Die Band Heilung steht in aufwendigen, historischen Trachten auf der Bühne und performt mit archaischen Instrumenten.

Frankfurt erhielt seine Heilung: Nordic-Ritual-Folk in der Jahrhunderthalle

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Passend zur dunklen Jahreszeit, wenn die Kälte durchs Land zieht, gingen Heilung auf Tour. In diesem Rahmen besuchten sie unter anderem die Jahrhunderthalle Frankfurt, um ihr Publikum auf eine mystische Reise in die Vergangenheit mitzunehmen. Unterstützt wurden sie dabei von den beeindruckenden Support-Acts Lili Refrain und Eivør.

Die Support-Acts: Lili Refrain und Eivør

Den Auftakt machte Lili Refrain, ein außergewöhnliches Soloprojekt. Die Italienerin ist seit 2007 in diesem Metier erfolgreich tätig. Bei ihren Aufnahmen und Performances verwendet sie gekonnt E-Gitarre, Gesang und Loops in Echtzeit, um dichte, atmosphärische Klanglandschaften zu erschaffen.

Im Anschluss verzauberte Eivør Pálsdóttir das Publikum. Sie wird oft als „färöische Björk“ bezeichnet, wobei sich das eher auf die geographische und kulturelle Nähe der Färöer mit Island und das hohe künstlerische Niveau als auf einen bestimmten Stil bezieht. Ihr Repertoire ist grenzenlos und reicht von Jazz über Folk und Ethnopop bis Trip-Hop, berührt aber auch Klassik und Kirchenmusik. Damit spricht sie ein Zielpublikum über alle Generationen hinweg an.

Gleichzeitig gehören Eivørs Lieder zur färöischen Volksmusik, deren Wurzeln tief in den über Jahrhunderte mündlich überlieferten färöischen Balladen und den kirchlichen Kingo-Psalmen liegen. Sie singt sowohl in ihrer Muttersprache Färöisch als auch in Englisch, Dänisch, Schwedisch und Isländisch.

Heilung: Verstärkte Geschichte aus dem Nordeuropa des Frühmittelalters

Heilung ist eine deutsch-dänisch-norwegische Nordic-Ritual-Folk-Band. Ihre Musik basiert nach eigenen Angaben auf Original-Artefakten und überlieferten Texten aus der Eisenzeit und der Wikingerzeit. Sie selbst beschreiben ihre Kunst als „amplified history from early medieval northern Europe“ – eine verstärkte Geschichte aus dem frühmittelalterlichen Nordeuropa.

Der Name der Band „Heilung“ sagt laut Kai Uwe Faust durchaus auch etwas über den Stil und die Absicht des Projekts aus. So soll die Musik „Klänge und Laute vergangener Zeiten“ wieder erlebbar machen. Außerdem sollen beim Hörer Meditations- und Trancezustände hervorgerufen werden, die ihn in Kontakt mit seinem „inneren heilen Selbst“ bringen. Die komplexen Werke der Band beschränken sich dabei nicht nur auf reine Musik, sondern enthalten auch tiefgründige Gedichte.

Historische Artefakte, archaische Instrumente und Trance-Zustände

Der Bezug zu den frühen Epochen der Menschheit wird eindrucksvoll dadurch hergestellt, dass auf historischen Artefakten überlieferte Texte oder historische Gedichte als Liedtexte genutzt werden. Die verwendeten Sprachen sind dabei extrem vielfältig und reichen von Deutsch und Englisch über Gotisch und Latein bis hin zum Urnordischen.

Als Instrumente dienen meist Gegenstände, die den Menschen auch in der Eisenzeit bereits zur Verfügung gestanden haben könnten – beispielsweise Trommeln, Rasseln, Knochen und Speere. Hinzu kommen altertümlich erscheinende Klangerzeuger aus dem Osten wie indische Ritualglöckchen (Ghanta) und die indische Fiedel Ravanahattha.

Auch gesanglich ist die Band einzigartig besetzt:

  • Der weibliche Gesang von Maria Franz wirkt ätherisch und schwebend.
  • Der Kehlkopfgesang von Kai Uwe Faust erinnert stark an die tibetische bzw. mongolische Gesangsweise.
  • Christopher Juul verwendet als Gesang ein charakteristisches, keifend klingendes Flüstern.

Als weiteres, unverzichtbares Stilmittel werden von den Bandmitgliedern auf der Bühne aufwendig gestaltete Trachten getragen. Diese sind teilweise an die spirituellen Traditionen der eurasischen Zirkumpolarvölker angelehnt oder geben historisch korrekte Abbildungen wikingerzeitlicher Kleidung wieder. Das Konzert in der Jahrhunderthalle war somit nicht nur ein akustisches, sondern auch ein visuelles und spirituelles Gesamtkunstwerk.

Foto © by Jan Heesch

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