Zu laut, zu direkt, genau richtig. Warum diese Plakate provozieren müssen?!

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Die Ausstellung zeigt Arbeiten des deutschen Grafikers und politischen Künstlers Klaus Staeck. Seit den 1970er Jahren prägt er mit seinen Plakaten die politische Bildsprache in Deutschland. Seine Werke greifen gesellschaftliche Konflikte auf und stellen Macht, Ungleichheit und politische Verantwortung zur Diskussion.

Die aktuelle Ausstellung bezieht klar Position für demokratische Werte und gegen Gewalt und Fremdenhass. Sie versteht sich als Beitrag zur politischen Bildung und als Impuls für gesellschaftlichen Dialog.

Vor Ort habe ich mit dem Veranstalter Herrn Gunther Bechtel über die Hintergründe der Ausstellung, die bisherigen Reaktionen und die Rolle politischer Kunst heute gesprochen.

Gunther Bechtel © CK

Was war der konkrete Anlass, diese Ausstellung gerade jetzt zu organisieren?

Gunther Bechtel: Ich kenne Professor Klaus Staeck schon sehr lange. Unsere letzte Begegnung war 2002 bei Manfred Geis. Die Idee haben wir all die Jahre mitgetragen. Für mich war es jetzt wichtig, diese Ausstellung nach Bockenheim zu holen und gemeinsam mit Manfred Geis, Andreas Mann und Dr. Ulrich umzusetzen.

Welche Botschaft sollen die Besucher aus den Plakaten von Klaus Staeck mitnehmen?

Gunther Bechtel: Ich halte das für sehr wichtig, gerade im Hinblick auf anstehende Wahlen. Die Plakate zeigen Themen, die uns seit 30 oder 40 Jahren begleiten. Sie tun das ironisch und sehr direkt. Es geht um Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Krieg und Umweltschutz. Wir wollen deutlich machen, dass es so nicht weitergehen kann. Wir müssen handeln. Auch beim Thema KI ist es entscheidend, dass wir als Menschen bewusst bleiben und verstehen, worum es geht.

Wie reagieren die Besucher bisher auf die Ausstellung?

Gunther Bechtel: Viele Besucher reagieren sehr positiv. Sie nehmen sich Zeit, schauen genau hin und denken nach. Viele nehmen Postkarten mit, die wir hier anbieten. Die Plakate und Postkarten kann man auch erwerben.

Die kann man alle erwerben?

Gunther Bechtel: Ja. Die Postkarten kosten einen Euro. Die Plakate hat uns Professor Staeck kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Idee ist, dass die Inhalte weitergetragen werden. Die Besucher nehmen etwas mit nach Hause und setzen sich damit auseinander. Unter der Woche ist es etwas ruhiger, weil wir nur von 15 bis 17 Uhr geöffnet haben. Am Wochenende wird es erfahrungsgemäß deutlich stärker.

Gunther Bechtel © CK

Eine klare Empfehlung an unsere Leser, sich ein Stück Kunst mit nach Hause zu nehmen. Eine besondere Gelegenheit.

Welche Rolle kann politische Kunst heute im Kampf gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit spielen?

Gunther Bechtel: Das ist nach wie vor zentral. Man darf diese Themen nicht verdrängen. Man muss immer wieder daran erinnern. Klaus Staeck sagt, dass es nur funktioniert, wenn man aktiv wird. Genau darum geht es hier. Auch eine kleine Ausstellung kann viele Menschen erreichen. Wir machen es öffentlich, wo es möglich ist, und hoffen auf Reaktionen. Kleine Formate können eine große Wirkung entfalten.

Warum sind solche Ausstellungen im lokalen Kontext wie hier in Bockenheim an der Weinstraße wichtig?

Gunther Bechtel: Weil wir die Menschen direkt erreichen müssen. Wer nichts tut, darf sich nicht wundern, wenn sich Dinge in die falsche Richtung entwickeln. Die Themen von damals sind heute noch aktuell. Es geht um unsere Zukunft und die unserer Kinder. Wir müssen das im Bewusstsein halten und entsprechend handeln.

Ich glaube, gerade für uns hier vor Ort ist es wichtig, dass Kunst zugänglich wird. Dass Engagement wie deins solche Einblicke ermöglicht. Vielen Dank dafür.

Gibt es weitere Projekte im Anschluss an diese Ausstellung?

Gunther Bechtel: Ja. Wir planen weitere Ausstellungen in diesem Geist. Vorher hatten wir eine Ausstellung zu jüdischem Leben im Südwesten. Auch die wurde gut angenommen. Viele haben mir gesagt, sie hätten sie gerne gesehen, hatten aber keine Zeit. Das Interesse wächst.

Im August kommt die nächste Ausstellung, in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe in Bad Dürkheim. Sie wird etwa drei Wochen hier zu sehen sein. Begleitend sind Veranstaltungen geplant. Es wird auch Beiträge von Menschen geben, die persönliche oder familiäre Bezüge zur Geschichte haben.

Wie wurde die Ausstellung kuratiert?

Gunther Bechtel: Wir wollten keine Parteipolitik, sondern aktuelle gesellschaftliche Themen zeigen. In Heidelberg haben wir mit Klaus Staeck gesprochen und auf Basis seiner Empfehlungen ausgewählt. Einige Plakate waren leider nicht mehr verfügbar. Dafür haben wir viele Postkarten, die man mitnehmen kann. Sie sind eine gute Möglichkeit, die Inhalte weiterzutragen.

Vielen Dank, Herr Gunther Bechtel, für das Gespräch und die Einblicke in die Entstehung und Zielsetzung der Ausstellung.

Die Ausstellung überzeugt genau dort, wo sie unbequem wird. Sie ist laut, direkt und politisch klar positioniert. Gerade das macht ihren Wert aus. Sie zwingt zur Auseinandersetzung und lässt wenig Raum für Gleichgültigkeit.

Wer sich für gesellschaftliche Entwicklungen interessiert, sollte diese Ausstellung nicht verpassen. Sie ist noch bis Sonntag, 22. März geöffnet. Vor Ort besteht zudem die Möglichkeit, Plakate und Postkarten zu erwerben und die Inhalte mit in den eigenen Alltag zu nehmen.

Ein Besuch lohnt sich nicht nur aus künstlerischer Perspektive, sondern auch als bewusster Schritt in eine notwendige gesellschaftliche Debatte.

Interview von CK, 19.03.2026 

Blaues Rathaus Bockenheim an der Weinstraße © CK

Leininger Ring 62, 67278 Bockenheim an der Weinstraße

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