Nach ihrer gefeierten Debüt-EP „Different Skies“ melden sich Twin Mill mit ihrer neuen Single „Heatwave“ zurück – und liefern damit den perfekten Soundtrack für eine Generation zwischen Überforderung, emotionaler Taubheit und unbändiger Wut. Ihr Mix aus Grunge, Punk, Emo und Hardcore ist kompromisslos, ehrlich und laut. Grund genug, der Band aus Heilbronn ein paar Fragen zu stellen – über den Song, das kommende Album und ihre Tourpläne.
„Heatwave“ fühlt sich an wie eine emotionale Explosion bei 40 Grad – wie kam es zu diesem Song? Gab’s einen bestimmten Auslöser?
„Bei uns entsteht selten etwas aus einem konkreten Erlebnis heraus. Meistens fängt es mit einem Riff an – Toby und ich sind im Herzen mehr Gitarristen als Sänger, daher ist die Gitarre auch unser wichtigstes kreatives Vehikel. Bei Heatwave kam die Grundidee tatsächlich noch von meinem Bruder Cassian, der vor Toby in der Band war, die hatte es aber nicht mehr auf die erste EP geschafft. Das Instrumental hatte uns aber so überzeugt, dass wir es unbedingt fertig machen und veröffentlichen wollten. Der Name Heatwave kam übrigens erst im Studio zustande. Dass der Track dann rauskam, als gerade die große Hitzewelle in Deutschland anlief – ein Zufall, der einfach gepasst hat.“
In euren Lyrics sprecht ihr oft von Taubheit, Druck und innerem Zerreißen – wie sehr ist das persönliches Erleben, wie viel kollektives Gefühl?
„Die Texte stammen von Toby oder mir und sind daher stark persönlich geprägt – auch wenn manche Szenarien fiktiv sind, spiegeln sie unsere Gedanken und Erlebnisse. Gleichzeitig teilen wir aber ähnliche Erfahrungen, weil wir als Band in derselben Subkultur groß geworden sind und ähnliche Stationen vom Jugend- bis ins Erwachsenenalter durchgemacht haben. Diese gemeinsamen Erfahrungen verbinden uns und fließen in die Texte mit ein.“
Im Vergleich zur EP „Different Skies“ wirkt „Heatwave“ düsterer und noch roher – war das eine bewusste stilistische Entscheidung?
„Absolut. Uns war wichtig, dass die Songs noch roher und ehrlicher klingen, mit Ecken und Kanten. Deshalb haben wir viel Wert auf organischen, analogen Sound gelegt: echte Röhrenamps, echte Lautsprecher, analoge Mischpulte. Diese kleinen Details machen für uns den Unterschied. Dass die Songs auch düsterer geworden sind, war eher eine natürliche Entwicklung – ein Schnappschuss dessen, was wir in der Zeit gefühlt haben.“
Wer euren Sound hört, denkt an Nirvana, Deftones, Superheaven – aber was hat euch wirklich musikalisch geprägt?
„Das ist bei jedem von uns etwas anderes. Wir kommen aus Metal, Hardcore, Indie, Alternative – jeder bringt andere Einflüsse mit. Für mich persönlich prägt mich eigentlich ständig etwas Neues, wenn mich etwas fasziniert. Was uns als Band aber natürlich beeinflusst hat, war auf jeden Fall die ganze Welle der Run-For-Cover-Bands zwischen 2010 und 2015: Title Fight, Basement, Balance & Composure, Turnover, Citizen usw. Trotzdem ist es ein ständiges Weiterentwickeln – wir wollen uns nicht jedes mal selbst kopieren, sondern auch neuen Einflüsse Raum geben.
Gibt’s einen Song auf dem kommenden Album (dürfen wir das überhaupt schon so nennen?), der für euch besonders persönlich ist?
„Also ein Album wird es auf jedenfall nicht, soviel kann ich sagen. Und arg viel bleibt dann ja auch nicht mehr übrig, haha. Für mich ist es Separation Pain. Der Song blickt zurück auf eine abgeschlossene Beziehung und verarbeitet ein Gefühl, das mich damals lange begleitet hat, heute aber nicht mehr so präsent ist. Für mich hat der Song dadurch einen besonders persönlichen Bezug.“
Eure Musik wirkt wie ein direkter Draht zum Gefühl – wie läuft bei euch der kreative Prozess ab? Jammt ihr einfach drauf los oder entstehen Songs eher aus Textfragmenten?
„Bei uns fängt immer alles mit einem Gitarrenriff an. Meist entwickeln wir eine kleine Abfolge aus Intro, Vers und Refrain, und darauf bauen wir dann den Rest auf. Sobald die Struktur steht, jammen wir zusammen an den Feinheiten. Texte und Gesang kommen meist erst ganz am Ende dazu.“
Ihr wart bereits mit Szenegrößen wie Hot Water Music und Trophy Eyes unterwegs – was nehmt ihr von solchen Support-Shows mit?
„Man lernt unheimlich viel dabei. Zu sehen, wie professionell, routiniert und selbstbewusst solche Bands auftreten, inspiriert uns, selbst noch mehr zu geben. Vor allem vor einem fremden, großen Publikum, das eigentlich auf den Headliner wartet, willst du beweisen, dass du da hingehörst. Diese Erfahrung pusht uns extrem und hilft uns, als Band zu wachsen.“
Im August und September seid ihr wieder live unterwegs – worauf freut ihr euch besonders, und was darf auf Tour nie fehlen?
„Wir freuen uns dieses Jahr vor allem auf die Festivals. Der Vibe dort ist einfach einzigartig – große Bühnen, Open-Air, eine andere Atmosphäre. Wir spielen unter anderem beim Umsonst & Draußen Festival in Mössingen und beim Redfall Festival. Beides Premieren für uns, und wir sind richtig heiß darauf.“
Gibt’s eine Stadt oder einen Club, in dem ihr unbedingt mal spielen wollt – oder einen Ort, an den ihr immer wieder gern zurückkehrt?
„Wir würden super gern mal in der Oettinger Villa in Darmstadt spielen. Der Club hat eine mega Szene, vor allem aus der Hardcore-Ecke, aber auch offen für Bands wie uns. Ein Ort, an den wir immer wieder gerne zurückkehren, ist das Juha West in Stuttgart. Florian, der den Laden schmeißt, ist super, die Leute dort sind Freunde und die Stimmung und der Sound sind einfach geil.“
Und ganz ehrlich: Was wäre das Schlimmste, das euch live passieren könnte – und was das Schönste?
„Die meisten Pannen haben wir schon erlebt: defektes In-Ear-Rack, gerissene Gurte und Saiten, Verstärker-Ausfälle – alles schon passiert. Schlimmer wäre höchstens noch, vom Publikum von der Bühne gejagt zu werden, aber das halten wir für unwahrscheinlich. Und das Schönste? Wenn die Leute die Texte mitsingen, sich komplett verlieren und man merkt, dass die eigene Musik ihnen wirklich was bedeutet. Wenn dir nach der Show jemand sagt: ‚Ey, das war das Geilste heute, ihr habt meinen Tag gerettet‘ – das ist der Moment, für den man das alles macht.“
Danke, Twin Mill!
Ein riesiges Dankeschön an Cédric Roser für dieses intensive und offene Interview. Mit „Heatwave“ gebt ihr der inneren Zerrissenheit einen Sound – laut, wuchtig und ohne Kompromisse. Wir freuen uns auf alles, was noch kommt – die kommenden Shows, das nächste Release und mehr Noise, bitte! Alles Gute euch – und bis bald irgendwo zwischen Schweiß, Feedback und Gefühl. 🎸🔥 CK
23.07.2025: Heilbronn, Maschinenfabrik w/ Deez Nuts
01.08.2025: Mössingen, U&D Festival
13.09.2025: Baunatal, Red Fall Festival
21.10.2025: Berlin, Hole 44 w/ Defeater
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Bild: Twin Mill 2025 © Cassian Roser


