
KEINE HALBEN WELLEN, NUR VOLLE WUCHT
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Bruno Kawelke steht für eine neue Generation deutschsprachiger Erzählmusik. Direkt, emotional, nah dran am Leben und trotzdem mit klarer künstlerischer Handschrift. Zwischen Köln, ausverkauften ersten Shows und Millionen Streams entsteht gerade etwas, das sich nicht mehr nur als Hype beschreiben lässt, sondern als eigenes kleines Universum. Mit der kommenden EP „Jede Welle fotografieren“ verdichtet er diesen Ansatz noch einmal und stellt die Frage, wie viel vom Leben sich wirklich festhalten lässt, bevor es weiterrollt.
Im Rahmen der Kugeltour 2026 kommt Bruno Kawelke am 15.09.2026 ins Nachtleben Frankfurt und bringt genau diese Energie auf die Bühne. Ein Abend zwischen Intimität und Druck, zwischen Songwriting und Momentaufnahme.
Deine Songs wirken wie eingefangene Sekunden aus einem sehr schnellen Leben. Wann hast du gemerkt, dass genau diese Art zu erzählen deine Sprache ist?
Das hat sich über die letzten Jahre rausgeformt. Ich hab schon immer geschrieben und versucht die Grenzen von meinem Schreiben auszureizen, auszuprobieren, was möglich ist. Formen zu finden, Spaß zu haben, mich herauszufordern. Ich wusste aber schon immer auch sehr klar, was ich mag und was nicht, was meine Ästhetik ist, welche Worte ich mag und welche meide. Am Ende ist Schreiben das wozu ich immer hin zurückkommen kann. Egal, was ich gerade durchmache, welche Höhen oder Tiefen, Schreiben ankert mich.
Deine EP „Jede Welle fotografieren“ trägt einen starken Gedanken in sich. Was bedeutet dieser Satz für dich persönlich, wenn das Licht ausgeht und niemand mehr zuhört?
Als Künstler muss man dahin schauen, wo die wahrsten Gefühle liegen und das bedeutet auch sich den größten Ängsten zu stellen. Für mich ist das, in diesem Fall, die Furcht vor der vergehenden Zeit. Ich verstehe Zeit nicht, ich verstehe nicht, warum ich nicht zurückreisen kann in der Zeit. Schreiben ist mein einziger Halt. Mein zum Scheitern verurteilter Versuch die Zeit zu besiegen. Für einen kurzen Moment kann ich mich entgegenstemmen und mich durch die Worte und die Musik nicht nur erinnern, sondern zurückkehren zu dem Gefühl, was ich in der Situation gefühlt habe.
Deine ersten Releases haben in kurzer Zeit enorme Reichweiten aufgebaut. Was verändert sich innerlich, wenn aus kleinen Ideen plötzlich große Zahlen werden?
Bei der ersten Session nach dem ersten Release hab ich kurz diesen Gedanken gehabt: “Der eine Song hat mehr Streams als die anderen, vielleicht sollte ich mehr solche Songs machen.” Davor hab ich mich erschrocken und diesen Moment nehme ich seitdem als Mahnung. Ich mache Musik nie für das Außen, sondern nur für das Innen, wenn das jemand fühlt freu ich mich, wenn nicht, ändert das nichts.
Du arbeitest eng mit einem kleinen Team und klaren Produktionen. Wie sehr schützt dich diese Struktur davor, dich im Druck der Aufmerksamkeit zu verlieren?
Mir ist wichtig meine Kunst zu beschützen und nur mit Menschen zu machen, denen ich vertraue. Sam (Moran), mein Produzent und Freund, kann meine musikalischen Gedanken lesen. Wir haben den gleichen Geschmack, dieselbe Ästhetik, ich liebe Musik mit ihm machen. Wir sind grundsätzlich offen auch mit anderen zu arbeiten, haben wir auch schon, aber es ist einfach sehr ausgewählt.
Deine Musik wirkt emotional, aber nie zufällig. Wie sieht dein kreativer Prozess konkret aus, wenn ein Song bei dir entsteht?
Erstmal sammle ich. Ich sammle Szenen, Situationen, Gedanken, Worte. Immer, wenn ich was sehe, fühle, lese, dann schreibe ich das auf, mache Screenshots, unterstreiche und umkringel in Büchern. Im Studio geh ich diese Sammlung durch, während Sam Klavier spielt oder Gitarre, mit Synths arbeitet oder an Drums, forme ich aus der Sammlung zusammenhängende Geschichten, konstruiere Szenen und bau Dramaturgien.
Viele sprechen von einer starken visuellen Welt um deine Musik herum. Wie wichtig ist dir das Bild hinter dem Klang und wo endet Musik für dich und wo beginnt Inszenierung?
Ich mag es eine Welt zu bauen. Ich will mit jedem künstlerischen Aspekt von dem Projekt bewusst, vorsätzlich, absichtlich sein. Das gilt für die Artworks und Videos genau so wie für die Live Shows, die Fotos, die Captions oder Outfits.
Mit Songs wie „Monet“ öffnest du ruhigere Räume. Ist das für dich ein bewusster Gegenpol oder eher ein natürlicher Teil deiner Entwicklung?
All das sind Seiten von mir. Ich mag ruhige Songs, ich mag Energie – das wird es bei mir immer geben.
Köln spielt in deiner Geschichte eine spürbare Rolle. Wie sehr prägt dich die Stadt heute noch künstlerisch und emotional?
Jeder Ort, den ich besuche, jeder Ort, an dem ich Zeit verbringe, prägt mich. Atlanta und Almería tauchen in meinen Songs auf, die Isle of Arran, das Meer, die Berge, meine Heimat Sterkrade und natürlich Köln, wo ich viele Jahre verbracht und viele Geschichten gesammelt habe.
Die Kugeltour 2026 führt dich in Clubs wie das Nachtleben Frankfurt. Was suchst du in solchen Räumen, was du in großen Hallen vielleicht nicht findest?
Eine direkte Verbindung zu den Menschen, die sich in meiner Musik finden. Es war surreal zu sehen, dass Menschen meine Texte schon ab dem ersten Konzert Wort für Wort mitgerappt haben, diese Verbindung will ich halten.
Wenn du auf die nächsten Monate blickst, was ist für dich gerade die größte Herausforderung, künstlerisch ehrlich zu bleiben und trotzdem weiter zu wachsen?
Ich weiß, wer ich bin und ich weiß, was ich kann und ich weiß, was für Kunst machen will. Ob das bei den Leuten ankommt oder nicht, liegt nicht in meiner Hand. Ich werde meine Kunst nicht ändern, um jemandem zu gefallen.
Vielen Dank an Bruno Kawelke für die Zeit, die Offenheit und die Einblicke in seine Arbeit und seine aktuelle Entwicklung. Wir wünschen eine starke und erfolgreiche Kugeltour 2026 und freuen uns auf die Veröffentlichung sowie die kommenden Schritte dieser spannenden künstlerischen Reise.
Interview by CK
FOTO © Julius Gabele














