Willkommen in Wizobaden

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Der Schlachthof Wiesbaden war am 28. März 2026 bis auf den letzten Platz gefüllt – oder, wie es Wizo selbst augenzwinkernd nennen: „Wizo“baden. Ein Abend, der ganz im Zeichen von Haltung, Humor und hymnischem Deutschpunk stand – getragen von zwei Bands, die wissen, wie man ein Publikum nicht nur unterhält, sondern mitreißt.

Montreal: Zwischen Ironie und Ohrwurm

Den Auftakt machten Montreal, die von der ersten Minute an klarmachten, dass sie mehr sind als nur Vorband. Mit „Primadonna und Primat“ eröffneten sie ihr Set energiegeladen und zogen das Publikum sofort auf ihre Seite. Zwischen Selbstironie („Idioten der Saison“) und charmantem Alltagspunk („Auf der faulen Haut“) entwickelte sich schnell eine intime, fast familiäre Atmosphäre.

Besondere Highlights waren das treibende „Kino?!“ und „Richtig falsch“, bei denen der Saal bereits textsicher mitsang. Mit „Am Achteck nichts Neues“ bewiesen Montreal ihr Gespür für bissige Gesellschaftsbeobachtung, während das überraschende Steinwolke-Cover „Katharine, Katharine“ für nostalgische Momente sorgte.

Spätestens bei „15 Jahre für die Punchline“ und „Das falsche Pferd“ war klar: Diese Band ist live eine feste Größe. Der Abschluss „Tag zur Nacht“ ließ ein aufgeheiztes Publikum zurück – bereit für den Headliner.

Wizo: Politisch, laut, ungebrochen relevant

Als Wizo schließlich die Bühne betraten, entlud sich die Spannung im Raum schlagartig. Mit „Raum der Zeit“ startete die Band kraftvoll und ließ keinen Zweifel daran, dass sie auch Jahrzehnte nach ihrer Gründung nichts an Energie eingebüßt haben.

Klassiker wie „Ganz klar gegen Nazis“ und „Kein Gerede“ wurden frenetisch gefeiert – letzteres mit einem augenzwinkernden Extended-Outro im Stil von Wind of Change. Die Mischung aus alten Hymnen und neueren Songs funktionierte nahtlos: „Königin“, „Hey Thomas“ und das France-Gall-Cover „Poupée de cire, poupée de son“ sorgten für Abwechslung, ohne den roten Faden zu verlieren.

Politisch wurde es deutlich bei „Scheiss AFD“, das vom Publikum lautstark unterstützt wurde – ein Moment, der zeigte, wie sehr Wizo und ihre Fans auf einer Wellenlänge sind. Songs wie „Kopfschuss“, „Quadrat im Kreis“ und „Grauer Brei“ trieben die Intensität weiter nach oben, während „Der lustige Tagedieb“ eine kurze Verschnaufpause bot.

Ein Finale, das bleibt

Nach einem ohnehin schon intensiven Set kehrte die Band für die Zugaben zurück – und setzte mit „Hässliche Punker“, „Ich war, ich bin und ich werde sein“ und „Die letzte Sau“ einen würdigen Schlusspunkt unter einen Abend, der gleichermaßen schweißtreibend wie emotional war.

Ein ausverkaufter Schlachthof, zwei Bands in Bestform und ein Publikum, das jede Sekunde aufsog: Dieses Konzert war mehr als nur ein Gig – es war ein Statement. Montreal lieferten den perfekten Auftakt, Wizo die kompromisslose Vollendung.

Oder, um es im Sinne des Abends zu sagen: Wiesbaden wurde für eine Nacht zu „Wizo“baden – und niemand, der dabei war, wird das so schnell vergessen.

Text und Bilder by Jan Heesch

Montreal

Wizo

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