Mannheim. Wenn André Rieu mit seinem Johann Strauss Orchestra in der SAP Arena auftritt, ist eines sicher: Es wird kein gewöhnlicher Konzertabend. Am vergangenen Samstag verwandelte der niederländische Star-Violinist die Mannheimer Arena erneut in einen festlichen Konzertsaal und bot rund 9.000 Besucherinnen und Besuchern ein musikalisches Erlebnis voller Charme, Humor und Emotionen. Schon der Einmarsch des rund 60-köpfigen Orchesters wurde zum ersten Höhepunkt. In prunkvollen Abendkleidern und eleganten Smokings zog das Ensemble unter Applaus zur Bühne und eröffnete ein knapp dreistündiges Konzert, das von Beginn an wie ein festlicher Ball wirkte.
Das aufwendig gestaltete Bühnenbild entführte das Publikum immer wieder an unterschiedliche Orte – etwa in ein italienisches Dorf, in eine verschneite Waldlichtung oder in eine imposante Kathedrale. Die wechselnden Kulissen machten den Abend auch visuell zu einem Erlebnis. Doch nicht nur die Musik stand im Mittelpunkt. Mit humorvollen Gesten, kleinen Anekdoten und viel Charisma sorgte der 76-jährige Maestro immer wieder für Lacher im Publikum. Schnell wurde klar: Dieser Abend lebte nicht nur von großen Melodien, sondern vor allem von der besonderen Atmosphäre. Seit fast vier Jahrzehnten reist Rieu mit seinem musikalischen Tross um die Welt. Über 40 Millionen verkaufte Tonträger und Millionen begeisterte Konzertbesucher machen ihn zu einem der erfolgreichsten Klassikkünstler der vergangenen Jahrzehnte.
Viele Orchestermitglieder begleiten ihn bereits seit rund 30 Jahren – die Harmonie im Ensemble ist deutlich spürbar. Musikalisch bot der Abend die ganze Bandbreite, für die Rieu bekannt ist: Walzer, Operette, Musicalmelodien und Filmmusik. Immer wieder griff der Geiger selbst zur Violine und dirigierte sein Orchester mit sichtbarer Leidenschaft. Operettenklassiker wie „Da geh ich zu Maxim“ trafen auf internationale Melodien und Musicalhits. Für einen bewegenden Moment sorgte ein Auszug aus dem Musical Les Misérables, gesungen von Sopranistin Anna Majchrzak. Auch die „Platin Tenors“ – Gary Bennett, Béla Mavrák und Serge Bosch – überzeugten mit kraftvollen Stimmen und humorvollen Einlagen. Ein besonderer Moment gehörte zudem dem Panflötisten Michel Tirabosco.
Mit seiner Interpretation von „Gabriels Oboe“ berührte er das Publikum spürbar – ein beeindruckender Künstler, der trotz fehlender Hände seit seiner Kindheit ein außergewöhnliches musikalisches Talent entwickelt hat. Natürlich durften auch die großen Walzer nicht fehlen. Beim „Schneewalzer“ rieselten künstliche Schneeflocken von der Decke und verwandelten die Arena in eine winterliche Traumlandschaft. Spätestens bei „An der schönen blauen Donau“ hielt es viele Besucher nicht mehr auf den Sitzen: Sie klatschten, schunkelten oder tanzten sogar zwischen den Sitzreihen. „Musik ist das Allerschönste, das wir haben“, sagte Rieu und betonte, dass sie Menschen unabhängig von Alter oder Herkunft verbinde. Das Publikum dankte mit begeistertem Applaus und zahlreichen Zugabenforderungen. Mit viel Humor, musikalischen Höhepunkten und einem nahbaren Entertainer endete der Abend schließlich nach einer langen Abschiedsrunde. Zurück blieb ein Konzert voller Musik, Emotionen und Gemeinschaft – und der Beweis, warum André Rieu seit Jahren weltweit Arenen füllt.
Text & Fotos © Helmut Dell


































