Wenn man an einem herbstlichen Mittwochabend durch die Eingangstore der Frankfurter Festhalle strömt, spürt man sofort, dass etwas Besonderes in der Luft liegt. Parkway Drive haben gerufen – und Tausende sind erschienen, um diesen Ruf zu beantworten. Die australische Metalcore-Institution machte auf ihrer aktuellen Tour am 24. September 2025 Halt in der Mainmetropole, und was folgte, war ein Abend, der weit über eine gewöhnliche Konzertperformance hinausging.
Schon beim Betreten der imposanten Halle war klar: Hier wird nicht nur ein Konzert gespielt, hier wird ein Erlebnis inszeniert.
Ein Auftakt voller Wucht
Mit dem brachialen Opener Carrion setzten Parkway Drive gleich zu Beginn den Ton des Abends. Kaum hatte Winston McCall das Mikrofon ergriffen, verwandelte sich die Festhalle in ein brodelndes Meer aus Fäusten, Schreien und Moshpits. Die Energie war so greifbar, dass man fast meinen konnte, die Wände der altehrwürdigen Halle würden erzittern. Direkt darauf folgte Prey, das mit seinem hymnischen Refrain den Chor von mehreren tausend Kehlen entfachte – ein frühes Zeichen dafür, dass dieser Abend ebenso von gemeinschaftlicher Euphorie wie von musikalischer Härte geprägt sein würde.
Glitch und Sacred zeigten, wie Parker Drive es verstehen, ihren modernen, groove-betonten Sound mit einer Präzision zu liefern, die kaum Platz zum Atemholen ließ. Spätestens mit Vice Grip gab es kein Halten mehr: Hier entfaltete sich der volle Mitsing-Moment, wenn die Menge synchron die „Whoa-oh“-Chöre intoniert – ein Paradebeispiel dafür, wie die Band es schafft, Metalcore mit Stadiontauglichkeit zu vereinen.
Rückblicke und Überraschungen
Ein erster Gänsehautmoment kam mit Boneyards, für das sich Joel Birch von The Amity Affliction die Ehre gab. Der gemeinsame Auftritt zweier australischer Szenegrößen entfachte einen zusätzlichen Energieschub und riss alte wie neue Fans gleichermaßen mit. Mit Horizons, einem Klassiker aus der Frühphase, zollte die Band anschließend ihren Wurzeln Tribut, bevor die Stimmung mit dem atmosphärischen Cemetery Bloom kurzzeitig ins Dunkel abtauchte.
Das Wechselspiel zwischen gnadenloser Härte und kontemplativen Ruhepunkten war an diesem Abend ohnehin eine der großen Stärken. Songs wie The Void und Wishing Wells rissen das Publikum wieder zurück in den Strudel aus Riffs, Growls und massiven Breakdowns. Der Mittelteil des Konzerts wurde dann von einem besonderen Highlight geprägt: Ein Medley aus Gimme a D, Anasasis (Xenophontis), Mutiny, It’s Hard to Speak Without a Tongue, Smoke ’Em If Ya Got ’Em und Romance Is Dead – ein wahres Feuerwerk an Oldschool-Parkway-Drive-Energie, das die langjährigen Fans förmlich explodieren ließ.
Großes Kino mit Streichern
Mit Dark Days und Idols and Anchors führten Parkway Drive das Publikum tiefer in ihre Diskografie, bevor es zu einem der eindrucksvollsten Momente des Abends kam: Chronos, begleitet von Violinen und Cello. Die Streicher verliehen dem Song eine epische Wucht, die im finalen Instrumentalteil in eine fast schon cineastische Dimension überging. Auch Darker Still, ohnehin ein Stück voller Pathos, wurde in dieser orchestralen Darbietung zu einem ergreifenden Höhepunkt, der zwischen metallischer Härte und orchestraler Eleganz oszillierte.
Finale mit Pyro und purer Eskalation
Zum Ende hin gab es kein Halten mehr. Bottom Feeder und Crushed ließen die Halle förmlich beben, begleitet von Flammenstößen, die die ohnehin schweißgetränkte Luft weiter aufheizten. Das Drumsolo zu Beginn von Crushed setzte noch einmal ein technisches Ausrufezeichen, bevor mit Wild Eyes der finale Abriss folgte. Der Song, seit Jahren ein fester Bestandteil der Zugaben, wurde zur ultimativen Hymne eines Abends, der Gemeinschaft, Aggression und Euphorie in perfekter Balance zusammenbrachte.
Parkway Drive haben sich in den vergangenen Jahren von einer Szenegröße des Metalcore zu einer der größten und wichtigsten Metal-Bands unserer Zeit entwickelt. Der Auftritt in der Festhalle Frankfurt war mehr als nur ein Konzert: Es war ein Manifest dieser Entwicklung. Härte, Hymnenhaftigkeit, Theatralik und Gemeinschaftsgefühl – alles verschmolz an diesem Abend zu einem Gesamterlebnis, das noch lange nachhallen wird.
Während die letzten Akkorde verklangen und die Lichter langsam angingen, konnte man in den Gesichtern der Fans lesen: Parkway Drive haben nicht nur abgeliefert, sie haben triumphiert.
Text und Bilder by Jan Heesch
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