
Judas Priest in Frankfurt: Metal Gods in Bestform
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Schwarzes Leder, Nieten, kreischende Gitarren und diese Stimme. Es brauchte am 18. November 2015 nur wenige Minuten, bis klar war, dass Judas Priest in Frankfurt nicht gekommen waren, um ihre Vergangenheit gemütlich zu verwalten. Black Sabbaths „War Pigs“ lief noch vom Band, „Battle Cry“ kündigte den Auftritt an, dann eröffneten Rob Halford, Glenn Tipton, Richie Faulkner, Ian Hill und Scott Travis mit „Dragonaut“. Direkt danach folgte „Metal Gods“. Passender hätte sich eine der stilprägendsten Heavy-Metal-Bands kaum selbst vorstellen können. Die Jahrhunderthalle war ausverkauft.
Frankfurt war ein Zusatztermin der „Redeemer of Souls“-Tour, nachdem andere Deutschlandshows schnell ausverkauft waren. Das gleichnamige Album war 2014 erschienen und hatte Judas Priest nach der zuvor als Abschiedsrunde angekündigten „Epitaph“-Tour wieder mit neuem Material auf die Straße gebracht. Besonders Richie Faulkner, seit 2011 Nachfolger von K.K. Downing, hatte der Band sichtbar neuen Schwung gegeben. An diesem Abend traf seine Energie auf die jahrzehntelange Routine von Halford, Tipton und Hill.
The Dead Daisies eröffnen mit klassischem Hardrock
Bevor die Metal Gods übernahmen, gehörte die Bühne The Dead Daisies. Die international besetzte Hardrock-Formation trat in Frankfurt anstelle von UFO auf, die andere Termine dieses Tourabschnitts begleiteten. Am Mikrofon stand John Corabi, bekannt unter anderem durch seine Zeit bei Mötley Crüe. Der Sound führte deutlich zurück in die Siebziger und frühen Achtziger: erdige Gitarren, Blues-Unterbau und eine gehörige Portion klassischer Rock’n’Roll.
Auch Coverversionen von „Hush“ und „Helter Skelter“ fanden ihren Weg ins Set. Doch spätestens während des Umbaus richtete sich alles auf Judas Priest. Die Shirts im Publikum erzählten ohnehin mehrere Jahrzehnte Metalgeschichte. Jüngere Fans standen neben Besuchern, die diese Band bereits erlebt hatten, als „British Steel“, „Screaming for Vengeance“ oder „Defenders of the Faith“ noch neue Platten waren.
Dann gingen die Lichter aus.
Rob Halford lässt keinen Zweifel an seiner Stimme
„Dragonaut“ und „Metal Gods“ setzten den Ton, „Desert Plains“ und „Victim of Changes“ machten anschließend deutlich, wie weit Judas Priest an diesem Abend durch die eigene Geschichte gehen würden. Gerade Halford sorgte schnell für Staunen. Der damals 64-Jährige wechselte zwischen tiefen Passagen und jenen hohen Schreien, die seit Jahrzehnten zu seinem Markenzeichen gehören. Bei „Victim of Changes“ war davon noch reichlich vorhanden.
Auch optisch blieb der Metal God seinem Ruf treu. Immer wieder wechselte Halford Mäntel und Jacken, mal silbern glänzend, mal schweres schwarzes Leder. Nach einer Rückenoperation hatte er sich auf früheren Tourneen zeitweise deutlich zurückhaltender bewegt. In Frankfurt war davon weniger zu sehen. Er wanderte über die Bühne, suchte die Nähe zu den vorderen Reihen und überließ Faulkner und Tipton zwischendurch das Feld für ihre Gitarrenduelle.
Mit „Halls of Valhalla“ und dem Titelsong „Redeemer of Souls“ bekam auch das aktuelle Album seinen verdienten Platz. Drei Stücke der Platte standen insgesamt im Programm. Die neuen Songs wirkten zwischen Klassikern wie „The Rage“ oder „Turbo Lover“ keineswegs wie notwendige Pflichtnummern. Sie hielten stand.
„Breaking the Law“ braucht keine Erklärung
Spätestens im letzten Drittel begann die große Klassiker-Serie. Das zunächst zurückhaltende „Beyond the Realms of Death“ steigerte sich immer weiter, danach schlug „Screaming for Vengeance“ mit völlig anderer Geschwindigkeit ein. Und dann kam dieses Riff.
„Breaking the Law“.
Kaum waren die ersten Akkorde gespielt, übernahm die Jahrhunderthalle. Der Refrain gehört zu jenen Metal-Momenten, für die kaum mehr als drei Wörter nötig sind. Halford musste nicht viel dirigieren. Frankfurt wusste, was zu tun war.
Für „Hell Bent for Leather“ folgte eines der bekanntesten Rituale der Priest-Geschichte. Motorengeräusch. Eine Harley rollte auf die Bühne. Halford erschien in Lederkluft auf dem Motorrad und verwandelte das Ende des regulären Sets in genau jenes Heavy-Metal-Theater, das Judas Priest über Jahrzehnte selbst mitgeprägt hatten. Was bei einer anderen Band schnell nach Klischee aussehen könnte, ist hier längst Teil der DNA.
„Painkiller“ dreht den Abend noch einmal komplett auf
Nach einer kurzen Pause erklang „The Hellion“, gefolgt von „Electric Eye“. Wenige Minuten später stand mit „You’ve Got Another Thing Comin’“ der nächste riesige Refrain im Raum. Das hätte bereits als würdiges Finale funktioniert.
Judas Priest kamen noch einmal zurück.
Scott Travis begann das Schlagzeugintro von „Painkiller“ und plötzlich schien die komplette Show einen Gang höher zu schalten. Gerade hier zeigte Halford noch einmal, warum seine Stimme seit Jahrzehnten zu den außergewöhnlichsten im Heavy Metal gehört. Die hohen Passagen kamen mit einer Härte aus den Lautsprechern, die dem Alter der Band jede Bedeutung nahm. Danach blieb nur noch „Living After Midnight“. Eine letzte große Feier, bevor nach knapp über 90 Minuten Schluss war.
17 live gespielte Songs hatten dabei fast die gesamte Priest-Geschichte abgedeckt: vom 1976 erschienenen „Victim of Changes“ über „British Steel“ und „Screaming for Vengeance“ bis zu „Redeemer of Souls“. Kein überladener Rückblick. Keine Altersmilde.
Nur Leder, Stahl und Riffs.
Und ein Rob Halford, der bei „Painkiller“ noch einmal klarmachte, warum man ihn Metal God nennt.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures














