The Firebirds und The Petits Fours bei ihrer Burlesque Show am 22. März 2017 im Capitol Mannheim

The Firebirds Burlesque Show in Mannheim: Wilder Ritt in die 50er

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Rote Lippen, Petticoats, Pomade und ein Kontrabass, der nicht lange stillsteht. Gestern Abend, am 22. März 2017, wurde das Capitol Mannheim für einige Stunden zur ziemlich ausgelassenen Zeitmaschine. Bei der The Firebirds Burlesque Show traf der Rock’n’Roll der Leipziger The Firebirds auf die Tänzerinnen von The Petits Fours, dazu kamen The Pearlettes mit ihren mehrstimmigen Gesangseinlagen. Die Mischung wirkte zunächst gewagt, passte auf der Bühne aber erstaunlich schnell zusammen.

Schon optisch liegen Welten zwischen einem normalen Rockkonzert und diesem Abend. Hier geht es um Inszenierung, Kostüme, kleine Geschichten und bewusst überzeichneten Fifties-Glamour. Gleichzeitig bleibt die Musik weit mehr als bloße Begleitung. Sobald The Firebirds loslegen, bekommt das Capitol ordentlich Bewegung.

The Firebirds holen den Rock’n’Roll nach Mannheim

Die fünf Musiker aus Leipzig setzen auf genau jene Mischung, die bei einem solchen Abend funktioniert: Rock’n’Roll, Rockabilly, Doo-Wop und Rhythm & Blues. Klassiker von Chuck Berry, Elvis Presley oder Fats Domino liefern das musikalische Fundament, doch The Firebirds spielen diese Stücke nicht ehrfürchtig wie Museumsware. Die Gitarren dürfen knarzen, der Kontrabass wird zum Showinstrument und zwischendurch bekommt auch der mehrstimmige Gesang seinen Platz.

Von meinem Platz aus fällt vor allem auf, wie eng Musik und Bewegung miteinander verzahnt sind. Kaum beginnt die nächste Nummer, verändert sich die Bühne wieder. Eine Tänzerin erscheint, die Band reagiert darauf, ein kurzer Blick zwischen den Musikern, dann sitzt der nächste Akzent. Das Ganze hat Tempo, ohne permanent hektisch zu wirken.

Das Publikum braucht nicht lange. Schon früh wird mitgeklatscht, vereinzelt sogar im Sitz getanzt, und spätestens bei den bekannten Rock’n’Roll-Melodien wird aus dem eher beobachtenden Beginn ein ziemlich lebendiger Abend.

The Petits Fours bringen Burlesque auf die Capitol-Bühne

Dann wird das Licht weicher, die Musik zieht sich für einen Moment zurück und die Aufmerksamkeit gehört The Petits Fours. Zoe ScarlettMademoiselle Kiki La Bise und Golden Treasure bringen jeweils ihren eigenen Stil auf die Bühne. Mal verspielt, mal glamourös, dann wieder deutlich frecher.

Burlesque lebt vom Andeuten, vom Spiel mit Blicken und Erwartungen. Genau deshalb funktioniert es hier besser als eine bloße Abfolge hübscher Kostüme. Die Tänzerinnen bauen ihre Auftritte langsam auf, spielen mit dem Publikum und setzen Bewegungen sehr bewusst. Das Capitol schaut entsprechend aufmerksam hin.

Dabei bleibt der Abend charmant statt plump. Vieles ist mit einem deutlichen Augenzwinkern inszeniert. Die Reaktionen aus dem Saal zeigen schnell, dass dieses Spiel verstanden wird.

The Pearlettes wechseln den Ton

Zwischen Rock’n’Roll und Burlesque bringen The Pearlettes eine weitere Farbe hinein. Ihre mehrstimmigen Gesangspassagen erinnern an die großen Vokalgruppen der 40er- und 50er-Jahre und bremsen den Abend für kurze Momente angenehm herunter. Danach dürfen The Firebirds wieder Gas geben.

Gerade diese Wechsel halten die Show zusammen. Ein klassischer Rock’n’Roll-Titel folgt auf eine Burlesque-Nummer, danach steht plötzlich mehrstimmiger Gesang im Mittelpunkt. Wenige Minuten später fliegt wieder ein Rockabilly-Rhythmus durch das Capitol.

Es wirkt wie eine Revue, aber eben nicht wie eine steife. Dafür passiert zu viel spontan wirkender Unsinn auf der Bühne. Die Musiker lachen, die Tänzerinnen spielen mit Reaktionen aus dem Publikum, und manches entwickelt sich genau deshalb besonders gut, weil es nicht nach perfekter Hochglanzroutine aussieht.

Rock’n’Roll trifft auf Glitzer und schwarzen Humor

In der zweiten Hälfte wird die Mischung noch selbstverständlicher. Jetzt muss niemand mehr erklären, warum eine Rock’n’Roll-Band und eine Burlesque-Revue gemeinsam auf Tour gehen. Die Antwort steht direkt auf der Bühne.

The Firebirds treiben das Tempo hoch, die Tänzerinnen setzen ihre eigenen Akzente und The Pearlettes sorgen dazwischen für den passenden Kontrast. Kostümwechsel gehören ebenso dazu wie kleine Comedy-Momente und immer wieder diese musikalischen Rückgriffe in eine Zeit, in der Rock’n’Roll noch als ziemlich gefährlich galt.

Das Capitol passt erstaunlich gut zu dieser Show. Nah genug, damit die kleinen Gesten der Tänzerinnen funktionieren, aber groß genug für den Sound einer Band, die ihre Instrumente nicht nur dekorativ herumstehen lässt.

Als der letzte Rock’n’Roll verklungen ist, bleibt ein Abend zurück, der sich kaum eindeutig als Konzert, Tanzshow oder Varieté bezeichnen lässt.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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