann vollständig veröffentlicht ist. Der Rest wird sich zeigen.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview nehmt. Wir wissen es sehr zu schätzen und freuen uns darauf, mehr über die Geschichten hinter „Everything Matters, Nothing Matters“ zu erfahren. Für den Albumrelease am 16. Oktober 2026, die kommende Tour und alles, was danach folgt, wünschen wir euch viel Erfolg und viele besondere Konzertmomente. Wir freuen uns auf eure Antworten und darauf, das Interview passend zur Veröffentlichung mit unseren Leserinnen und Lesern zu teilen.

Interview by CK

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Bild: So Soon © Flemming Fuchs

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