Montag 28. November 2022

Welch ein Thriller – Prädikat besonders wertvoll!

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Welch ein unglaublicher Thriller! Die Korbjagd am späten Samstagabend zwischen den MLP Academics Heidelberg und den EWE Baskets Oldenburg bot in der easyCredit Basketball Bundesliga alles, was die Herzen der Fans dieser dynamischen Teamsportart höherschlagen lässt. Dramatik pur, Intensität pur, Mentalität und Qualität pur, Emotionen pur – die Superlative könnte man endlos aneinanderreihen. Vor 2.363 Zuschauern im SNP dome ging es hoch und runter – spannungsgeladen, spektakulär, mitreißend und atemlos. Am Ende, nach über zweieinhalb Stunden (!) stand ein 102:94 nach Verlängerung (22:12, 40:26, 60:60, 84:84) auf der Anzeigetafel. Und jeder Teamsportler und „Zocker“ weiß: Siege dieser Art verdienen das Prädikat besonders wertvoll! Und schmecken süß.

Heidelbergs Kapitän Akeem Vargas (32) hat im Laufe seiner Basketballer-Vita schon viel erlebt – ob bei seinen Stationen in Tübingen, Göttingen, Berlin, Frankfurt, wieder Göttingen und nun in Heidelberg -, doch dieser „Tanz auf der Rasierklinge“ gegen die Oldenburger „Donnervögel“ wird für ihn und das neu gebildete Team mit neuem Trainer einen besonderen Stellenwert haben. Warum? Weil sich Vargas, in Lancester/Pennsylvania geboren, in Deutschland aufgewachsen und bei der KuSG Leimen maßgeblich von Trainer und Mentor Hartmut Schiek als Jugendbasketballer ausgebildet, als emotionaler Leader entpuppte. Wie Vargas die Mannschaft puschte, das Publikum immer wieder animierte, zuverlässig wichtige Punkte (gerade auch in der Verlängerung) markierte – das ist einfach ein Sonderlob wert.

Teaminterner Entwicklungsprozess läuft

Der Mehrwert dieses Hammerspiels ist unterdessen der: Die Verantwortlichen der MLP Academics dürfen sich für die erfolgte radikale Zäsur nach dem BBL-Premierenjahr bestätigt fühlen. Denn die Heidelberger pflegen inzwischen einen wesentlich attraktiveren, flexibleren und geordneteren Stil auf dem Parkett. Man spürt förmlich: Da ist ein teaminterner Entwicklungsprozess in vollem Gange. Und das Beste daran ist, dass sie sich gegen die starken Norddeutschen, taktisch klug vom spanischen Trainerstrategen Pedro Calles eingestellt, von der Abhängigkeit ihres bis dato überragenden Playmakers Eric Washington „befreien“ konnten. Wenn wie am Samstag geschehen mit Vargas, Washington, Ugrai, Kesteloot, Coleman und Davis sechs Akteure wie im zweistelligen Punktebereich liegen, dann spricht dies stets für eine ganz starke Kollektivleistung. Mehr sogar: Das ist geradezu idealtypisch! Zumal darüber hinaus auch Teamsenior Shy Ely (35) ein zentraler Faktor in diesem Match war. Sein Buzzerbeater 0,3 Sekunden vor der Sirene zum 84:84 rettete die Hausherren in die Verlängerung.

Ely: Mit der Fußspitze auf der Linie

Diese Wahnsinnsszene, nach konsequent durchgeführten Laufwegen, spiegelte buchstäblich punktgenau wider, wie eng dieser Erfolg zustande kam. Shy Ely stand bei seinem Wurf und dem „Finale furioso“ in der regulären Spielzeit mit der Fußspitze auf der Linie, sodass mancher sogar schon einen Dreier wähnte. Und man bedenke: DeWayne Russell hatte die Gäste Sekundenbruchteile zuvor mit 82:84 – vermeintlich gewinnbringend – in Front gebracht. In dieser Szene hatten sich die Heidelberger taktisch ungeschickt verhalten. Sie spekulierten 18,5 Sekunden (Ballbesitz Oldenburg) vor Ablauf der Uhr aufs Remis und auf die Overtime und versäumten es, rechtzeitig ein Foul zu machen.

Danach freilich, auch dieser Aspekt gehört zu den verrückten Parametern dieses Basketball-Krimis par excellence, wurden die gelb-schwarzen „Donnervögel“ ein Opfer ihrer eigenen Foulbelastung. Mit Holyfield, Drechsel, Pjanic, Leissner, DiLeo und Russell (ganz zum Schluss) mussten unterm Strich sechs Akteure vom Feld.

Triumph und Tragik liegen unter den „Brettern“ oft so nah beieinander!

Ugrai: „Emotionaler Pusch“

Die Reaktionen danach? Max Ugrai sprach von einem weiteren „emotionalen Pusch“. Klar, bis auf die Eröffnungspartie gegen Ludwigsburg waren es bis dato alles enge Spiele. Die MLP Academics scheinen sich zu Verlängerungsexperten (Frankfurt, Braunschweig im Pokal und nun Oldenburg) zu mausern. „Ich hoffe, dass wir mal deutlicher gewinnen“, frotzelte Ugrai ein bisschen, „für die Zuschauer geht’s natürlich nicht besser, doch für uns als Team war es wichtig, die Last von Erics Schultern zu nehmen.“ Tim Coleman schlug in eine ähnliche Kerbe: „Wir geben einfach nicht auf, wenngleich es mal schlecht läuft. Uns gelingt es zunehmend, unseren Stil umzusetzen. Die Teamchemie macht Fortschritte.“ Mit einem breiten Grinsen im Gesicht betonte Coleman: „Ja, wir vertrauen uns mehr und mehr.“

Ein Satz, der Trainer Joonas Iisalo in seiner Philosophie bestärken dürfte. Der Finne konnte rundum zufrieden sein, sah selbst „die wahrscheinlich beste Hälfte“ seiner Jungs, bemängelte lediglich, dass nach dem Seitenwechsel der Faden riss („Oldenburg und Calles geben nie auf“), als die Norddeutschen binnen drei Minuten bedrohlich herankamen (43:40/23. Minute). „Wir haben schlechte Würfe genommen, Turnovers gemacht und Fastbreaks kassiert“, so die Analyse von Iisalo übers dritte Durchhänger-Viertel (20:34 aus Heidelberger Sicht).

Sei’s drum: Am Ende der regulären 40 und nochmals nach 45 Minuten Nettospielzeit jubelten die Hausherren im SNP dome, der sich in den entscheidenden Momenten als „Tollhaus“ präsentierte. „Ich bin sehr glücklich für unser Team. Heute haben so viele Spieler ihren Beitrag zum Erfolg geleistet. So können wir auch jedes ‚Bigger-Budget-Team‘ schlagen“, sagte Iisalo. Zum Beispiel? Nächsten Samstag, 5. November (20.30 Uhr), geht’s zum Topteam Telekom Baskets Bonn. Dort steigt das Bruder-Duell zwischen Tuomas und Joonas Iisalo auf den Trainerbänken. Davon will Joonas nichts wissen: „Der Wettbewerb heißt Bonn gegen Heidelberg – nicht Iisalo gegen Iisalo.“

Für Thriller-Liebhaber: Die nächste Heimpartie der MLP Academics steigt am Sonntag, 20. November (15 Uhr, SNP dome) gegen ratiopharm Ulm. Das Duell mit den „Spatzen“ könnte ziemlich aufregend werden …

Für die MLP Academics Heidelberg spielten: Akeem Vargas 16 Punkte, Eric Washington 16 (2 Dreier), Max Ugrai 15, Vincent Kesteloot 15 (1), Tim Coleman 14 (2), De’Jon Davis 10, Shy Ely 9 (1), Lukas Herzog 5 (1), Elias Lasisi 2, Niklas Würzner, Felix Edwardsson (DNP).

EWE Baskets Oldenburg: DeWayne Russell 23 (3 Dreier), Trey Drechsel 18 (2), T.J. Holyfield 11, Maximilian DiLeo 10, Tanner Leissner 8, Kenneth Ogbe 8 (1), Bennet Hundt 5 (1), Alen Pjanic 5 (1), MaCio Teague 3 (1), Owen Klassen 3.

Text: Joachim „Jogi“ Klaehn MLP Academics Heidelberg Kommunikation und Medien

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