Wiesbaden, 13. Juni 2025 – Wenn Legenden auf Jubiläumstour gehen, darf man Großes erwarten. Doch was W.A.S.P. an diesem Freitagabend im ausverkauften Schlachthof Wiesbaden zelebrieren, übertrifft selbst die kühnsten Erwartungen. Mit der „Album ONE Alive!“-World Tour feiert die kalifornische Heavy-Metal-Institution das 40-jährige Bestehen ihres bahnbrechenden Debüts „W.A.S.P.“ – und spielt es erstmals überhaupt in voller Länge live. Ein historischer Moment für die Metalwelt – und ein unvergesslicher Abend für alle Anwesenden.
Schon bevor die ersten Töne erklingen, ist die Spannung im Raum greifbar. Fans aller Altersklassen – von alten Wegbegleitern bis zur jüngeren Generation, die das Debütalbum nur von Vinyl kennt – pilgerten in den traditionsreichen Schlachthof, um dieses einmalige Event mitzuerleben. Mit ihrer rot-schwarz dominierten Bühnenkulisse, martialischen Mikrofonständern und einem düster-theatralischen Lichtdesign schaffen W.A.S.P. sofort die passende Atmosphäre für eine Reise zurück in das Jahr 1984.
Als die ersten Riffs von „I Wanna Be Somebody“ ertönen, bricht ein kollektiver Jubel aus. Was folgt, ist ein kompromissloses Set voller Energie, Power und Zeitlosigkeit. Song für Song arbeiten sich W.A.S.P. durch ihr Debüt – „L.O.V.E. Machine“, „Hellion“, „Sleeping (In the Fire)“ wurden mit brachialer Präzision und ungebrochener Spielfreude präsentiert. Blackie Lawless, mittlerweile 68 Jahre alt, wirkt wie ein dunkler Priester des Metal, dessen Stimme nichts von ihrer Schärfe und Ausdruckskraft verloren hat. Sein charismatisches Auftreten fesselt – mal angriffslustig, mal emotional – stets mit einer Prise sarkastischer Gesellschaftskritik.
Lawless kommentiert zwischendurch das Jubiläum des Albums mit bewegten Worten: „Wir waren eine wütende Band in wütenden Zeiten – und wenn ich heute so in die Welt blicke, scheint sich vieles leider wieder zu wiederholen.“ Ein Statement, das nachhallt – nicht nur unter Metal-Fans.
An seiner Seite brillieren Bassist Mike Duda (seit 1995 Teil der Band) und Lead-Gitarrist Doug Blair (seit 2001), die beide mit messerscharfen Soli und kraftvoller Bühnenpräsenz das Publikum mitreißen. Drummer Aquiles Priester, seit vielen Jahren live mit dabei, liefert ein druckvolles, präzises Fundament und verleiht dem Sound von W.A.S.P. zusätzliche Tiefe und Dynamik.
Das Zusammenspiel der Band wirkt eingespielt und doch frisch – als würde das Quartett die Songs nicht zum x-ten Mal spielen, sondern gerade erst schreiben. Dabei transportieren W.A.S.P. nicht nur nostalgische Gefühle, sondern zeigen, wie relevant ihre Musik auch vier Jahrzehnte nach Veröffentlichung geblieben ist. Die Refrains werden lautstark mitgegrölt, die Fäuste fliegen im Takt – ein echtes Gemeinschaftsgefühl erfüllt den Raum.
Nach dem letzten Ton des Albums gibt es keine Pause – stattdessen legen W.A.S.P. mit einigen Klassikern nach, darunter „Wild Child“, „Blind in Texas“ und „Chainsaw Charlie (Murders in the New Morgue)”, bevor die Show mit einem donnernden Finale endet.
W.A.S.P. liefern mit der „Album ONE Alive!“-Tour ein grandioses Metal-Feuerwerk ab, das Vergangenheit und Gegenwart eindrucksvoll verbindet. Blackie Lawless und seine Mitstreiter zeigen, dass echter Heavy Metal keine Altersgrenze kennt – und dass ein 40 Jahre altes Album heute aktueller klingen kann denn je. Der Schlachthof Wiesbaden wurde für einen Abend zum Wallfahrtsort für Metal-Fans – laut, emotional, unvergesslich. Wer die Chance hat, diese Tour noch irgendwo zu erleben: Pflichttermin!
Text & Foto © Jan Heesch


