Samstag 13. Juli 2024

Julian Dawson – Julian Dawson

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»Ein riesiges Abenteuer« 

Es sind Augenblicke wie diese, die Julian Dawson ein Leuchten ins Auge zaubern. Damals in den Neunzigern als er eine Zeitlang Platten in Amerika aufnahm, und ihm plötzlich Nicky Hopkins entgegenkam, der vielleicht beste Sessionmusiker der großen Zeit des Rock. Sein Klavierspiel für die Rolling Stones, Kinks, The Who (you name them…) hatte den Sound der 60er und 70er geprägt, und Dawson ist ein Riesenfan. Daß er die Möglichkeit hatte, Legenden wie ihn anzusprechen und mit ihnen Songs aufzunehmen, verdankt er seinem 18jährigen Ich, das spontan den Weg von England aus ins Ungewisse einschlagen hatte, um Sänger einer Band in Deutschland zu werden. »Eine Katastrophe!« schmunzelt Dawson heute, aber sie brachte ihm in der Folge die schönsten Erlebnisse ein. Zu diesen zählt die Aufnahme mit Hopkins von 1994, aber auch die Biographie, die er nach dessen viel zu frühem Tod schrieb und ihn zum Chronisten einer verschwundenen Welt werden ließ. »Das ist alles ein riesiges Abenteuer für mich«, erzählt Dawson anläßlich seines neuen Albums, das er sich gerade selbst zum 70. Geburtstag schenkt.

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Es ist eine Platte mit einigen Erinnerungen an seine über vierzigjährige Bühnenkarriere, aber auch eine Möglichkeit, schon im Studio mit vielen der Menschen zu feiern, die er auf seinem Trip durch das Land der Musik getroffen hatte und die dann gute Freunde geworden sind. Stoppok lernte er schon in den Siebzigern kennen als beide noch als Folkmusiker durch deutsche Clubs zogen. Ebenso Wolfgang Niedecken, der ihn in der Hochzeit von BAP als besonderen Gast mit auf Tour nahm. Jetzt nahmen die drei zusammen eine bluesig-countryesque Version des NDW-Knallers „Codo“ auf. Zur NDW-Zeit übersetzte Dawson mit seinen guten Deutschkenntnissen viele Hits ins Englische. So zum Beispiel „Nur geträumt“ von Nena, aber leider nicht den Welthit „99 Luftballons“. Knapp daneben. Andere Dinge trafen wiederum voll ins Schwarze, wie etwa der Titel „How Can I Sleep Without You“, der es in den Neunzigern in die Charts schaffte. Eine Duett-Version des Lieds, die er zusammen mit Lucinda Williams aufnahm, ging damals auf einem Best Of ein wenig unter und kommt jetzt als erste Singleauskopplung endlich zu vollen Ehren.

Eine Erinnerung an gemeinsame Anfangstage im Can-Studio bringt Helmut Zerlett mit, der auf „Guardian Angel“ spielt. Ganz besonders erfreulich, daß Dawson und Vince Gill, der heutzutage zusammen mit Steuart Smith bei den Eagles spielt, es nach 35 Jahren endlich geschafft haben, eine gemeinsame Version ihres Titels „I Don’t Feel Like Dancing“ aufzunehmen. Dawsons Abenteuerreise hatte ihn nämlich auch eine ganze Weile nach Nashville, New York und Austin geführt. Aber auch seine englischen Freunde wie Iain Matthews von Matthews Southern Comfort, Richard Thompson von Fairport Convention oder Larry Campbell von Bob Dylans „Never Ending Tour“- Band geben sich auf dem Album die Klinke in die Hand. Es sind Augenblicke wie diese, die Julian Dawson ein Leuchten ins Auge zaubern.

Julian Dawson
Julian Dawson

Label: Magic Mile Music
VÖ: 05.07.2024
Genre: Singer Songwriter / Rock Pop / Blues Folk
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Julian Dawson

wurde am 04. Juli 1954 in London, England geboren. Es war der Tag, an dem Elvis Presley erstmals mit Scotty Moore und Bill Black zusammenkam, um „That’s All Right, Mama“ in den Sun Studios in Memphis aufzunehmen. Wenn das kein Omen ist! Mit 17 begann Dawson ein Kunststudium am Exeter Art College, um es schon kurz darauf gegen die vage Idee eines Musikerlebens in Deutschland einzutauschen. Da mit der amerikanischen Soldatenband in Bad Nauheim keine Eigenkompositionen umsetzbar waren, verließ er die Band, sah sich Deutschland an und lernte sukzessive sein Handwerk in verschiedenen Bands in der alten Heimat.

Doch die Deutschland-Connection zahlte sich aus, so daß Dawson Anfang der Achtziger zu ersten Aufnahmen ins Can-Studio fahren konnte und dort sein Basiscamp aufschlug. Nach einem Projekt mit Jaki Liebzeit winkte bald schon ein Plattenvertrag mit Polydor und das erste eigene Album „As real as Disneyland“. Ende der Achtziger folgte Dawson seinem großen Traum nach Amerika und veröffentlichte dort 1990 ein erstes Album. Mit „How Can I Sleep Without You“ brachte ihm dies einen Einstieg in die deutschen Singlecharts ein. Zudem tourte er vier Monate als besonderer Gast von BAP.

Es folgten die schicksalshafte Begegnung mit dem legendären Sessionpianisten Nicky Hopkins, dessen Biograph Dawson wurde, die Band Plainsong, in der er zusammen mit Iain Matthews (von Matthews Southern Comfort) spielte, sowie über zwanzig eigene Plattenproduktionen. Dawson war auch als Produzent und Studiomusiker tätig, produzierte beispielsweise zwei sehr erfolgreiche Soloalben von Wolfgang Niedeckens und tourt regelmäßig vor treuem Publikum in Deutschland und Amerika.

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