
Loreena McKennitt in Mannheim: Eine Reise durch Klangwelten
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Fünf große Kerzenständer tauchen die Bühne in warmes Licht, daneben stehen Harfe und Klavier bereit. Mehr braucht es zunächst nicht. Als Loreena McKennitt gestern Abend, am 19. März 2017, den Mozartsaal des Rosengartens betritt, wird es innerhalb weniger Augenblicke erstaunlich still. Kein großes Intro, keine effektvolle Inszenierung. Stattdessen eine Stimme, die mühelos durch den Saal trägt, und Musik, bei der man besser zuhört, als nebenbei sein Smartphone zu kontrollieren.
Für ihre aktuelle Europatour hat McKennitt bewusst einen intimen Rahmen gewählt. Gemeinsam mit Gitarrist Brian Hughes und Cellistin Caroline Lavelle führt die kanadische Musikerin durch mehr als drei Jahrzehnte ihres Schaffens. Harfe, Klavier, Gitarre und Cello reichen aus, um den Mozartsaal für einen Abend weit weg von Mannheim erscheinen zu lassen.
Drei Musiker füllen den gesamten Mozartsaal
Schon die ersten Stücke zeigen, wie gut diese reduzierte Besetzung funktioniert. Brian Hughes wechselt zwischen akustischer und elektrischer Gitarre, Caroline Lavelles dunkler Celloklang legt sich unter McKennitts Stimme, während diese selbst zwischen Harfe und Klavier wechselt. Viel Raum bleibt zwischen den Instrumenten. Genau deshalb hört man jede Nuance.
McKennitt singt nicht einfach ihre Lieder herunter. Sie nimmt sich Zeit, erzählt zwischen den Stücken von Reisen, historischen Orten und den Begegnungen, aus denen ihre Musik entstanden ist. Manchmal sind es kleine Anekdoten, manchmal längere Geschichten. Der Abend bekommt dadurch beinahe den Charakter eines musikalischen Reisetagebuchs.
Ihre Musik passt ohnehin schlecht in eine einzige Schublade. Keltische Traditionen bilden oft den Ausgangspunkt, doch orientalische Rhythmen, mediterrane Einflüsse und klassische Elemente tauchen ebenso selbstverständlich auf. Innerhalb weniger Minuten kann der Rosengarten gedanklich von Irland bis nach Istanbul reisen.
The Mystic’s Dream und Bonny Portmore schaffen besondere Momente
Bei Stücken wie „The Mystic’s Dream“ entsteht jene geheimnisvolle Atmosphäre, für die Loreena McKennitt seit Jahren bekannt ist. Die Stimme steht klar über den Instrumenten, ohne sich aufzudrängen. Im Saal herrscht eine Ruhe, die bei einem Konzert dieser Größe keineswegs selbstverständlich ist.
Auch „Bonny Portmore“ funktioniert in der Trio-Besetzung besonders gut. Cello und Harfe geben dem traditionellen Stück eine enorme Tiefe, während McKennitts Stimme nahezu schwerelos darüberliegt. Bei „The Bonny Swans“ verändert sich die Stimmung wiederum. Rhythmus und Erzählung treten stärker hervor, Brian Hughes bekommt mehr Raum an der Gitarre.
Dazwischen erzählt McKennitt von den Hintergründen ihrer Musik. Sie spricht ruhig, manchmal mit trockenem Humor, und lässt den Geschichten Zeit. Niemand ruft dazwischen. Man hört zu. Selbst das Husten im Saal scheint an manchen Stellen auffällig laut.
Zwischen Harfe, Klavier und keltischer Tradition
Besonders nah wirkt der Abend, wenn McKennitt an der Harfe sitzt. Das Instrument allein zieht schon die Blicke auf sich, doch sobald ihre Stimme dazukommt, entsteht eine fast kammermusikalische Atmosphäre. Die große Bühne des Mozartsaals schrumpft gefühlt auf wenige Meter zusammen.
Am Klavier verändert sich ihr Spiel. Die Songs bekommen mehr Gewicht, einzelne Akkorde bleiben länger stehen. Caroline Lavelle ergänzt dazu nicht nur das Cello, sondern immer wieder auch eine zweite Stimme. Gerade in den ruhigeren Passagen verschmelzen beide Stimmen beinahe miteinander.
Mit „The Mummers’ Dance“, „Dante’s Prayer“, „The Lady of Shalott“ oder „The Old Ways“ kann McKennitt auf Stücke zurückgreifen, die viele Besucher seit Jahren begleiten. Andere Titel wirken wie kleine Entdeckungen. Das Programm lebt nicht davon, möglichst schnell die bekanntesten Songs abzuhaken. Es entwickelt einen eigenen Rhythmus.
Loreena McKennitt braucht keine große Inszenierung
Je länger der Abend dauert, desto deutlicher wird, wie konsequent hier auf alles Überflüssige verzichtet wird. Keine Tänzer. Keine riesigen Videowände. Keine Explosionen im Takt.
Stattdessen drei Musiker, einige Instrumente und Licht, das die Bühne eher in eine kleine Konzerthalle verwandelt als in eine moderne Showproduktion. Gerade diese Zurückhaltung macht den Auftritt stark.
Bei den schnelleren Passagen bekommt die Musik trotzdem ordentlich Bewegung. Stücke wie „Santiago“ zeigen, dass McKennitts Welt keineswegs nur aus verträumten Balladen besteht. Gitarre, Cello und Percussion-Effekte treiben die Melodie voran, während im Publikum zumindest die Füße sichtbar mitgehen.
Am stärksten bleibt aber diese Ruhe zwischen den Tönen. Ein letzter Akkord verklingt, und für einen kurzen Augenblick wartet der gesamte Saal, bevor der Applaus einsetzt. Solche Sekunden kann man nicht planen.
Nach fast drei Stunden endet die Reise. Die Kerzen leuchten noch, die Instrumente stehen auf der Bühne und im Mozartsaal gibt es langen Applaus für drei Musiker, die an diesem Abend erstaunlich wenig gebraucht haben, um sehr große Bilder entstehen zu lassen.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













