This Flight Tonight mit Nazareth

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Am 30. März 2026 verwandelte sich die Kongresshalle Gießen in eine Zeitkapsel des klassischen Rock: Nazareth bewiesen eindrucksvoll, dass sie auch Jahrzehnte nach ihren größten Erfolgen nichts von ihrer Bühnenwucht eingebüßt haben. Vor einem begeisterten Publikum lieferten die schottischen Hardrock-Veteranen ein Konzert ab, das gleichermaßen Nostalgie und rohe Energie vereinte.

Schon mit den ersten Takten von „Telegram“ machte die Band klar, dass dieser Abend keine halben Sachen kennen würde. Druckvoll und präzise, mit einem Sound, der trotz moderner Technik angenehm rau blieb, zog die Band das Publikum sofort auf ihre Seite. Spätestens bei „Miss Misery“ und dem folgenden „Razamanaz“ war die Stimmung auf Betriebstemperatur – die Menge sang lautstark mit und feierte jede Note.

Ein besonderes Highlight war „Shanghai’d in Shanghai“, das mit seinem treibenden Groove die Halle zum Beben brachte. Auch „Love Leads to Madness“ und „Dream On“ zeigten die melodischere Seite der Band, ohne dabei an Intensität einzubüßen. Mit „Holiday“ folgte einer der emotionalen Höhepunkte des Abends, bei dem das Publikum geschlossen mitsang und für Gänsehaut sorgte.

Dass Nazareth auch fremdes Material meisterhaft interpretieren können, bewiesen sie mit „This Flight Tonight“ (im Original von Joni Mitchell) – kraftvoll, dynamisch und mit ganz eigenem Charakter. Ebenso überzeugend geriet „Love Hurts“, ursprünglich von The Everly Brothers, das als einer der emotionalsten Momente des Abends gefeiert wurde.

Die zweite Konzerthälfte stand ganz im Zeichen der klassischen Rockpower: „When The Lights Come Down“, „Whiskey Drinkin’ Woman“ und „Beggar’s Day“ sorgten für durchgehende Bewegung im Publikum. Besonders hervorzuheben ist „Changin’ Times“, das mit einer ausgedehnten Solo-Passage glänzte und den Musikern Raum für virtuose Improvisationen ließ.

Mit „Hair of the Dog“ erreichte das Konzert seinen energiegeladenen Höhepunkt – ein Song, der auch heute noch nichts von seiner rohen Kraft verloren hat. Doch statt eines klassischen Endes folgte ein emotionaler Abschluss mit „Love Hurts“, der das Publikum spürbar berührte.

Natürlich ließ sich die Band nicht lange bitten und kehrte für eine Zugabe zurück: „Turn On Your Receiver“, „Where Are You Now“ und das kraftvolle „Go Down Fighting“ setzten den perfekten Schlusspunkt unter einen Abend, der eindrucksvoll zeigte, warum Nazareth zu den langlebigsten und einflussreichsten Bands des Classic Rock zählen.

Am Ende blieb ein restlos begeistertes Publikum zurück – und die Gewissheit, dass echter Rock ’n’ Roll kein Verfallsdatum kennt.

Bilder und Text by Jan Heesch

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