
RAUHBEIN am Anschlag. Zwischen Eskalation, Ehrlichkeit und echter Haltung
Beitrag teilen
Mit „Rebellen & Helden“ liefern Rauhbein ihr bislang geschlossenstes und zugleich persönlichstes Album ab. Zwischen Folk-Energie, druckvollen Rockmomenten und überraschend verletzlichen Songs zeigt die Band, warum sie sich in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt nach oben gespielt hat. Im Interview sprechen wir über Grenzerfahrungen auf Tour, die Entstehung des Albums, die Entwicklung der Band und darüber, warum Zusammenhalt heute wichtiger ist denn je.
„Rebellen & Helden“ klingt größer, direkter und emotionaler als eure bisherigen Alben. Hattet ihr beim Schreiben das Gefühl, diesmal bewusst eine neue Stufe erreichen zu wollen?
H: Musik entwickelt sich ständig und ich habe gar keine Scheu jede neue Inspiration in den Songwritingprozess einfließen zu lassen, im Gegenteil…das macht es für mich aus, sich immer wieder neu zu erfinden und dem Hörer nicht immer die gleiche Leier zu präsentieren. Ich muß allerding zugeben das beim Schreiben zu Rebellen & Helden schon eine besondere Aufbruchstimmung geherrscht hat…als würde sich etwas Besonderes ankündigen.
Eure Songs funktionieren stark über Energie und Gemeinschaft. Wie schwierig ist es heute noch, ehrliche Texte zu schreiben, ohne dabei in typische Deutschrock-Klischees abzurutschen?
H: Gar nicht schwer für mich…meine Positionierung ist immer ziemlich klar und meine Texte sind autobiografisch oder Erzählungen aus meinen Erfahrungen im Leben. Ich kann gar nicht wirklich beurteilen was das typische Deutschrock-Klischee ist.
Mit „Morgen Früh“ zeigt ihr eine deutlich verletzlichere Seite. Wie wichtig war es euch, auf dem Album auch ruhige und nachdenkliche Momente zuzulassen?
H: Diese Seite war schon immer Teil von RAUHBEIN und wird es immer sein.
Viele Bands sprechen über Authentizität. Bei euch wirkt vieles tatsächlich autobiografisch. Wo zieht ihr die Grenze zwischen persönlicher Offenheit und Privatsphäre?
H: Diese Grenze lässt sich nicht ziehen wenn man authentisch arbeiten will. Ich lege Wert darauf mein Privatleben so gut es geht zu schützen. Das gelingt mal besser mal schlechter. Gehört zu so einer Tätigkeit wie meiner einfach dazu. Ich nehme mir die wenigen Übergriffigkeiten nicht sonderlich zu Herzen und bin ja auch sehr kontaktfreudig.
Musikalisch verbindet ihr Deutschrock, Folk und Celtic Punk inzwischen sehr selbstverständlich. Wie hat sich euer Songwriting seit den ersten Singles 2021 verändert?
H: Wie vorher schon gesagt ist Songwriting für mich ein Prozess der ständig im Wandel ist und das gefällt mir sehr. Ich habe die Freiheit mich vielseitig inspirieren zu lassen und auch immer wieder mit anderen Leuten an meiner Musik arbeiten zu dürfen. Am Ende der musikalischen Reise von RAUHBEIN dürfen sich dann die Kritiker und Gelehrten drüber streiten ob der Beitrag zur Musikgeschichte sinnvoll ist oder nicht 😉
Eure Live-Shows gelten inzwischen als enorme Energieexplosion. Schreibt ihr Songs mittlerweile automatisch mit Blick auf Festivals und große Crowds?
H: Das ist sicher eine Herangehensweise…manche Songs spürt man schon groß während man sie schreibt und ich würde lügen wenn ich behaupten würde, ich möchte RAUHBEIN nicht vor einer großen Crowd sehen.
„Rebellen & Helden“ spricht oft über Zusammenhalt und Verantwortung. Glaubt ihr, dass Musik in gesellschaftlich schwierigen Zeiten wieder wichtiger wird?
H: Musik war, ist und wird immer wichtig sein! Jeder hat eine Verantwortung für unsere Gesellschaft und ich sehe die Musik als eine der Künste die daran erinnert, das jeder seine soziale und gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen sollte.
Songs wie „Mein Kaff“ oder „C!est la vie“ zeigen Humor und Lockerheit. Wie wichtig ist euch dieser Kontrast zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß?
H: Ich möchte soweit gehen und behaupten, dass RAUHBEIN dafür berühmt und berüchtigt mit diesem Kontrast zu spielen. Für mich ist das die Realität…das Leben.
Der Erfolg der letzten Jahre ging extrem schnell. Wie verändert Erfolg eine Band intern und wie verhindert man, dabei den eigenen Kern zu verlieren?
H: Das ist ein hartes Geschäft mit vielen Herausforderungen und nicht jeder ist dafür gemacht diese Gangart zu gehen. Die „Band“ hat so nie wirklich existiert…RAUHBEIN wurde von mir erdacht und umgesetzt, mit Hilfe von einigen Wegbegleitern. Und wie das so ist im Leben…Leute kommen und gehen aus verschiedensten Gründen. Ich bin sehr dankbar und kann von mir sagen das ich mich über Jede(n) gefreut habe der mich bis heute begleitet hat. Ich sage aber auch ganz klar das man sich immer von Leuten trennen sollte, die einem nicht gut tun oder dem Projekt schaden und da RAUHBEIN mein Baby ist, hab ich damit auch keine Problem gehabt in der Verganhenheit mal eine Brücke einzureißen.
Das Album erscheint mitten im Festivalsommer 2026. Welche Tour- und Festivalpläne stehen an und auf welche Shows freut ihr euch aktuell am meisten?
H: Die Releasewoche ab dem 03.07. wird sicher ein Highlight und Ich freu mich tierisch drauf das neue Material auf der Rebllen & Helden Tour dem Publikum zu präsentieren!
Vielen Dank an Rauhbein für die offenen Einblicke und die Zeit für dieses Interview. Wir wünschen euch eine starke Veröffentlichung von „Rebellen & Helden“, ausverkaufte Shows, intensive Festivalmomente und eine erfolgreiche weitere Reise. Man spürt, dass diese Songs genau dort hingehören, auf die Bühne und mitten ins Publikum.
Interview by CK
RAUHBEIN Foto © Moritz Ziegler














