5 Seconds of Summer am 7. Juni 2016 während der Sounds Live Feels Live Tour in der SAP Arena Mannheim

5 Seconds of Summer in Mannheim: Pop-Punk im Ausnahmezustand

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Der erste Ton ist noch gar nicht gespielt, da ist die Lautstärke bereits bemerkenswert. Kreischen von den Rängen, Bewegung im Innenraum, Handys in der Luft. Für etliche der jungen Fans dürfte dieser 7. Juni 2016 sogar der erste große Konzertabend ihres Lebens gewesen sein. Als 5 Seconds of Summer in Mannheim schließlich die Bühne der SAP Arena übernehmen, reicht die bloße Anwesenheit von Luke Hemmings, Michael Clifford, Calum Hood und Ashton Irwin, um die nächste Welle durch die Halle zu schicken. Die Australier sind mit ihrer „Sounds Live Feels Live World Tour“ unterwegs und treffen in Mannheim auf ein Publikum, das „Don’t Stop“, „Amnesia“ und „Good Girls“ längst auswendig kennt. 

Mit klassischer Boyband hat das musikalisch nur bedingt zu tun. Luke Hemmings und Michael Clifford stehen mit Gitarren vorne, Calum Hood übernimmt Bass und Gesang, Ashton Irwin sitzt hinter dem Schlagzeug. Natürlich funktionieren viele Songs über große Popmelodien. Darunter steckt aber reichlich Pop-Punk, verzerrte Gitarren und ein Livesound, der härter ausfällt als manches Hochglanzvideo vermuten lässt.

Don Broco geben den Startschuss

Den Support übernehmen Don Broco. Die britische Rockband begleitet 5 Seconds of Summer auf diesem Abschnitt der Europatour und steht sowohl einen Tag zuvor in Berlin als auch am folgenden Abend in Köln mit den Australiern auf der Bühne. Auch der Mannheimer Termin ist mit Don Broco angekündigt. 

Das passt. Statt beliebigem Teen-Pop gibt es zum Einstieg Gitarren und einen deutlich rockigeren Sound. Die Rollenverteilung bleibt trotzdem klar. Je näher der Auftritt von 5SOS rückt, desto nervöser wird es in der Halle. Die Stimmen werden lauter. Dann Licht aus.

Jetzt zählt nur noch die Hauptband.

„Sounds Good Feels Good“ übernimmt die Bühne

Das zweite Album „Sounds Good Feels Good“ ist zu diesem Zeitpunkt noch keine acht Monate alt. In Deutschland war es bis auf Platz drei der Albumcharts gestiegen, in den USA, Großbritannien und Australien sogar auf Platz eins. Entsprechend viel Raum bekommt das Material auf der Welttournee. 

„Hey Everybody!“, „Money“, „Jet Black Heart“, „Vapor“, „Waste the Night“, „Permanent Vacation“ und „She’s Kinda Hot“ gehören zum Kern des damaligen Tourprogramms. Dazwischen stehen die Songs des Debüts, mit denen die Band ihren rasanten Aufstieg begonnen hatte. „Don’t Stop“, „Good Girls“, „Amnesia“ und „She Looks So Perfect“ verbinden beide Phasen miteinander. Die unmittelbar benachbarten Deutschlandshows in Berlin und Köln zeigen dabei eine fast identische Setlist. 

Gerade dieser Wechsel funktioniert live. „Money“ kommt mit kräftigem Gitarrendruck, „Jet Black Heart“ nimmt den Fuß vom Gas, bei „Good Girls“ geht die Lautstärke im Publikum wieder schlagartig nach oben. Hemmings, Clifford und Hood wechseln sich am Mikrofon ab, während Irwin vom Schlagzeug aus permanent nach vorne treibt.

„Amnesia“ braucht kaum mehr als die ersten Töne

Dann wird es ruhiger.

„Amnesia“ gehört bereits zwei Jahre nach Veröffentlichung zu jenen Songs, bei denen eine Halle keine Aufforderung zum Mitsingen braucht. Die Stimmen kommen aus dem Publikum zurück, viele Handys leuchten und für einige Minuten verschwindet der wilde Pop-Punk-Charakter hinter einer Ballade, die ganz offensichtlich einen Nerv getroffen hat. Die SAP Arena erinnert sich in ihrem eigenen Rückblick besonders an die Begeisterung des jungen Publikums bei genau solchen Songs. 

Lange hält diese Ruhe nicht. 5 Seconds of Summer leben auf dieser Tour von Kontrasten. Ballade, Gitarrenriff, großer Refrain. Michael Clifford und Luke Hemmings liefern sich immer wieder kleine Gitarrenmomente, Calum Hood hält mit dem Bass das Fundament zusammen und Ashton Irwin spielt, als müsse er beweisen, dass Popmusik durchaus schweißtreibend sein kann.

Das Publikum macht bereitwillig mit. Springen, singen, schreien. Selbst manche Eltern auf den Sitzplätzen lassen sich im Laufe des Abends von der Energie ihrer Kinder anstecken. 

Vier Australier zwischen Pop und Punkrock

Der Erfolg von 5 Seconds of Summer war 2016 längst international. Erst rund fünf Jahre zuvor hatte sich die Band in Sydney gegründet. Der große Schub kam durch YouTube, später durch die Tourneen mit One Direction. Doch auf der eigenen Arenatour wollten Hemmings, Clifford, Hood und Irwin erkennbar zeigen, dass sie mehr sein wollten als die nächste Begleiterscheinung einer Boyband-Welle.

Gerade live gelingt das überzeugender als jede Genre-Diskussion. Hier stehen vier Musiker mit ihren Instrumenten auf der Bühne. Die Songs haben Poprefrains, aber genauso Gitarren, Schlagzeugbreaks und hörbare Punkrock-Einflüsse. Produzent John Feldmann, selbst bekannt durch Goldfinger, hatte diesen Ansatz auf „Sounds Good Feels Good“ weiter verstärkt. 

Und doch wäre es falsch, den Popanteil kleinzureden. Genau die Verbindung macht diese Band zu diesem Zeitpunkt aus. Eingängige Melodien treffen auf verzerrte Gitarren. Die ersten Reihen wollen beides.

„She’s Kinda Hot“ und „She Looks So Perfect“ fürs Finale

Gegen Ende werden die Abstände zwischen den großen Mitsingmomenten immer kürzer. Das Romantics-Cover „What I Like About You“ gehört auf dieser Tour ebenso zum Endspurt wie „She’s Kinda Hot“. Bei letzterem trifft der rauere Sound des zweiten Albums noch einmal auf einen Refrain, der praktisch für große Arenen geschrieben ist. 

Und dann fehlt eigentlich nur noch einer.

„She Looks So Perfect“.

Der Song, mit dem 5 Seconds of Summer 2014 endgültig international durchgestartet waren, bildet auf den Deutschlandshows dieser Tour den Abschluss. Noch einmal gehen die Arme hoch, noch einmal übernimmt die Halle den Refrain. 

Danach bleiben vier verschwitzte Australier auf der Bühne und ein Publikum, das vermutlich noch eine ganze Weile weitergeschrien hätte.

Sounds live. Feels live. Hat funktioniert.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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