Zwischen Legenden und donnernden Riffs. VANAHEIM schlagen das nächste Kapitel des Folk Metal auf

Beitrag teilen

Mit „Roede voor de Borst“ präsentieren VANAHEIM ihr zweites Konzeptalbum und führen ihren musikalischen Weg konsequent weiter. Die niederländische Band verbindet Folk Metal, Symphonic Metal und Death Metal mit historischen Erzählungen und schafft dabei einen unverwechselbaren Klang. Im Gespräch sprechen wir über die Entstehung des Albums, den kreativen Prozess, die Entwicklung der Band und den nächsten großen Schritt auf den europäischen Bühnen.

Mit „Roede voor de Borst“ erzählt ihr eine durchgehende Geschichte über Reue, Verzweiflung, Hoffnung und Erlösung. Wann war euch klar, dass dieses Album als Konzeptalbum funktionieren muss und nicht als Sammlung einzelner Songs?

Mike:
Die Entscheidung darüber, ob unser nächstes Album wie auch der Vorgänger „Een Verloren Verhaal“ ein Konzeptalbum wird, war schnell getroffen. Wir haben mit unserem Debütalbum herausgefunden, dass das Schreiben und Komponieren von Songs innerhalb eines ganzheitlichen Konzepts für uns als Band am besten funktioniert. Das Konzept gibt uns einen Plan dafür, wo die Reise hingehen soll. Manche Bands nehmen ein grobes Thema als Konzept für ein neues Album. Dieses grobe Thema bringt dann alle Songs auf dem Album unter einem übergeordneten Rahmen zusammen. Bei uns ist das anders. Wir haben nicht nur ein grobes Thema als Vorlage, sondern eine komplett selbst geschriebene Geschichte mit verschiedenen Protagonisten, in einer eigenen Welt und eigenen Geschehnissen. Diese bestimmen dann auch den Verlauf der Geschichte und des Albums. Jeder aufeinander folgende Song auf “Roede voor de Borst“ ist ein Teil der fortlaufenden Geschichte, welche sich durch das ganze Album zieht. 

Das Konzept zieht sich allerdings nicht nur durch die Musik, sondern ebenfalls durch die Texte, das Album Artwork, das Merchandise und sogar durch unsere Live-Show mit unterschiedlichen Show-Elementen. Gibt es einen drastischen Wechsel innerhalb eines Songs, dann passiert auch etwas Drastisches in der Geschichte. Dieses Erschaffen einer eigenen Welt und das musikalische Ummanteln dieser Welt ist etwas, das uns großes Vergnügen bereitet.

Wir sind eben Geschichtenerzähler durch und durch.

Im Vergleich zu „Een Verloren Verhaal“ wirkt das neue Album größer, orchestraler und gleichzeitig deutlich härter. Welche bewussten musikalischen Entscheidungen habt ihr getroffen, um VANAHEIM weiterzuentwickeln, ohne eure Identität zu verlieren?

Mike:
Das ist interessant zu hören! Eigentlich haben wir in “Roede voor de Borst“ weniger Orchestrationen als auf dem Vorgängeralbum. Es wäre allerdings fair zu sagen, dass diese Orchestrationen gezielter zum Einsatz kommen. Die Balance zwischen Orchestralen Elementen und der klassischen Metal-Bandbesetzung ist auf “Roede voor de Borst“ ausbalancierter als auf „Een Verloren Verhaal“. Wir haben uns bewusst dazu entschlossen einige Songs härter und mit weniger Orchestrationen zu gestalten. Eine große Rolle spielt hierbei auch der 30-köpfige Chor, der in jeden Song zu hören ist und den entscheidenden Unterschied macht. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut einen echten Chor für dieses Album aufzunehmen. Generell versuchen wir so viele Instrumente wie nur möglich real aufzunehmen und nicht durch irgendwelche technischen Plug-Ins oder Keyboard zu ersetzen. “Roede voor de Borst“ soll echt und greifbar sein. Ich denke, das ist uns gelungen!

Die Identität der Band findet sich im Zusammenspiel aller Bandmitglieder. Jeder Song ist eine Kollaboration zwischen allen in der Band. Klar kommt es oft vor, dass jemand von uns mit einer bereits ausgereiften Idee um die Ecke kommt. Diese wird dann allerdings in typischer Vanaheim Manier komplett auf den Kopf gestellt und es werden verschiedenste Dinge damit ausprobiert. Wir machen uns die Songs zu eigen.

Eure Songs leben von der Verbindung aus Folk, Symphonic Metal und Death-Metal-Riffs. Wie entsteht bei euch das Gleichgewicht zwischen eingängigen Melodien und kompromissloser Härte, ohne dass eine Seite die andere dominiert?

Mike:
Es ist die Abwechslung, die es interessant macht. Wir schreiben oft Songs, welche über die 6 Minuten hinausgehen, und das machen wir uns zunutze. Längere Songs geben uns mehr Raum, um unsere Geschichten in mehr Detail zu erzählen. Die Melodie eines Songs steht dabei meist an erster Stelle. Wenn die Melodie nicht im Kopf bleibt, dann ist sie nicht genug für uns. Melodie ist wichtig, aber auch die Härte eines Songs. Am Ende sind wir immerhin eine Metalband und der Live-Faktor spielt für uns eine große Rolle. Jeder unserer Songs soll Emotionen und Energie in unserem Publikum freisetzen. Man soll sich bei unseren Konzerten wohlfühlen, sich der Musik hingeben und den Moment genießen können. Unsere Musik soll zum Bewegen anregen, egal ob Headbangen, Moshpit, Crowdsurfen oder folkloristischer Stepptanz! Dafür ist eine gewisse Härte in der Musik ausschlaggebend.

Die Texte bleiben konsequent in niederländischer Sprache. Gerade im internationalen Metal ist das eher ungewöhnlich. Welche Bedeutung hat diese Entscheidung für eure Geschichten und für eure Verbindung zum Publikum außerhalb der Niederlande?

Mike:
Auf unserer ersten jemals veröffentlichten EP mit dem Namen “The House Spirit“, sind die Texte ausschließlich in Englisch verfasst. Mit unserem Debütalbum sind wir dann allerdings zu niederländischen Texten gewechselt. Das hat den Grund, dass Niederländisch natürlich die Muttersprache der meisten unserer Bandmitglieder ist und wir uns in dieser Sprache natürlich am besten ausdrücken können. Viele Emotionen gehen in Übersetzungen verloren oder oft gibt es auch gar keine Übersetzung für ein bestimmtes Wort einer Sprache. Das Schreiben in der eigenen Landessprache ist im Genre des Folk-Metal auch etwas sehr gern Gesehenes. Es ist fast schon so etwas wie eine Tradition.
Oft geht es in den Texten von Folk-Metal Bands um Geschichten, Sagen, Mythen oder historische Ereignisse. Man könnte es so sehen: Wir kommen als eine geschichtenerzählende Karawane in fremde Länder und bringen unsere eigene Musik und Geschichten mit, um sie zu verbreiten und anderen Menschen ein Vergnügen zu bieten. Das ist am authentischsten, wenn wir dies in unserer eigenen Sprache machen.

Nun fragt man sich:“ Wie soll ich wissen, worum es in eurer Geschichte geht, wenn ich die Texte durch die Sprachbarriere nicht verstehe?“. Es funktioniert! Wir haben festgestellt, dass unser Publikum aus dem Ausland oft versteht, worum es in einem Song geht, selbst wenn sie nur die Musik hören. Es ist ein Phänomen, welches ich mir selbst nicht ganz erklären kann. Wahrscheinlich könnte man es damit begründen, dass Musik eine eigene Sprache ist, welche alle Menschen auf der Welt verstehen. Wir durchbrechen so gesehen mit unserer Musik “The Fourth Wall“ und das ist etwas Wundervolles!

Beim Songwriting. Beginnt bei euch alles mit einer Geschichte, einer Melodie oder einem Gitarrenriff? Wie entwickelt sich daraus schließlich ein Song, der seinen Platz innerhalb des gesamten Konzeptalbums findet?

Mike:
Die Entstehung eines Vanaheim Songs beginnt immer mit einem Teil aus der Geschichte unseres Konzepts. Diese ist die Grundlage für das Album und natürlich dementsprechend auch für die einzelnen Songs. Daraufhin folgt die Melodie, welche meist den reinen musikalischen Anfang eines neu entstehenden Songs bietet. Von hier aus entwickelt sich der Song aus einer Mischung zwischen Konzept, reinen orchestralen Ideen oder eines Gitarrenriffs. Hier hat nun auch jedes Bandmitglied einen Einfluss auf verschiedene Übergänge im Song, Rhythmus, Songstruktur oder eben auch die Melodie selbst.

Es passiert auch, dass wir lange an einem Song sitzen und am Ende feststellen, dass er nicht mehr wirklich in das Konzept passt, obwohl das Konzept die Grundlage für den Song war. Durch verschiedene Einflüsse beim Schreiben der Songs oder durch viele kreative Ideen, verändert sich ein Song manchmal so stark, dass am Ende etwas völlig neues entsteht.

Mit Joost van den Broek als Produzent und Mika Jussila für das Mastering habt ihr mit zwei renommierten Persönlichkeiten der Metalszene gearbeitet. Wie haben ihre Ideen den kreativen Prozess beeinflusst und gab es Momente, in denen sie euch bewusst aus eurer Komfortzone geholt haben?

Mike:
Die Arbeiten mit Joost waren wie auch schon beim Debütalbum sehr inspirierend und absolute Weltklasse. Joost ist für uns mehr als nur ein Mixing Engineer geworden. Er hat uns dazu geleitet “Roede voor de Borst“ noch besser zu machen und auf das nächste Level zu bringen. Gerade mit seiner langjährigen Erfahrung im Bereich des Melodic Metal, stand er uns bei schwierigen Fragen zur Seite. Selbst wenn wir mit dem 30-köpfigen Chor in das Studio kamen, war das für Joost und Joss kein Problem. Wir sind stolz darauf Joost in unserem Team und als kreativen Mentor dabei zu haben.

Mika hat bereits den Status einer Legende erreicht. Eine Mastering-Legende. Er hat unzählige unserer absoluten Lieblingsalben gemastert. Nightwish, Kalmah, Children Of Bodom, Korpiklaani und viele mehr. Alle aufzuzählen würde mehrere Stunden dauern. Wie auch mit Joost haben wir bereits unser Debütalbum von Mika Mastern lassen. Wir waren damals schon so von dem Ergebnis begeistert, dass wir uns glatt wieder dazu entschlossen haben, beim neuen Album mit demselben Team zu arbeiten.

Ohne Joost und Mika würden “Een Verloren Verhaal“ und “Roede voor de Borst“ nicht das sein, was diese beiden Alben bereits sind. Grandios

Seit eurem Debüt hat sich für VANAHEIM unglaublich viel verändert. Festivalauftritte beim Wacken Open Air, Graspop Metal Meeting oder Wave Gotik Treffen, Touren mit bekannten Bands und nun der Vertrag bei Fireflash Records. Welcher Moment war für euch der entscheidende Wendepunkt, an dem ihr gespürt habt, dass VANAHEIM eine neue Stufe erreicht hat?

Mike:
Der Moment kam mit der Veröffentlichung unseres Debütalbums “Een Verloren Verhaal“. Das war auch ehrlich gesagt unser Ziel. Mit diesem Album wollten wir aus dem See von unzähligen Underground Bands hervorspringen, zeigen, was wir zu bieten haben und wer Vanaheim eigentlich ist. Wir wollten dieses Album so episch und so grandios machen, dass es mit den Alben der bereits seit vielen Jahren etablierten Bands mithalten kann. Wir mussten uns dafür drastisch weiterentwickeln. Deswegen hat es auch 4 Jahre gedauert, bis nach der Veröffentlichung unserer ersten EP dann endlich unser Debütalbum erschienen ist. “Een Verloren Verhaal“ brauchte diese Zeit in der Entstehung und musste reifen. Wir sind keine Band, die jedes Jahr ein neues Album veröffentlicht, welches dann nach ein paar Wochen wieder in der Versenkung verschwindet. Unsere Musik soll gemacht sein, um zu bleiben. Sie soll einen bleibenden Eindruck hinterlassen und unsere Fans sollen sich auch nach 20 Jahren noch an unsere Alben erinnern und in positiven Erinnerungen schwelgen. Ob wir das geschafft haben, wird sich in 20 Jahren zeigen.

Hinter jeder Band stehen Menschen mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten. Was hat sich innerhalb von VANAHEIM in den vergangenen Jahren am stärksten verändert. Als Musiker, aber auch als Team?

Mike:
Die Entstehung unseres Debütalbums war schwer, sehr schwer. Wir waren uns oft nicht einig, hatten unterschiedliche Ansichten, zu Beginn keine klare Vision für die Zukunft und stritten auch oft miteinander. “Een Verloren Verhaal“ hat uns fast gebrochen. Die Emotionen kochten hoch und es wurde sogar die eine oder andere Träne vergossen. Was am Ende zählt, ist, dass wir es geschafft haben. Geschafft das Tal zu überwinden, das Ego beiseitezulegen und offen und ehrlich miteinander zu reden, Emotionen nicht zu verstecken und eine gemeinsame Vision zu entwickeln. Am Ende hat uns dieser Prozess noch mehr zusammengeschweißt. Heute sind wir ein noch besseres Team und sind nach wie vor beste Freunde, nein, sogar eine Familie geworden.

Mit “Roede voor de Borst“ gehen wir den nächsten Schritt. Wir haben unser Team vergrößert und sind sehr stolz darauf nun mit Markus von Fireflash Records ein Label an unserer Seite zu haben, welches die gleiche Vision mit uns teilt, unsere Musik schätzt und mit uns an einem Strang zieht. Master Mold Music ist gegen Ende 2025 als unser Management Team hinzugestoßen und unsere Bookings laufen inzwischen über Rock The Nation, eine der größten Buchungsagenturen in Europa im Genre des Metal. 

Manchmal können wir unseren Augen kaum trauen, wenn wir sehen mit welchen tollen Leuten wir zusammenarbeiten dürfen. Wir würden sagen, ein absolutes Dream-Team!
Wir sind unendlich dankbar für den massiven Support unserer Fans und natürlich für die tolle Arbeit unseres Labels, Management und Booking Teams. Solche Menschen findet man nicht alle Tage.

Direkt nach der Albumveröffentlichung stehen bereits Festivalshows und anschließend die umfangreiche Valhalla Calling European Tour an. Worauf dürfen sich die Fans bei den neuen Live-Shows besonders freuen und welche Rolle werden die neuen Songs im Set spielen?

Mike:
Die neuen Songs werden auf jeden Fall eine große Rolle spielen! Schließlich können wir es kaum erwarten, dieses Beast von einem Album zu befreien und es in der Welt zu verbreiten! Die Besucher der Tour können sich auf eine komplett neue Live-Show mit jeder Menge Action, großen Hymnen, hagelnden Blastbeat-Gewittern und jeder Menge Epik freuen. Es wird neues und limitiertes Merchandise geben und die ein oder andere Überraschung steht ebenfalls parat. Wir sagen euch, das wird ein Fest! Wir sitzen regelrecht auf heißen Kohlen und wollen Europa in unsere epischen Geschichten hüllen.

Auch hierbei müssen wir erwähnen, dass wir sehr dankbar dafür sind, solch eine Chance zu bekommen. Wir dürfen die Bühne mit legendären Bands wie TYR, Twilight Force und Dragonland teilen. Ein absolutes Traum-Line-Up. Wir könnten nicht stolzer sein. Die Vorfreude ist riesig!

Bevor wir auf Europa Tour gehen, steht uns allerdings noch ein anderes großes Abenteuer bevor. Unsere spezielle “Roede voor de Borst“ Veröffentlichungs-Show in De Helling, Utrecht in den Niederlanden am 5. September 2026. Diese einmalige Clubshow wird unsere bisher größte und umfangreichste Show sein. Ein absolut einmaliges Event, bei dem wir das komplette neue Album zum ersten Mal live performen werden. Es gibt noch Tickets, allerdings wissen wir nicht für wie lange noch!

Wenn ihr fünf Jahre in die Zukunft blickt. Wofür soll der Name VANAHEIM dann stehen? Gibt es musikalische Ziele oder Ideen, die ihr euch mit den kommenden Alben unbedingt erfüllen möchtet?

Mike:
In 5 Jahren sollte der Name Vanaheim für absolute Epik, unvergleichliche und erlebnisreiche Live-Shows und für die Rückkehr des Folk Metals auf die großen Bühnen Europas stehen. Ich weiß, das sind große und fast schon überhebliche Worte, aber man soll ja träumen. Viele unserer Träume sind bereits wahr geworden und dafür sind wir unendlich dankbar. Wir haben so großartige Fans, denen wir viel zu verdanken haben. Dafür lohnt es sich zu kämpfen. Wir werden weiterhin alles dafür tun, um unsere nächsten Alben noch epischer zu machen, sie vor noch mehr Publikum zu spielen und die größten Bühnen Europas zu erobern.

Wenn wir mal kurz über noch ausstehende Träume reden, dann äußere ich auf jeden Fall den Wunsch einmal in Südamerika oder Japan zu touren. Das wäre absolute Weltklasse! Ansonsten schauen wir mal, was die Zukunft so bring. Wir sind offen dafür, ein neues Level an Epik zu erreichen.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für unsere Fragen genommen habt. Wir wünschen euch einen erfolgreichen Start für „Roede voor de Borst“, eine großartige Albumveröffentlichung und eine ausverkaufte Tour mit vielen unvergesslichen Momenten. Für euren weiteren Weg wünschen wir euch kreative Inspiration, begeisterte Fans und viel Erfolg auf den internationalen Bühnen.

Mike:
Vielen Dank für dieses großartige Interview und die Unterstützung. Wir freuen uns darauf, unser neues Album “Roede voor de Borst“ am 4. September 2026 zu veröffentlichen und sind schon sehr gespannt auf die Reaktionen unserer Fans, die anstehenden Album-Reviews und natürlich alle zukünftigen Konzerte! Dieses Jahr wird für uns ein absolutes Highlight.

Wenn ihr uns auf unserer Reise unterstützen möchtet, dann bestellt unser bald erscheinendes Album “Roede voor de Borst“ vor und kommt zu unseren Konzerten. Wir freuen uns riesig auf euch alle!

-:DAS:-:WIRD:-:EPISCH:-

Wir freuen uns darauf, eure musikalische Reise weiter zu begleiten.

Interview by CK 

Auf Apple Music anhören

Bilder: © VANAHEIM

Beitrag teilen